Massive Kritik

"Purer Wahnsinn": Wirbel um Kindergarten-Schließung in Favoriten

In Favoriten stehen einschneidende Veränderungen in der Kinderbetreuung bevor. Die Stadt Wien plant, mit September 2026 drei Standorte im 10. Bezirk aufzulassen oder zu verlegen. 

Konkret sieht das Vorhaben der MA 10 vor, zwei Integrations-Kindergartengruppen in der Mailygasse aufzulassen und an den Tesarekplatz zu verlegen. Grund dafür seien personelle Ressourcen und eine geringe Auslastung am Nachmittag. In der Sahulkastraße soll der Hortstandort mit einer Gruppe komplett geschlossen werden, da die Volksschule Neilreichgasse auf schulische Tagesbetreuung umstellt. Den weitreichendsten Schritt stellt die geplante Schließung des Kindergartens in der Laxenburger Straße mit fünf Gruppen dar. Die dort betreuten Kinder sollen ab Herbst in den neuen Bildungscampus in der Landgutgasse wechseln.

Rattenplage und Sicherheitsrisiken

Die Begründung der MA10 für das Ende des Standorts im Zürcher Hof liest sich dramatisch. Da der Hof uneinsichtig ist, werden regelmäßig unerwünschte Personen angelockt. Zudem gibt es ein massives Problem mit Ratten. Aufgrund der angrenzenden Problemzonen rund um den Keplerplatz sei das Personal immer wieder gefordert, diverse Utensilien und Funde zum Schutz der Kinder zu entsorgen. Das Gebäude entspricht zudem weder den brandschutzrechtlichen Bestimmungen noch den Vorgaben für Barrierefreiheit.

Die Platznot ist so groß, dass sich 13 Mitarbeiter einen Spind teilen und das Personal-WC als Waschküche genutzt wird. In den Kleinkindgruppen müssen die Pädagogen Verkehrsspiegel nutzen, um während des Wickelns den Rest des Raumes im Blick zu behalten. Die Fluchtwege aus den Gruppenräumen führen über "Fluchtfenster", teilweise in Parapethöhe bis zu 114 Zentimeter und auch über Stufen. "In Summe sind diese Umstände gefährlich und bergen ein Sicherheitsrisiko für die uns anvertrauten Kinder und das Personal“, hält die MA10 fest.

Bezirk stimmt über Stellungnahme ab

Gegen das Aus in der Laxenburger Straße formiert sich politischer Widerstand. Bezirksvorsteher Marcus Franz (SPÖ) hat einen Entwurf für eine offizielle Stellungnahme des Bezirks vorgelegt, über den die Bezirksräte am Mittwoch in der Vollversammlung abstimmen. "Die Bezirksvertretung Favoriten spricht sich gegen die Schließung des Standorts in der Laxenburger Straße aus", ist in dem Vorschlag zu lesen.

Die neue Einrichtung in der Landgutgasse wird zwar begrüßt, soll jedoch als zusätzliches Angebot bestehen bleiben und nicht als Ersatz dienen. Hintergrund ist der jüngste Verlust von fast 500 Betreuungsplätzen in Innerfavoriten durch die Schließung privater Kindergärten. Zudem wird die geplante Angliederung von Hortgruppen an den neuen Campus kritisch gesehen, da dies für Kinder und Personal einen 15-minütigen Fußweg über die stark befahrene Laxenburger Straße bedeuten würde.

"Gleichwohl möchten wir zum Ausdruck bringen, dass allein aufgrund von Personalmangel geschlossene Gruppen an Favoritner Standorten nicht zu einer dauerhaften Schließung bzw. Reduktion des gesamten elementarpädagogischen Angebots in Favoriten führen dürfen", heißt es in dem Entwurf von Franz.

Bezirkschef kritisiert Informationspolitik der Stadt

Der Bezirksvorsteher zeigt sich auch über den Ablauf der Planungen massiv verärgert. Nachdem zu Beginn des Jahres lediglich eine einfache Mitteilung ohne detaillierte Begründungen im Bezirk eingetroffen war, suchte er das direkte Gespräch mit der zuständigen Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos). Weder die erste Information noch die Auskünfte einer Referentin waren aus Sicht des Bezirkschefs aussagekräftig oder nachvollziehbar. Ein persönlicher Termin brachte erst kürzlich die jetzt vorliegenden Hintergründe hervor.

Bezirkschef Marcus Franz ist gegen die Schließung des Kindergartens in der Laxenburger Straße.

Bezirkschef Marcus Franz ist gegen die Schließung des Kindergartens in der Laxenburger Straße.

© Harald Schuster

Bereits dort Franz zum Ausdruck gebracht, dass er sich eine andere Art und Weise der Kommunikation und Einbindung des Bezirks wünschen würde. Er erwarte eine viel frühzeitigere Einbindung sowie handfeste Argumente und Darlegungen der Situation vor Ort, bevor faktische Entscheidungen durch die Dienststellen getroffen werden.

FPÖ ortet "Wahnsinn" in Innerfavoriten

Auch die FPÖ im Bezirk lehnt die Pläne ab und sieht die öffentliche Versorgung in Gefahr. "Dass nun in Innerfavoriten de facto kein öffentlicher Kindergarten mehr vorhanden sein soll, ist der pure Wahnsinn“, sagt der freiheitliche Bezirksvorsteher-Stellvertreter Christian Schuch. Es sei zudem ein ziemlich hartes Stück, dass es offenbar zwischen der roten Bezirksführung und der zuständigen Neos-Stadträtin Emmerling keine Kommunikation gebe, wenn es in Favoriten zu Kindergarten-Schließungen komme. "Das ist ein Armutszeugnis für diese Stadtregierung.

Für die betroffenen Familien bedeutet die aktuelle Situation vor allem Ungewissheit. Da die endgültige Entscheidung bei den genannten Standorten noch aussteht, konnten laut MA 10 bisher keine Platzzusagen für das kommende Kindergartenjahr an die Eltern verschickt werden.

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