Pop statt Parolen

Xavier Naidoo öffnete für 14.000 Fans sein Wiener Herz

Viel Soul und noch mehr Gefühl, aber keine Erklärung seiner vielen Irrwege. Xavier Naidoo ließ am Sonntag in der Stadthalle nur die Musik sprechen. Und sein rot weiß-rotes Herz: „Man könnte ohne weiteres in Wien wohnen.“ 

„Es ist viel passiert, aber hier sind ma. Herrlich. Und ihr wisst ja: ‚Alles kann besser werden!“ Viel mehr als Erklärung gab es am Sonntag in der ausverkauften Stadthalle nicht, dabei hätte Xavier Naidoo nach den vielen Irrwegen der letzten Jahre ja gar so viel zu entschuldigen. Seine Thesen der QAnon-Ideologie etwa, das Sympathisierten mit den Reichsbürgern oder seine verschwörungsideologischen und antisemitischen Äußerungen. Stattdessen gab es für 14.000 Fans ein Soul- und Pop-Feuerwerk voll Wiener Schmäh.

Xavier Naidoo öffnete für 14.000 Fans sein Wiener Herz
© zeidler

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Mit „Servas die Madln. Servas die Buam“ huldigte er schon zum Opener „Bei meiner Seele" den großen Heinz Conrads um dann auch bei den wenigen weiteren Ansagen gerne ins Schönbrunner-Deutsch abzudriften. Auch mit Erinnerungen an sein erstens Raststätten-Essen in Österreich („A Frittaten-Suppn, natürlich!“) und mit großem rot-weiß-roten Herz: „Es ist schon schön in Wien. Man könnte ohne weiteres hier wohnen.“

Xavier Naidoo öffnete für 14.000 Fans sein Wiener Herz
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Spannend: zum "Söldnerlied“ wurde Naidoo, der sich die knapp zwei Konzertstunden hinter einer Sonnenbrille versteckte und dazu auch Hut und Mantel nicht ablegte,  doch ein bisschen politisch und laut „Wenn wir es schaffen könnten eine Zeit einzuleiten, wo wir solche Lieder nicht mehr singen müssen, wäre das schön.“ Doch wer sich in der Stadthalle weitere Aufreger oder gar klare Worte über seine Irrwege erhoffte, wurde maßlos enttäuscht.

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Wer aber nach über 6-jähriger Konzertpause einer der besten Stimmen des deutschsprachigen Raums hören wollte, der wurde durchaus belohnt. Samtweich und gefühlvoll dirigierte Naidoo seine formidable sechsköpfige „Hammer-Band“ durch ein 25 Song starkes Hitfeuerwerk, bei dem er nicht nur mit Chart-Krachern wie "Was wir alleine nicht schaffen", "Dieser Weg“, wo er auch die Dialekt-Zeilen „Diese Gassn“ einflechten ließ, „Sie sieht mich nicht“ („Das Video haben wir damals in Berndorf gedreht“), "Zeilen aus Gold", "Bevor du gehst" ("Der Refrain ist mir auf der Ringstraße eingefallen") oder "ich kenne nichts (das so schön ist wie du)" aufhorchen ließ, sondern auch mit der euphorisch gefeierten Söhne-Mannheims-Erinnerung „Und wenn ein Lied“ und dem versprechen: "Wir sehen uns wieder, Wien!" 

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Da war dann die anfangs noch etwas zögerliche Stimmung in der Stadthalle doch auf Betriebstemperatur hochgefahren. Nach seinen kruden Aktionen hat sich Naidoo zumindest für seine Wiener Fans rehabilitiert.

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