Infektiologe klärt auf:
Soll ich mein Kind gegen Corona impfen lassen?
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"Ich lasse mich impfen", sagt Univ.-Prof. Dr. Wiener Infektiologe Florian Thalhammer (MedUni Wien/AKH) zu den neuen Corona-Impfstoffen, die bereits vielversprechende Studien-Ergebnisse brachten. "Ich glaube der ist wirklich sicher", sagt er über den mRNA-Impfstoff. Man brauche keine Angst haben, dass man Jahre später bösartige Erkrankungen bekomme, beruhigt er Skeptiker. Die eruopäische Zulassungsbehörde sei auch strenger als die der USA. Man dürfe nicht vergessen – ganz, ganz seltene Nebenwirkungen würde es in allen Therapien geben, so der Infektiologe.
oe24.TV: Skeptiker kritisieren, dass es ein sehr kurzer Zeitraum war, in dem der Impfstoff entwickelt wurde. Was halten Sie dem entgegen?
Florian Thalhammer: "Ich komme mit einer anderen Studie. Wenn Sie sich Antibiotika anschauen: Sie werden getestet und zugelassen, aber gewisse Dinge entdecken sie erst, wenn Sie 100.000, eine Million, 10 Millionen Patienten damit behandelt haben, weil es ganz ganz selten ist. Trotzdem war das ein erfolgreiches Medikament, auch wenn es nachher heißt: 'Ja, diese Nebenwirkung ist signifikant häufiger, wenn es diese Substanz gibt'. Manche Dinge finden wir erst, wenn wir im täglichen Leben drinnen stehen. Das steht in keiner Zulassungs-Studie. Wenn wir da auf das Antibiotika gewartet hätten, wären wir an der Infektion gestorben."
oe24.TV: Wie viele, glauben Sie, werden sich impfen lassen?
Thalhammer: "Wichtig ist, dass wir alle dazu beitragen, eine positive Stimmung dazu zu schaffen. Wenn wir wie bei den Masken diskutieren 'Ja, Nein', dann werden wir Schiffbruch erleiden. Man soll nichts verschweigen, aber man soll auch nicht unnötig den Teufel an die Wand malen. Denken Sie an die Pockeimpfung - die war wirklich gefährlich und trotzdem hat man sich impfen lassen. Denn das Risiko an den Pocken zu erkranken und zu sterben, war größer."
oe24.TV: Würden Sie auch Kinder gegen Corona impfen lassen?
Thalhammer: Wir müssen zuerst jene Personengruppen impfen, die höchstgefährdet sind bzw. in Positionen sind, wo wir uns Ausfälle nicht leisten können. Die Kinder sind vermutlich jene, die zum Schluss dran kommen werden, weil sie die wenigsten schwersten Fälle haben. Wenn die Impfung etabliert ist, wird es auch so sein wie bei der Grippe, dass wir auch die Kinder impfen.
oe24.TV: Aber man kann Kinder Ihrer Meinung nach bedenkenlos impfen lassen?
Thalhammer: Die Studien sind meines Erachtens bis ins Kleinkindesalter erfolgt, weil das nicht das Zielpublikum war. Die Impfungen sind derzeit vom 18. Lebensjahr aufwärts bis zu den 80-Jährigen. Das heißt von der Zulassungsbehörde wird sicher verlangt werden, dass wenn ich Kleinkinder impfen lassen will, dass ich entsprechende Daten vorlegen muss. Was ja auch zu begrüßen ist. Aber versuchen wir doch erst das jetzige Problem zu lösen, bevor wir darüber diskutieren, ob wir die Zwei- oder Fünfjährigen impfen. Das ist sicherlich nicht jene Patientengruppe, die jetzt im Vordergrund steht.
oe24.TV: Was braucht man um eine Herdenimmunität zusammen zu bekommen?
Thalhammer: "Eine Herdenimmunität entsteht dann, wenn wir eine Impfungsrate von 95 Prozent erreichen. Die Herdenimmunität hier wird etwas niedriger sein, soll aber das Ziel sein."
oe24.TV: Halten Sie die Massentests für sinnvoll?
Thalhammer: Jetzt nach dem Lockdown halte ich sie für die breite Masse für nicht ideal. Ich habe erst ein Paper in einer der führenden Zeitungen im medizinischen Bereich gelesen. Das war eine Studie aus Wuhan - die haben 93 Prozent, also fasr ganz Wuhan getestet. Und da hat sich gezeigt, dass die asymptomatischen Corona-Infizierten zwar positiv waren, aber nicht ansteckend, also ungefährlich. Wie haben sie das herausgefunden? Die haben alle Asymptomatischen und deren Kontaktpersonen fpr 14 Tage in Quarantäne geschickt. Danach hat sich herausgestellt, dass sie keinen angesteckt hatten.
oe24.TV: Das steht ja aber komplett zum Widerspruch, wovor Österreich derzeit warnt. Hier werden ja gerade Asymptomatische als potenzielle Superspreader dargestellt...
Thalhammer: Daher muss man diese Erkenntnis in etwaige Massentests einfließen lassen muss. Die heiße Phase ist also die symptomatische. Und da gilt es alle Betroffenen und deren Umfeld testen.
oe24.TV: Was sagen Sie zu der Diskussion rund um die Ski-Gebiete?
Thalhammer: Das Problem des Winterurlaubs wird sein: Halligalli wird sich nicht spielen und nicht spielen können. Denn, wenn in, sozusagen, Ischgl II der Alkohol fließt und da einer drinnen ist, der positiv ist, dann haben wir denselben Super-GAU wie vor elf Monaten.
oe24.TV: Das heißt Skigebiete zulassen?
Thalhammer: Ja, weil ich nicht glaube, dass die Bevölkerung, die Touristen dort eine gewisse Art Selbstdisiziplin an den Tag legen werden. Das Skifahren per se auf der Piste halte ich für ungefährlich, aber das Ganze rund herum ist gefährlich.
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