Im Vergewaltigungsprozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit in Norwegen hat Marius Borg Høiby Vorwürfe zurückgewiesen, dass er andere Menschen ohne deren Wissen unter Drogen gesetzt habe.
Er habe "noch nie jemanden unter Drogen gesetzt - so weit ich weiß", sagte der 29-Jährige am Donnerstag vor Gericht. Zuvor hatte eine der von ihm mutmaßlich vergewaltigten Frauen die Überzeugung geäußert, dass ihr ohne ihr Wissen Drogen verabreicht worden waren.
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Høiby wirkte bei seiner Aussage am Donnerstag sehr nervös, spielte immer wieder mit seinem Armband. Der 29-Jährige soll noch vor der Anklage gegen ihn im Internet Worte wie "Vergewaltigung" und seinen Namen gegoogelt haben. Er erklärte nach Angaben der Zeitung "Verdens Gang" am Donnerstag vor Gericht, er hätte zuvor Gerüchte über sich selbst gelesen, nach denen er eine Frau vergewaltigt haben soll. Deshalb habe er im Internet nach den Begriffen gesucht. Mehrfach brach Høiby laut Medien in Tränen aus, als es vor Gericht etwa um seine Suchhistorik und sexuellen Vorlieben ging.
Beweismaterial vor Gericht gezeigt
Am dritten Verhandlungstag im Vergewaltigungsprozess wird der 29-Jährige weiter zu einem mutmaßlichen Vorfall in der Residenz des Kronprinzenpaares befragt. Während einer Party mit Freunden soll er dort eine Frau sexuell berührt und gefilmt haben, während sie schlief. Als Beweismaterial wurden vor Gericht Videoaufnahmen gezeigt, die Høiby gemacht haben soll. Høiby soll die Aufnahmen später aus dem Foto-Ordner seines Handys in eine App übertragen haben. Das zeigten Ermittler, die jetzt ebenfalls vor Gericht aussagten, nach Angaben von "Verdens Gang" auf. "Das ist eine App, die man herunterladen muss", sagte ein Daten-Experte demnach. "Damit kann man Bild-Dateien, Medien-Dateien, Texte und Dokumente verstecken." Außerdem soll Høiby demnach versucht haben, während der Ermittlungen aus der Ferne Inhalte auf seinem Handy zu löschen.
Vor der Befragung von Høiby hatte eines seiner mutmaßlichen Opfer ausgesagt. Die Frau, deren Name von den Medien nicht genannt werden darf, äußerte dabei die Überzeugung, dass ihr bei einer Party auf dem königlichen Anwesen Skaugum 2018 Drogen verabreicht worden waren. "Sehen Sie mein Gesicht: Es ist doch klar, dass ich völlig bewusstlos bin. Es sieht sogar so aus, als würde ich nicht atmen", sagte sie zu Aufnahmen der mutmaßlichen Vergewaltigung, die auf Høibys Handy entdeckt worden waren.
Smalltalk, unauffällig und "lame": So erinnern sich zwei Frauen laut Medien an die Partynacht. "Es war eine ganz normale After-Party, bei der wir zusammengesessen und getrunken haben", sagte eine der Zeuginnen laut dem Fernsehsender NR. Sie erinnere sich nicht an Drogen oder daran, dass manche betrunkener gewesen seien als andere: "Alle waren zwar betrunken, aber wach."
Gestand Leben im Exzess
Høibys Vernehmung hatte am Mittwoch begonnen, dabei gestand er ein Leben im Exzess mit "viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol" ein. Grund dafür sei sein "extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung", sagte der 29-Jährige unter Tränen. Die gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe wies er zugleich zurück.
Dem Sohn von Mette-Marit wird vorgeworfen, vier Frauen vergewaltigt und mehrere Ex-Freundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben. Insgesamt umfasst die Anklage 38 Punkte, Høiby drohen bis zu 16 Jahre Haft. Er ist der Sohn von Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, bevor sie mit Kronprinz Haakon zusammenkam.
Die mutmaßlichen Vergewaltigungen fanden laut dem Eröffnungsplädoyer der Staatsanwaltschaft alle nach zunächst einvernehmlichem Geschlechtsverkehr statt - oft nach Abenden mit starkem Alkoholkonsum, an denen die Frauen nicht in der Lage gewesen seien, sich zu verteidigen. Die Verteidigung argumentiert dagegen, Høiby habe "alle Handlungen als völlig normale und einvernehmliche sexuelle Beziehungen wahrgenommen".