Prozess in Wien

Drogen unter Kerzen und Schokolade: Wiener Juwelier als Komplize

Angeklagt war der Handel mit mehr als 200 Kilogramm inkriminiert: Am Ende hagelte es fünf bzw. vier Jahre Haft für zwei Niederländer und zweieinhalb Jahre unbedingt für einen Wiener Juwelier - Urteile rechtskräftig


Wien. Um Suchtgift-Handel im ganz  großem Stil mit geschmuggelten Paketen, die bis nach Australien und Neuseeland verschickt wurden, ist es am Donnerstag am Wiener Landesgericht gegangen. Die drei Angeklagten hatten einer hochprofessionellen, von den Niederlanden aus operierenden kriminellen Vereinigung angehört. 

Die Beschuldigten waren für das Funktionieren der über die Bundeshauptstadt laufenden Vertriebskette zuständig. "Sie haben mit Kokain, MDMA und auch Ketamin im Zig-Kilo-Bereich gehandelt", sagte der Staatsanwalt zu Beginn der Verhandlung. Insgesamt wurden über 200 Kilogramm verschickt, wobei die Suchtmittel zwischen Duftkerzen oder Schokoladetafeln gepresst und versteckt waren.

"Die unterschiedlichen Transportdienstleister hatten davon keine Ahnung", berichtete der Staatsanwalt. Die Pakete seien teilweise von den Zollbehörden abgefangen worden. Adressiert waren sie an Empfänger "in der ganzen Welt", darunter auch in den USA und Mexiko.

Suchtgifthändler trat als "Superman" auf 

Aufgabe des 35-jährigen Angeklagten war es, die Suchtmittel in Koffern nach Wien zu bringen, wo sie vom 26-Jährigen übernommen wurden. Die beiden Männer kannten einander nicht näher, der Ältere soll - offenbar angelehnt an die Comic-Figur Superman - unter dem Pseudonym Clark Kent aufgetreten sein. Einen Teil der Ware übernahm auch der mitangeklagte Juwelier, der einige Kilogramm verkauft haben soll.

Alles nur wegen einer teuren Uhr

"Ich bin da reingerutscht. Es tut mir leid", sagte der 39-Jährige, der darüber hinaus auf Anraten seiner Verteidiger Florian Kreiner und Philipp Wolm zu keinen weiteren Angaben bereit war. Wie Kreiner darlegte, sei sein Mandant in eine "Drucksituation" gekommen. Er habe eine sündteure Uhr in Kommission übernommen, die dann in Verlust geraten sei. Diese Uhr habe einem Kriminellen gehört, der den Juwelier - eigenen Angaben zufolge brachte er bis zu seiner Festnahme monatlich bis zu 8.000 Euro ins Verdienen - sozusagen auf die "schiefe Bahn" gezwungen habe. Der 39-Jährige sei davon ausgegangen, dass ausschließlich Ketamin in den Paketen war, versicherte Kreiner: "Er hatte keinen Vorsatz, Drogen zu übernehmen."

Der 35-Jährige war im Wesentlichen geständig. Er hatte in den Niederlanden als DJ gearbeitet und sich aufgrund einer ausgeprägten Spielsucht verschuldet. Diese Schulden habe er bei Kriminellen abarbeiten müssen. Pro Auftrag habe er 1.000 Euro bekommen, gab der Mann zu Protokoll. 20 bis 30 Aufträge soll er laut Anklage abgewickelt haben, davon zumindest zehn direkt in Wien. Fragen dazu beantwortete der 35-Jährige nicht: "Zu meiner eigenen Sicherheit möchte ich mich dazu nicht äußern."

Der 26-Jährige behauptete entgegen seiner bisherigen Verantwortung, er habe ausschließlich Ketamin in den übernommenen Koffern bzw. von ihm verschickten Paketen vermutet: "Ich war niemals darüber informiert, dass es nicht nur Ketamin war." Er habe sich darauf eingelassen, "weil leicht Geld zu verdienen war mit dem Versenden".

Der Schöffensenat schenkte dieser Verantwortung keinen Glauben. Auch der 26-Jährige hatte Verbindlichkeiten als Motiv geltend gemacht. "Die Studiengebühren in den Niederlanden sind so hoch. Er hatte 80.000 Euro Schulden", wusste sein Verteidiger Sascha Flatz. Die kriminelle Bande, deren Köpfe in Holland säßen, hätten den 26-Jährigen "ausgesucht, weil er sehr unauffällig aussieht".

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