FPÖ: Poker um Mandat und Drohungen vom Ex-Chef

Blauer Machtkampf

FPÖ: Poker um Mandat und Drohungen vom Ex-Chef

Der Streit zwischen der FPÖ und den Straches hat alles, was eine gute „Soap Opera“ braucht. In der jüngsten Staffel: Die Rachepläne des gefallen Ex-Parteichefs und seiner ebenfalls verstoßenen Gattin – mit Option auf (politische) Wiederauferstehung.

Nachdem die FPÖ zuerst Heinz-Christian Strache suspendierte, dann seiner Frau Philippa ihr Nationalratsmandat verwehren wollte (aufgrund einer FP-Schlamperei steht ihr das Mandat doch zu), schlagen nun die Straches zurück.

Philippa bleibt bis zur Sitzung der Bundeswahlbehörde am Mittwoch Zeit, sich zu entscheiden, ob sie als „wilde Abgeordnete“ – die FPÖ will sie aus dem Klub ausschließen – ins Parlament einziehen will. Allem Anschein nach will sie die Blauen bis zum letzten Moment zappeln lassen (zu Redaktionsschluss war noch keine Entscheidung bekannt). FPÖ-Insider gehen davon aus, dass sie jetzt auch pokere, um Alternativen für die 8.931 Euro, die sie bei einem Mandatsverzicht an Gehalt verlieren würde, auszuloten. Schließlich ist sie ihren 9.500-Euro-Job als Social-Media-Beauftragte der FPÖ bereits los. Kreise in der Wiener FPÖ bemühen sich seit geraumer Zeit, sowohl Philippa als auch ihrem Mann beim „Aufbau einer neuen beruflichen Zukunft zu helfen“, so ein Blauer.

Strache droht weiter mit neuer Parteigründung

Da auch Philippa Strache in der Spesenaffäre als „Verdächtige“ geführt wird (siehe rechts), erleichtert die Lage aber nicht. Zudem schießt Heinz-Christian Strache via Facebook-Kommentaren zurück und lässt durchklingen, dass ihm ein Sitz für seine Frau im Parlament durchaus gefallen würde. Zeitgleich droht er indirekt mit einer Parteispaltung: „Schon einmal hatte die FPÖ 2005 nur mehr eine ‚wilde Abgeordnete‘ im Parlament und bald darauf wieder einen starken Klub.“

Eine deutliche Anspielung auf die Abspaltung Jörg Haiders 2005. Im Hintergrund testet Strache tatsächlich seit Wochen ab, ob er mit einer ­eigenen Partei 2020 bei der Wien-Wahl antreten soll. Philippa könnte ihn dann als Politikerin unterstützen.

So denn dem Ehepaar nicht demnächst noch mehr Ungemach von der Staats­anwaltschaft droht. Last, but not least will Strache freilich auch juristisch um seine Strache-Facebook-Seite kämpfen. Das inzwischen von der FPÖ als „Marke“ geführte Profil, das mit rund 800.000 Followern als wichtige Plattform der Blauen galt und gilt, soll als weitere Munition in seinem Kampf dienen.

Zu guter Letzt zittert die FPÖ davor, dass Strache „auspacken“ könnte. Er soll damit gedroht haben, brisante parteiinterne Informationen preiszugeben. Klar ist bislang nur eines: Das blaue ­Dramolett geht weiter …

Darum will FPÖ die Straches jetzt loswerden

Die FPÖ ist bei der Wahl auf 16,2 % runtergerasselt und spricht jetzt von Neustart. Der kann freilich nicht gelingen, wenn der Ex-Chef – mit ihm seine Skandale – Thema bleibt. An die Bitte der neuen FP-Spitze, im Hintergrund zu bleiben, hatte Strache sich nicht gehalten, sondern sich auf Facebook munter zu Wort gemeldet.

Zum Überlaufen hatte das blaue Fass aber nicht der Ibiza-Skandal, sondern die kurz vor der Wahl bekannt gewordene Spesen-Affäre gebracht: Bis zu 10.000 Euro im Monat Spesenkonto plus ein Mietzuschuss von 2.500 Euro sowie weitere Ermittlungen um mutmaßliche „Scheinrechnungen“. Es gilt die Unschuldsvermutung. „Das versteht kein Wähler“, ärgert sich jedenfalls Blauer.

Kickl Hofer © Fotomontage; Getty Images; APA

 

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FPÖ steht vor Kickl-"Takeover"

 

Herbert Kickl will den Kurs vorgeben. Wenn man sich hinter den blauen Kulissen umhört, dann tut die of­fizielle Nummer 2 das auch bereits. Während Kickl etwa massiv darauf gedrängt hatte, mit den Straches zu brechen, wollte Parteichef Norbert Hofer lieber auf Frieden mit seinem Vorgänger zusteuern.

Dass Kickl, der eine härtere blaue Linie will, die FPÖ als Klubchef in die Opposition führen soll, während Hofer den konsensualen Dritten Nationalratspräsidenten geben möchte, verstärkt die Spannungen, so FP-Strategen.

Zudem soll Kickl auf Platz eins der Bundesliste – er erhielt weit mehr Vorzugsstimmen als Hofer – einziehen. Neben dem Symbolcharakter löst das in Rechtsaußen-Kreisen Spannungen aus, da der bisherige FP-Abgeordnete Hans-Jörg Jenewein dann sein Mandat los wäre. Statt ihm würde dann Peter Schmiedlechner aus der FPÖ Niederösterreich einziehen. Für diese hatte Kickl kandidiert.

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