Heftiger Streit

Friseur schlug Friseur mit Rasierapparat Auge aus

Der Streit zwischen zwei türkischen Geschäftspartnern in Wien eskalierte im Beisein von geschockten Kunden - der Rasierer traf ein Auge, das später entfernt werden musste - der Angeklagte macht Notwehr geltend.

Wien. Mit einem Streit zweier Friseure und mit den damit verbundenen fatalen Folgen für den älteren der beiden hatte sich am Freitag ein Schöffensenat am Landesgericht zu befassen. Einem 28-Jährigen wurde absichtliche schwere Körperverletzung mit Dauerfolge angekreidet, weil er im vergangenen Sommer seinem Geschäftspartner mit dem eingeschalteten Rasierapparat wuchtig ins Gesicht gedonnert hatte. 

Der Schlag - laut Staatsanwältin "gezielt und kräftig" ausgeführt - bewirkte einen Bruch des Nasengerüstes sowie eine Eröffnung des linken Augapfels, was zunächst einen gänzlichen Verlust der Sehkraft am linken Auge zur Folge hatte. Aus medizinischen Gründen musste später das Auge entfernt werden. Stattdessen bekam der 53-Jährige einen prothetischen Ersatz eingesetzt.

Konfliktgeladene Geschäftsbeziehung

Die beiden Friseure waren eine konfliktgeladene Geschäftsbeziehung eingegangen, wie sich in der Verhandlung zeigte. Sie hatten gemeinsam das Geschäft übernommen, dürften aber miteinander nicht klargekommen sein. "Er hat versucht, mich zu entfernen. Da haben die Unstimmigkeiten begonnen. Er wollte mich aus der Partnerschaft draußen haben und das Geschäft selbst führen", schilderte der Angeklagte.

Schließlich einigte man sich, dass der 28-Jährige gegen eine Abfindung in Höhe von 50.000 Euro per 30. September ausscheiden sollte. Bis dahin bedienten die beiden Männer mit türkischen Wurzeln in dem kleinen Salon weiterhin ihre Kunden. Am 31. Juli schnitten sie Schulter an Schulter Kundschaften die Haare, als es zu einem hitzigen Wortgefecht kam.

Ausgangspunkt der finalen Auseinandersetzung war der Vorwurf des einen, dass entgegen einer ursprünglichen Abmachung ausschließlich die Ehefrau des anderen wöchentlich den Salon reinigte. Während des laufenden Betriebs beschimpfte der Jüngere den 53-Jährigen, weil dessen Frau angeblich nie putzte. "Ich war respektlos. Ich habe ihn beleidigt. Ich habe ihn einen charakterlosen Mann und einen Lügner genannt", räumte der Angeklagte ein.

"Es ist unabsichtlich passiert"

Voller Zorn zugeschlagen zu haben, stellte er in Abrede. "Es ist unabsichtlich passiert", gab der 28-Jährige zu Protokoll, "leider hatte ich einen Rasierapparat in der Hand."

Während das Opfer davon ausging, dass gezielt auf sein linkes Auge geschlagen wurde, plädierten der Angeklagte und sein Verteidiger auf Notwehr. Der Rivale habe ihm einen Faustschlag versetzen wollen, sagte der Jüngere: "Seine Faust hat meine Nase gestreift. Ich wollte mich schützen. Ich habe aus Angst und aus Reflex gehandelt." "Was soll er machen? Nach hinten konnte er nicht ausweichen. Da war die Mauer", meinte sein Anwalt. "Er wollte einen Schlag abwehren. Dass das so katastrophale Folgen hat, war nicht absehbar."

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