US-Kultregisseur Richard Linklater bringt Hommage an Godards "Außer Atem" - Ab 12. März im Kino
Es ist zweifelsohne ein Film für Cineasten, den der Cineast Richard Linklater mit "Nouvelle Vague" nun vorlegt. Der Kultregisseur ("Boyhood", "Before Sunrise") erzählt darin die Geschichte des Urwerks des neuen französischen Kinos: Jean-Luc Godards "Außer Atem". Nicht im Sinne einer Neuverfilmung, sondern als Hommage an das Vorbild, das stilistisch gewürdigt und dessen Hintergrund augenzwinkernd erzählt wird. Am Donnerstag kommt das Werk nun in die österreichischen Kinos.
Wir schreiben das Jahr 1959. Jean-Luc Godard ist unter den Jungs der revolutionären Filmzeitschrift "Cahiers du Cinéma" mutmaßlich der intellektuellste. Und definitiv der letzte, der noch keinen eigenen Film gedreht hat. Das will er mit "À Bout de Souffle" ("Außer Atem"), basierend auf einem von ihm umgeschriebenen Drehbuch Truffauts, nun ändern.
Hier setzt Linklater ein und schildert das lange Werden des Films, das im Vorfeld aus Partys, Anbahnungen und Brainstormings besteht. Dies liefert ihm die Gelegenheit, die Größen der Zeit wie Rossellini, Truffaut, Greco oder Chabrol vorbeiparadieren zu lassen. Doch selbstredend liefert der 65-jährige Indieregisseur kein gängiges "Behind the Scenes", sondern ein mit Verweisen, Andeutungen, Easter Eggs gespicktes eigenständiges Fortdenken, wie es gewesen hätte sein können oder vielleicht auch war.
Der Dreh als kreatives Chaos
Der zweite Teil schildert dann den eigentlichen Dreh jenes Werks, das heute als Urgestein der Nouvelle Vague gilt und dank des im chaotischen Kreativsturm Konventionen brechenden Godards stilistische Maßstäbe setzte. Dieser Stilistik erweisen Linklater und sein Kameramann David Chambille ihre Referenz, was vom obligatorischen Schwarz-Weiß über das Format 1:1,37 bis hin zur Anmutung des eigentlichen Filmmaterials reicht. Einzig beim Schnitt verzichtet Linklater auf die Sprunghaftigkeit des Vorbildes. Und doch ist "Nouvelle Vague" in der Gestalt mehr Reenactment als Hommage.
Dafür sorgt auch das Darstellerquartett, wenn Frankreichs Shooting-Star Guillaume Marbeck Godard durchgängig als arroganten, aber humorvollen Intellektuellen mit Sonnenbrille spielt, Zoey Deutch selbst das US-Französisch von Jean Seberg hinbekommt oder Newcomer Aubry Dullin der schwierige Part des Jean-Paul-Belmondo gelingt. Mit ihnen taucht das Publikum ein in das Lebensgefühl der 1960er. Für Filmfans ist der Kinostart jedenfalls praktisch ein Pflichttermin.