Experte zum Anschlag in Wien | Vier Tote bei Anschlag

Triage-Platz in der Innenstadt errichtet

Terror in Wien: Zwei Passanten und ein Attentäter tot

Bei der Terrorattacke in der Wiener Innenstadt hat es mehrere Tote und Verletzte gegeben.

Der Terroranschlag in der Wiener Innenstadt hat mittlerweile zwei Todesopfer gefordert: Eine von den Terroristen verletzte Frau ist im Spital gestorben, gab Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in der Sonder-ZiB bekannt. Der erschossene Attentäter - der dritte Tote dieser Nacht - dürfte keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen haben. Dies wird derzeit noch näher untersucht.

Er war mit einer Langwaffe, aber auch mit einer Pistole und einer Machete ausgestattet - war also "sehr umfassend vorbereitet", wie Ludwig erklärte. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.
Die Tat ereignete sich in der Nähe der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und deren Synagoge. Ein Täter wurde nach einem Schusswechsel festgenommen, nach möglichen weiteren wurde gefahndet.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat in einer Pressekonferenz in der Nacht auf Dienstag kundgetan, dass zumindest ein Täter des Anschlags in der Wiener Innenstadt noch auf der Flucht ist. An die Wiener appellierte er, "wenn es möglich ist, bleiben sie zu Hause!" Die Innenstadt solle gemieden werden. Die Schulpflicht in der Bundeshauptstadt wurde am Dienstag ausgesetzt. Wenn Eltern die Kinder nicht betreuen können, können sie sie in die Bildungseinrichtung bringen.

Nehammer sprach vom "schwersten Tag für Österreich seit sehr vielen Jahren" und einem Terroranschlag, dessen Heftigkeit es zum Glück schon lange nicht mehr gegeben habe. "Wer einen von uns angreift, greift uns alle an", sagte der Innenminister. "Es ist eine schwere Situation für alle, die wir gemeinsam stemmen können, wenn wir uns diszipliniert verhalten", meinte Nehammer.

Laut Polizei gab es sechs Tatorte. Zumindest zwei Passanten wurden getötet und mehr als zehn zum Teil schwer verletzt. Die Vorfälle seien aber noch nicht "differenziert aufgearbeitet", sagte Gerhard Pürstl, Landespolizeipräsident in Wien. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde ein Täter getötet. Laut Exekutive hatte der Mann einen Gürtel getragen, dieser konnte aber nicht als Sprengstoffgürtel verifiziert werden, sagte Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums.

Die Hintergründe des Anschlags waren noch unklar. Dass ein Täter flüchtig war, wurde bestätigt. Die Sicherheitsbehörden konnten aber nicht ausschließen, dass es mehr als zwei Täter gab und somit mehr auf der Flucht waren.

Auch in den Nachtstunden lief der Großeinsatz der Exekutive weiter. So waren 150 Cobra- sowie 100 Wega-Beamte im Einsatz, dazu kamen mehrere 100 Streifenpolizisten sowie Kräfte in zivil. Die Gefahrenabwehr werde mit aller Kraft sichergestellt, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Auch werden in Absprache mit den Partnerländern verstärkt Kontrollen an den österreichischen Grenzen vorgenommen. Weitere Schäden müssen hintangehalten werden, sagte Pürstl.

Laut dem Polizeipräsidenten war am Dienstag nach 20 Uhr am Notruf gemeldet worden, dass ein Mann mit einer Schrotflinte schießt. Daraufhin wurden die Einsatzkräfte Richtung Seitenstettengasse, nahe einer Synagoge, beordert. Dort kam es zu einem Schusswechsel, "bei dem ein Kollege schwer verletzt wurde", berichtete Pürstl. Der Polizist "befindet sich im Krankenhaus und wird operiert", sagte der Polizeipräsident. "Unseren Spezialeinheiten ist es gelungen, einen schwer bewaffneten Terroristen - ausgestattet mit einem automatischen Sturmgewehr - auszuschalten", sagte Nehammer.

In den weiteren Nachtstunden sei es herausfordernd gewesen, "die Straßen von den Menschen möglichst leer zu bekommen", sagte Pürstl. "Wir waren laufend damit konfrontiert, Sachverhalte am Notruf zu überprüfen", sagte Sörös. Es werde jedem Ermittlungshinweis nachgegangen. Auch komme es in den Nachtstunden noch vor, dass Personen in Lokalen eingeschlossen sind und anrufen. Die Polizei prüfe dann, ob ein Verlassen der Lokalitäten sicher ist. Wer eingeschlossen ist, solle sich am Notruf melden, appellierte Sörös. Die Wiener Innenstadt wurde jedenfalls zur "roten Zone" erklärt. Diese sei nach internationalen Erfahrungen am anfälligsten für weitere Taten, erläuterte der Sprecher.

Das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE hat auf seiner Homepage einen Jihadisten zu dem mutmaßlichen Anschlag in Wien zitiert: "Jihadist sagt, der Angriff in Wien ist 'Teil der Rechnung' für die österreichische Beteiligung an der US-geführten Koalition", heißt es dort in einem Satz. Beigestellt ist ein Bild aus der Wiener Innenstadt. Diesbezüglich werden erst Ermittlungsschritte gesetzt, sagte Sörös.
 



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