In Tirol

"Sieg Heil"-Rufe: Skandal am Gauder Fest

Die Tiroler Polizei ermittelt wegen angeblich neonazistischer bzw. rassistischer Vorfälle rund um das Gauder Fest im Tiroler Zillertal, das vom 29. April bis zum 2. Mai über die Bühne gegangen war.  

So sollen bei der Fahrt dorthin mit der Zillertalbahn von einer Gruppe junger, betrunkener Burschen "Volkslieder" und "Sieg Heil"-Rufe angestimmt worden sein. In einer Hotelbar sei zudem ein Hakenkreuz auf einen Tisch gemalt worden, hatte der "Standard" zuerst berichtet.

Anonyme, aus Tirol stammende Festgäste hatten sich bei der Zeitung gemeldet und von den mutmaßlichen Vorfällen berichtet. Man ermittle "in allen Bereichen" gegen Unbekannt, was die angeblichen Vorfälle in der Zillertalbahn betrifft auch wegen eines Verstoßes gegen das Verbotsgesetz bzw. wegen möglicher nationalsozialistischer Wiederbetätigung, sagte eine Polizeisprecherin am Montag zur APA. Bei der Exekutive selbst habe hingegen niemand direkt etwas angezeigt, die nunmehrigen Untersuchungen seien aufgrund der medialen Berichterstattung eingeleitet worden. Es sei demnach auch "sehr wenig vorliegend", erklärte die Sprecherin. In solchen Fällen wäre es doch von Vorteil, die Polizei "zeitnah" zu verständigen, hieß es. Nach Abschluss der Ermittlungen, an denen auch das Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) beteiligt ist, werde ein Bericht an die Staatsanwaltschaft ergehen. Diese wird dann zu entscheiden haben, ob ein konkretes Ermittlungsverfahren eingeleitet wird oder nicht. Man warte die Erhebungen der Polizei ab, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde zur APA.

Zu dem Vorfall in der Zillertalbahn soll es laut einem Zeugen am 1. Mai gekommen sein. Die drei offenbar betrunkenen jungen Männer hätten sich im Zug mit einer weiteren Gruppe zusammengetan. Ein "Anführer" soll Volkslieder angestimmt und die anderen animiert haben, mitzusingen. Dann soll er inbrünstig "Sieg Sieg Sieg Heil Heil Heil" geschrien haben. Auch seien andere Fahrgäste "an-agitiert" worden. Ein anderer Festgast in Zell am Ziller will wiederum am Weg zum Fest rassistische und antisemitische Aussagen wahrgenommen haben und berichtete von Männern, die sich auf der Toilette am Festgelände "rassistisch ausgelassen" hätten. Und am Rande des Gauder Festes, in einer Hotelbar in Zell, hätten er und Freunde wiederum noch eine Gruppe junger Männer gesehen, die offen "SS" und "HH" sowie ein Hakenkreuz auf einen Tisch malten.

Bürgermeister verurteilt angebliche Vorfälle

Der Bürgermeister und Veranstalter des Gauder Festes in Zell am Ziller, Robert Pramstrahler, verurteilte indes gegenüber dem ORF Tirol das geschilderte Verhalten: "Das Gauder Fest ist ein Traditionsfest mit Brauchtum und Geschichte und vielen Menschen, die feiern wollen. Rechtsradikale und Neonazis haben hier keinen Platz." Wir verurteilen das zutiefst", hielt er fest. Man habe eine behördliche Videoüberwachung und ausreichend Polizeikräfte vor Ort, sodass man etwaige Täter rasch finden und "vom Fest entfernen" könne.

Auf übergeordneter politischer Ebene kamen unterdessen Reaktionen von SPÖ und Grünen. SPÖ-Justizsprecherin Selma Yildirim zeigte sich "schockiert." Die Tiroler Abgeordnete forderte "volle Aufklärung und Konsequenzen" und meinte: "Wir brauchen klare Kante gegen Rechtsextremismus in Österreich." Die sozialdemokratische Sprecherin für Erinnerungskultur, Sabine Schatz, meinte wiederum, NS-Wiederbetätigung sei kein "Burschenspaß", sondern "ein Verbrechen und gehört konsequent verfolgt und bestraft." Und Tirols SPÖ-Klubobfrau Elisabeth Fleischanderl erklärte, die berichteten Vorfälle würden zeigen, "wie sehr wir den Kampf gegen Rechtsextremismus intensivieren müssen."

Die Grünen-Nationalratsabgeordneten Barbara Neßler und Lukas Hammer ließen wissen, dass es "nur die Spitze des Eisbergs" sei, die man hier erlebe. Dies zeige der Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW). Die Vorfälle seien eine "Schande für das Volksfest". Es brauche einen wirksamen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus. "So sind wir in Tirol nicht", meinten zudem Neßler und Tirols Grünen-Chef Gebi Mair.

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