Kranke Dicke leben länger
Die wichtige neue Einsicht der Ernährungsexperten: In Sachen Übergewicht unterscheiden sich Gesunde und chronisch Kranke massiv. "Reverse epidemology" oder "Adipositas-Paradoxon" lautet die Formel der Spezialisten für das Phänomen, dass bei Gesunden die zusätzlichen Kilos krank machen können, bei chronisch kranken Menschen hingegen die Körperfülle eine schützende Wirkung entwickelt und die Sterblichkeit senkt. "Je schwerer die Erkrankung ist, desto mehr profitiert man von einem erhöhten Körpergewicht", so Hiesmayr.
Gezeigt wurde das Phänomen zum Beispiel in der großen, von Hiesmayr initiierten, Nutrition-Day-Studie mit mehr als 55.000 Patienten, die in europäischen Krankenhäusern aufgenommen waren: Das Risiko zu sterben war bei mangelernährten Patienten doppelt so hoch wie bei Patienten mit einem normalen BMI (18,5-25). Patienten, die adipös (BMI > 25) oder stark adipös (BMI 30-35) waren, hatten im Gegensatz dazu ein um 40 Prozent geringeres Sterberisiko als Normalgewichtige.
Der Experte: "Solche Erkenntnisse dürfen natürlich nicht als Aufforderung zur Übergewichtigkeit missverstanden werden. Übergewicht ist in unserer Gesellschaft ein ernstes Problem und ein Risikofaktor für eine Reihe von Krankheiten."
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