SPÖ-Politiker

Erste Zeugen entlasten Nevrivy in Causa Wienwert

SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (Donaustadt) und Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze bestreiten die Vorwürfe gegen sie.

Der Prozess rund um die pleitegegangene Immobilienfirma Wienwert ist am Montag fortgesetzt worden. Weiter im Fokus stehen der hauptangeklagte Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze sowie der in einem Nebenstrang angeklagte SPÖ-Bezirksvorsteher der Donaustadt, Ernst Nevrivy. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem Politiker unter anderem Verletzung des Amtsgeheimnisses vor, bei Gruze lautet der Verdacht auf Untreue. Beide bestreiten die Vorwürfe.

SPÖ-Bezirksvorsteher (Donaustadt) Ernst Nevrivy. 

SPÖ-Bezirksvorsteher (Donaustadt) Ernst Nevrivy. 

© SPÖ

Laut WKStA soll Nevrivy Gruze den Standort einer geplanten Remisenerweiterung der Wiener Linien verraten haben. Gruze kaufte das Grundstück und veräußerte es gewinnbringend an den Öffi-Betreiber. Dadurch sei der Stadt Wien ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden, so die Anklage. Im Gegenzug soll Nevrivy von Gruze unter anderem mehrere VIP-Tickets für das Wiener Fußball-Derby sowie Spiele der Nationalmannschaft bekommen haben. Zudem soll Wienwert die bei Nevrivy beliebte Band "Wiener Wahnsinn" gesponsert haben. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze

Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze.

© SG & CO

Ex-Rapid-Manager: Konnte Nevrivy leicht zu Spielen einladen

Erster Zeuge am Montag war der ehemalige Rapid-Manager und Stiefsohn des angeklagten SPÖ-Politikers. Er bestätigte die Aussagen Nevrivys aus den vorangegangenen Prozesstagen, wonach er diesem leicht Zugang zu VIP-Plätzen verschaffen konnte. Nevrivy hätte "mit Sicherheit" auch kurzfristig zu einem Spiel kommen können. Auch zu Spielen der Nationalelf habe er als Klubmanager Karten besorgen können. "Mit VIP-Karten mich zu locken, halte ich für spannend", hatte der Bezirkspolitiker Nevrivy die Vorwürfe der Vorteilnahme bei seiner Befragung vor Gericht Ende Jänner abgetan.

Später am Vormittag wurde ein Bandmitglied von "Wiener Wahnsinn" befragt. Das Sponsoringgeld der Wienwert sei eins zu eins in die Produktion von Musikvideos der Band geflossen. Wegen einer angefragten Kulturförderung (die letztlich abgelehnt wurde) habe Nevrivy, der laut Bandmitglied "Fan der ersten Stunde" sei, von deren Suche nach Geldmitteln gewusst. Es habe, so der Zeuge, ein Treffen zwischen Band und Wienwert-Chef Gruze gegeben, bei dem der Bezirksvorsteher auch anwesend war. Die Vereinbarung zwischen Wienwert und Wiener Wahnsinn sei rein mündlich erfolgt - was der Zeuge aber nicht ungewöhnlich fand. Das Interesse der Wienwert an dem Sponsoring erklärte sich der Musiker mit der großen Bekanntheit der Musikgruppe in der Donaustadt - ein zentrales Zielgebiet für die Immobiliengruppe, wie auch Gruze selbst in der Vergangenheit betont hatte.

SPÖ-Politiker weist Vorwürfe von sich

Nevrivy erklärte vor Gericht wiederholt, dass die Remisenpläne bereits weit vor seiner Informationsweitergabe an Gruze einem sehr breiten Personenkreis - darunter der "halben Baubranche" - bekannt gewesen seien. Mit Blick auf die Einladungen zu Wiener Derby-Fußballspielen, verwies der Politiker auf genannten Stiefsohn. Band und Immofirma habe er lediglich einander bekanntgemacht.

Der Strang betreffend die Remise wurde inzwischen aus dem Großverfahren Wienwert herausgelöst und wird nun separat verhandelt. Im April dürfte dann der Hauptstrang des Prozesses, in dem es unter anderem um den Vorwurf des Anlegerbetrugs in Millionenhöhe geht, fortgesetzt werden.

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