Schon über eine Million immunisiert
Was macht Impf-Champion Israel besser als Europa?
In Österreich herrscht Chaos um den Impfplan. Ende des Jahres waren erst 6.000 Menschen geimpft. Auch in Deutschland und Frankreich wird in den Medien von einem "Impf-Desaster" gesprochen.
Weltmeister. Israel hingegen hat bald ein Fünftel seiner 9-Millionen-Bevölkerung gegen Covid-19 immunisiert - ist damit "Impf-Weltmeister". Pro hundert Einwohner wurden bereits 11,55 Dosen verimpft. Was macht das kleine Land besser als das große Europa?
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Beschaffung. Fest steht: Israel hat bei der Beschaffung schon einmal einen großen Vorsprung herausgeholt. Das Land hat am schnellsten reagiert, bestellt und einen guten Preis bezahlt.
Der genaue Preis wird zwar geheim gehalten, dürfte aber ungefähr beim Doppelten dessen liegen, was die EU zu zahlen bereit ist. 23 statt 12 Euro pro Dosis.
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Chefsache. Israels Premier Benjamin Netanyahu wirft sein ganzes persönliches Gewicht in die Waagschale, hat die Impf-Kampagne zur Chefsache erklärt. Kein Wunder -er befindet sich mitten im Wahlkampf. Nach Korruptionsvorwürfen und Israels drittem Lockdown ist er schwer angeschlagen, mit einem Impf-Erfolg will er das Steuer herumreißen.
Er verhandelte selbst mit Pfizer-Chef Albert Bourla, den er mittlerweile als seinen persönlichen Freund bezeichnet, auch bei den Gesprächen mit der US-Firma Moderna, mit der sechs Millionen Dosen vereinbart wurden, halfen gute Kontakte: Modernas medizinischer Vorstand ist Israeli und hat an der Universität Beerschweva studiert.
- Organisation. Israel ist gewöhnt, effizient auf Krisen zu reagieren. Das Gesundheitssystem ist, wie in Österreich oder Deutschland, hervorragend aufgebaut. Zugute kommt dem Land, dass ein Großteil der Bevölkerung im urbanen Raum lebt. In allen Ballungsräumen, aber auch am Land wurden Impfzentren aus dem Boden gestampft, auf dem zentralen Rabin-Platz in Tel Aviv wie in den Fußballstadien. Per App können sich in Phase eins die über 60-Jährigen anmelden und erhalten sofort einen Termin. Um nicht wertvollen, nicht eingesetzten Impfstoff entsorgen zu müssen (er muss, einmal aufgetaut, sofort verbraucht werden) gibt's ein Stand-by-System: Was übrig bleibt, kann an Jüngere verimpft werden.
»Hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Auch am Sabbat «
Gideon Tenner konnte sich in Tel Aviv bereits impfen lassen
ÖSTERREICH: Herr Tenner, sind Sie bereits geimpft worden?
Gideon Tenner: Ja, ich hatte bereits das Glück, geimpft worden zu sein, in einem großen Fußball-Stadion in Tel Aviv.
ÖSTERREICH: Sie sind doch erst 32, und derzeit sind erst die über 60-Jährigen dran
Tenner: Das stimmt, ich falle auch in keine Risikogruppe, ich bin einfach ohne Termin hingegangen. Eine Ampulle von BioNTech/Pfizer enthält fünf bis sechs Impfeinheiten. Bleibt am Ende des Tages etwas übrig, weil Leute nicht zum Termin erschienen sind, müsste wertvoller Impfstoff weggeschmissen werden, wenn die Ampullen bereits geöffnet sind. Er würde sonst ablaufen. Wenn man sich jetzt auch als junger Mensch drei Stunden anstellt und das Glück hat, dass etwas übrig bleibt, kommt man auch dran. Dieses Glück hatte ich. Wir haben jetzt weit über eine Million Geimpfte, der große Teil entfällt auf Risikogruppen, aber es sind auch schon jüngere Menschen darunter.
ÖSTERREICH: Wie funktioniert das Impfen in Israel?
Tenner: Im ganzen Land gibt es f lächendeckend Impfzentren. Nicht nur in den Ballungszentren Tel Aviv und Jerusalem, sondern über das ganze Land verteilt. In Fußball-Stadien, Event-Hallen, überall wurden riesige Zentren aufgebaut. Wir haben in Israel vier staatliche Krankenkassen, die einen unglaublichen Job machen und rund um die Uhr, Tag und Nacht, arbeiten. Auch am Sabbat. Bei dieser Impf kampagne soll wirklich alles ganz schnell gehen. Wenn man nicht wie ich auf gut Glück hingeht, meldet man sich via App bei seiner Versicherung an und bekommt den Ort und den Termin zugewiesen. Das funktioniert bisher einwandfrei.
ÖSTERREICH: Was macht Israel besser als wir?
Tenner: Ich bin ein großer EU-Fan, aber in diesem Fall wurde einfach zu kompliziert vorgegangen, um an einem Strang zu ziehen. Es wurde zu spät gehandelt, zu wenig Impfstoff bestellt. Israel hat in diesem Fall ausnahmsweise den Vorteil, sich nicht mit anderen Ländern abstimmen zu müssen. Man konnte eigenständig vorgehen, hat sehr früh verschiedene Optionen geprüft und genügend vorbestellt. Selbst mit den Russen wurde über Sputnik V verhandelt. Jetzt haben wir Millionen Vakzin-Einheiten von Pfizer, eine Million wird in der kommenden Woche von Moderna eintreffen. Es gibt keine Lieferengpässe, der Zeitplan steht. Wenn alles weiter so gut läuft, sind Ende des Monats bereits 2,5 Millionen Israelis geimpft - und das bei einer Bevölkerung von neun Millionen Menschen.
ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen nach der Impfung? Haben Sie irgendwelche Nebenwirkungen bemerkt oder Beschwerden?
Tenner: Mir geht es wunderbar. Ich hatte überhaupt keine Nebenwirkungen bis auf die üblichen. Auch nach einer Grippeimpfung ist der Arm oft leicht geschwollen. Ich hatte auch keine Kopfschmerzen oder Ähnliches. Bereits am darauffolgenden Tag habe ich mich wieder fit genug gefühlt, Sport zu machen.
ÖSTERREICH: Müssen Sie auch zum zweiten Impftermin wieder auf gut Glück hingehen?
Tenner: Nein, den zweiten Termin habe ich bereits vereinbart. Ich bin ja als Geimpfter jetzt bereits im System.
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