Gusi, Schüssel

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So lief das Geheimtreffen

Geplant war alles ganz anders: Auf Wunsch des Bundespräsidenten sollte SPÖ-Chef Gusenbauer seinen widerspenstigen „Partner in spe“ Wolfgang Schüssel eigentlich am ersten Arbeitstag nach Allerheiligen persönlich in seinem Büro anrufen. In dem Telefonat sollte er eine „Kli-maverbesserung“ versprechen und dann den ÖVP-Chef zum Vier-Augen-Gespräch einladen - „ohne Show und ohne Presse“.

Doch am Dienstag beging Gusenbauer den Fehler, den „Geheimplan“ in einem „Report“-Interview zu verraten. Plötzlich wollten alle Medien Informationen zu einem Treffen, das unbedingt geheimbleiben sollte.

Der Notruf
Mittwoch früh – am Allerheiligentag – bekam der SPÖ-Chef Bedenken, dass Schüssel bei diesem Medientheater dem Treffen nicht mehr zustimmen könnte. Gusenbauer rief den Bundespräsidenten an: „Ich hab Dutzende Journalisten am Hals, ich weiß nicht, ob das mit dem Schüssel-Telefonat noch funktioniert.“

Heinz Fischer sah seinen Versöhnungs-Plan in Gefahr, griff selbst zum Telefon – lud Schüssel und Gusenbauer noch für den selben Tag in seine Wohnung zum „privaten Treffen“ ein.

Das Treffen
Punkt 15 Uhr trafen sich am Allerheiligentag Gusenbauer und Schüssel mit dem Präsidenten. Das Treffen in Fischers Wohnung in der Josefstädterstraße dauerte beachtliche drei Stunden.

Das Gespräch kam nur langsam in Gang.

Fischer servierte Kaffee, war jovial, betonte,wie sehr die Österreicher eine Zusammenarbeit wünschen, dass man „klimatische Probleme überwinden müsse“ - und tadelte in diesem Zusammenhang sanft die Vorgangsweise der SPÖ bei den Untersuchungsausschüssen.

Schüssel erklärte lange seine bekannten Positionen, tadelte die „Vertrauensbrüche“, beschwerte sich über die fehlende „Verhandlungsbereitschaft“ der SPÖ.

Gusenbauer wiederholte darauf seine Positionen.

Fischers Drängen auf eine Wiederaufnahme der Koalitions-Verhandlungen blieb im Raum stehen.

Kein Ergebnis
Vereinbart wurde - wenn man den wenigen Informationen glauben darf- nur Vages:
- Dass sich, um das Vertrauen wieder herzustellen, zunächst die „zweite Ebene“ der Verhandler unter je vier Augen treffen und Probleme ausräumen soll: SP-Klubchef Cap mit Molterer, SP-Darabos mit Prokop.
- Dass es dann ein weiteres Vier-Augen-Gespräch zwischen Gusenbauer und Schüssel geben soll, um die Möglichkeit weiterer Verhandlungen zu erörtern.
- Dass die Bereitschaft der ÖVP zu weiteren Verhandlungen offenbar stark davon abhängt, wie sehr die SPÖ in den Untersuchungsausschüssen die harte Haltung von Grünen und FPÖ unterstützt – ob es also weitere „Dreier-Koalitionen“ geben oder im Parlament ein „Zugehen auf die ÖVP“ geben werde.

Schüssel vermittelte im Gespräch beim Bundespräsidenten klar den Eindruck des Abwartens. Es gab von ihm kein „Ja“ zur Wiederaufnahme von Koalitionsgesprächen. Nur Zustimmung für ein weiteres Vier-Augen-Gespräch mit Gusenbauer.

Seine Bedingung: „Keine Presse.“ Aus Angst vor weiterer Schüssel-Verstimmung informierten Gusenbauer und Fischer nicht einmal ihre engsten Vertrauten vom Geheimtreffen.

Erst Donnerstag am späten Vormittag „beichtete“ Gusenbauer seinem Büro, dass das Treffen, auf das alle warteten, schon vorbei war.

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