In Floridsdorf sorgt ein geplantes Windkraft-Projekt für Wirbel. Am Rand des Bisambergs sollen vier neue Windräder entstehen, doch Naturschützer schlagen wegen gefährdeter Tierarten bereits Alarm.
Das Vorhaben der WEB Windenergie AG bringt die Diskussion über Windräder direkt nach Wien. Laut einer Sprecherin des Unternehmens stecke das Projekt derzeit allerdings noch in einer sehr frühen Phase, weshalb es aktuell noch keinen konkreten Zeitplan für einen Bau oder eine Inbetriebnahme gibt. Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich noch nicht abschließend beurteilen, ob sich der Standort tatsächlich für ein konkretes Projekt eignen würde, zitiert der "Kurier" eine WEB-Sprecherin weiter.
Unter dem Titel "WP Floridsdorf" sollen laut Projektplänen östlich des Bisambergs, zwischen dem Rendezvousberg und der Stammersdorfer Kellergasse, vier neue Anlagen errichtet werden, berichtet der "Kurier" online. Während der Standort aufgrund des Winds der Wiener Pforte als ideal gilt, regt sich bereits Widerstand.
Das geplante Areal grenzt unmittelbar an das Natura-2000-Gebiet Bisamberg und liegt im Wiener Grüngürtel. Besonders kritisch wird der Bau neben der "Schanze 12" am Wolfersgrünweg gesehen. Ein Naturdenkmal würde dort auf über 4.300 Quadratmetern von Rotoren überdeckt werden. Leopold Andrä von der Initiative "Pro Wild" warnt vor der Zerstörung erhaltenswerter Lebensräume. Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt rund 100 Vogelarten in diesem Gebiet, darunter gefährdete Bodenbrüter wie die Feldlerche.
Bedrohung für Flora und Fauna
Auch Ziesel-Vorkommen sind in der betroffenen Zone dokumentiert. Andrä, der auch Bezirksjägermeister ist, stellt im Gespräch mit dem "Kurier" die Frage: "Wir sind nicht prinzipiell gegen Windräder, aber wir fragen uns: Sollte man in Anbetracht der hohen Biodiversität nicht vorher Nachschau halten, damit man nicht etwas Erhaltenswertes zerstört?" Er fordert daher eine bessere Einbindung der Bevölkerung, anstatt nur mit Grundeigentümern zu verhandeln. Die WEB Windenergie AG, in deren Aufsichtsrat die ehemalige SPÖ-Politikerin Brigitte Ederer sitzt, hat bisher noch keine Details zur genauen Leistung der Anlagen veröffentlicht.
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Stadt Wien prüft Pläne genau
Die zuständige Umweltschutzabteilung der Stadt Wien, die MA 22, gibt laut dem Medienbericht an, dass bisher noch kein Bewilligungsantrag vorliege. Sollte dieser eingereicht werden, müssen die Vorhaben streng nach den Vorgaben des Wiener Naturschutzgesetzes geprüft werden. Interessanterweise hat die städtische Wien Energie selbst zuletzt keine eigenen Projekte im Stadtgebiet vorangetrieben, sondern stattdessen einen privaten Ökostrom-Anbieter übernommen. Das Projekt am Bisamberg bleibt somit vorerst ein brisantes Diskussionsthema zwischen Klimaschutz und Arterhalt.