Leichtere Entnahme

Biber-Streit eskaliert – Bauernbund schießt gegen Rosenkranz

Der Biber-Streit im Land eskaliert völlig. Während Landesrätin Rosenkranz leichtere Abschüsse fordert, wirft ihr der Bauernbund jahrelange Untätigkeit vor und kündigt eine breite Antrags- und Resolutionswelle an. 

Laut Niederösterreichs Naturschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) breiten sich Biber in vielen Regionen rasant aus und sorgen für immer größere Probleme. Für die Politikerin ist jetzt der Punkt erreicht, an dem dringend gehandelt werden muss. Sie warnt vor dramatisch steigenden Schäden und betont, dass die Tiere zu einer konkreten Gefahr für Menschen, Eigentum und wirtschaftliche Existenzen werden.

Die aktuelle Rechtslage ist aus der Sicht von Rosenkranz völlig veraltet und geht an der Realität vorbei. "Der Schutz des Bibers war richtig und notwendig. Aber die Menschen dürfen mit den massiven Folgen dieser extrem wachsenden Population nicht länger allein gelassen werden", so Susanne Rosenkranz.

Gefahr für Felder und ganze Ortschaften

Immer häufiger komme es zu überfluteten Feldern, zerstörten Drainagen und untergrabenen Wegen. Sogar wichtige Hochwasserschutzanlagen seien mittlerweile massiv beschädigt. Besonders gefährlich seien Verklausungen bei Starkregen, da diese Blockaden ganze Ortschaften bedrohen könnten. Wer die Augen vor dieser Entwicklung verschließe, handle nach ihrer Einschätzung verantwortungslos.

Aus der Sicht von Rosenkranz brauchen Gemeinden, Behörden und Betroffene endlich schnelle sowie praktikable Regelungen statt bürokratischer Hürden. Prävention stehe für sie zwar weiter im Vordergrund. Wenn Problemtiere jedoch zur Gefahr für Mensch und Gut werden, müsse man über Maßnahmen wie erleichterte Entnahmen nachdenken.

Steigende Biberpopulation: Landesrätin Rosenkranz fordert entschlossenes Handeln.

Steigende Biberpopulation: Landesrätin Rosenkranz fordert entschlossenes Handeln.

© FPÖ NÖ

"Die Realität hat die derzeitige Rechtslage längst überholt. Was einst als Schutzmaßnahme gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem für Gemeinden, Landwirte und Anrainer“, betont Rosenkranz.

Kritik an veraltetem Schutzstatus

Der aktuelle Schutzstatus stammt nach Ansicht der Politikerin aus einer Zeit, in der das Tier tatsächlich vom Aussterben bedroht war. Diese Situation ist laut ihr jedoch längst Geschichte. Ideologische Forderungen dürfen aus ihrer Sicht nicht schwerer wiegen als der Schutz der Bevölkerung, der Infrastruktur und der bäuerlichen Betriebe. "Der heutige Schutzstatus stammt aus einer Zeit, in der der Biber tatsächlich bedroht war. Diese Situation existiert längst nicht mehr“, sagt Rosenkranz.

Eine grundlegende Änderung der Gesetze kann zwar nur auf europäischer Ebene beschlossen werden, diese Diskussion muss jetzt aber laut Rosenkranz mit Nachdruck geführt werden.
"Wir werden bei der Landesnaturschutzreferentenkonferenz einen entsprechenden Antrag einbringen und weiterhin Druck machen" kündigt die Landesrätin an.

Bauernbund ortet jahrelangen Stillstand

Die Forderungen von Rosenkranz stoßen beim Bauernbund jedoch auf scharfe Kritik. Für Bauernbund-Nationalrätin Martina Diesner-Wais (ÖVP) sind die Worte der Landesrätin reine Ausreden. Sie ortet seit mehr als drei Jahren einen totalen Stillstand in der Biber-Politik des Landes.

Diesner-Wais:

Diesner-Wais: "Jahrelange FP-Untätigkeit in diesem Bereich muss endlich beendet werden." 

© VPNÖ

"Anlässlich des Weltbienentags im Mai hat Landesrätin Rosenkranz erneut den Tierschutz in den Mittelpunkt gestellt. Gleichzeitig stellt sich für viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Grundeigentümer sowie bäuerliche Betriebe in Niederösterreich eine andere Frage: Wann werden endlich praktikable Lösungen beim Biber-und Fischotterproblem geschaffen?", fragt Diesner-Wais.

Nach den Angaben des Bauernbundes gibt es mittlerweile allein in Niederösterreich rund 10.000 Biber. Die Schäden würden täglich zunehmen, besonders in Orten wie Hausleiten, Groß-Höbarten, Zwettl, im Kamptal, am Lunzer See, in Marchegg, Gmünd, Kirchstetten oder im Yspertal. Neben den Bibern seien laut Diesner-Wais auch Fischotter ein riesiges Problem, da sie ganze Flüsse leerfischen und die Teichwirtschaft ruinieren würden.

Bernhard Berger, Fischereiverwalter der Teichwirtschaft des Gutes Ottenstein, zeigt ein durch eine Biberrutsche stark beschädigtes Ufer.

Bernhard Berger, Fischereiverwalter der Teichwirtschaft des Gutes Ottenstein, zeigt ein durch eine Biberrutsche stark beschädigtes Ufer.

© Leo Kirchmaier/LK NÖ

"Seit mehr als drei Jahren ist Rosenkranz als zuständige Landesrätin in der Verantwortung. Dennoch erleben viele Betroffene weiterhin Stillstand statt Lösungen. Während Schäden zunehmen und der Druck auf Gemeinden, Landwirtschaft und Fischerei wächst, braucht es endlich wirksames Handeln“, so Diesner-Wais fest.

Forderung nach fixen Abschusskontingenten

Die Ausreden auf die Europäische Union lässt die Nationalrätin nicht gelten, da andere Bundesländer bereits viel bessere Regelungen getroffen hätten. Der Bauernbund fordert daher fixe jährliche Abschusskontingente statt aufwendiger Einzelfallprüfungen. Abschüsse müssten zum Standard werden, wenn Gefahr im Verzug ist. Auch die Betroffenen selbst würden bereits verzweifeln.

In Krems wurde ein massiver, hochgewachsener Baum entfernt, der durch Biberbefall stark beschädigt war. 

In Krems wurde ein massiver, hochgewachsener Baum entfernt, der durch Biberbefall stark beschädigt war. 

© Stadt Krems

"Es müssen Erleichterungen eintreten. Eingriffe müssen schneller möglich sein. Die große Sorge in der Landwirtschaft ist leider nur immer, dass zuerst etwas Gröberes passieren muss, bis gehandelt wird“, brachte es ein betroffener Landwirt auf den Punkt.

Breite Kampagne angekündigt

Laut Diesner-Wais steht die Landesrätin politisch insgeheim lieber auf der Seite von Aktivisten, was sie im Vorjahr durch ein öffentliches Lob an eine Tierschutz-Organisation bewiesen habe. Für die Vertretung der Landwirte ist damit nun das Maß voll. 

"Unsere bäuerlichen Familienbetriebe sind das Rückgrat unseres Landes. Dieses Rückgrat braucht Schutz, Fairness und klare politische Entscheidungen im Sinne der niederösterreichischen Landsleute. Daher werden in den kommenden Wochen und Monaten in den Bezirksbauernkammern, in der Landeslandwirtschaftskammer und in den Gemeinden Anträge und Resolutionen zu diesem Thema eingebracht, um den Druck auf die zuständige Landesrätin zu verstärken“, erklärte Diesner-Wais.

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