Nach Eklat im ORF

Ehrenhauser verbrachte Nacht am Ballhausplatz

EU-Abgeordneter campiert vor dem Bundeskanzleramt in Wien.

Nach dem Eklat bei der ORF-Debatte zur EU-Wahl am Sonntag, bei der "Europa anders"-Spitzenkandidat Martin Ehrenhauser das TV-Studio verließ, campiert dieser nun - wie angekündigt - vor dem Bundeskanzleramt am Ballhausplatz in der Wiener Innenstadt.

Ehrenhauser wurde von Unterstützern mit Getränken und Pizza, einem Sessel und einem Schlafsack versorgt und verbrachte die Nacht auf dem Gehsteig. "Ich gehe hier nicht weg", so der EU-Abgeordnete kämpferisch. "Es war frisch, aber die Nacht war toll. Wir haben viel Zuspruch erfahren", sagt Ehrenhauser im Gespräch mit oe24.

Eklat bei ORF-Debatte
Mit einem Eklat hat am Sonntag die ORF-Debatte der vier zur EU-Wahl antretenden Kleinparteien begonnen. Martin Ehrenhauser von der Wahlplattform "Europa anders" verließ nach einem Protestmonolog über "Überwachungswahn" und Bankenrettung das TV-Studio. Er habe damit ein "Zeichen setzen" und die Menschen wachrütteln wollen, sagte Ehrenhauser im Anschluss. Die Debatte ging ohne ihn weiter.

Diashow: Ehrenhauser verlässt ORF-Debatte

Ehrenhauser verlässt ORF-Debatte

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    Angetreten waren am Termin der Sonntäglichen "Pressestunde" die Spitzenkandidaten der vier zur EU-Wahl antretenden Kleinparteien - also Ewald Stadler von den christlich-konservativen REKOS, Angelika Werthmann vom BZÖ, Robert Marschall von der Liste EU-STOP sowie Ehrenhauser.

    Diskutiert wurde aber letztlich ohne Ehrenhauser. Denn der setzte, anstatt zu Beginn der Sendung eine Frage zu seinen häufigen politischen Positionswechseln - von Liberalen und ÖVP zu Hans-Peter Martin und "Europa anders" - zu beantworten, zu einem minutenlangen Dialog über "Überwachungswahn" und Bankenrettung an. Anfangs mit ruhiger Stimme vorgetragen, gipfelte der immer wieder von ORF-Diskussionleiter Wolfgang Geier unterbrochene Vortrag in der emotionalen Ankündigung, den Menschen zeigen zu wollen, "dass man einfach aufstehen kann." "Ich werde einfach aufstehen, ich werde auf den Ballhausplatz gehen, ich werde mich dort hinsetzen und ich gehe dort nicht mehr weg", verkündete Ehrenhauser nach knapp sieben Minuten Sendezeit und verließ das Studio.

    Zurück blieben ein sichtlich überraschter Moderator ("alles erlebt man zum ersten Mal") und die drei anderen Spitzenkandidaten, die sich eine weitgehend disziplinierte Debatte lieferten. Inhaltlich dominierte das Thema Bankenhilfe, wobei sowohl Stadler als auch Marschall die EU für die Krise mitverantwortlich machten. Werthmann beklagte, dass die Bankenhilfen nicht bei den Bürgern ankommen würden. "Die Bürger leiden nach wie vor", kritisierte sie mit Verweis auf Griechenland.

    Ein wenig überraschend kam allenfalls das Bekenntnis des EU-Austritts-Befürworters Marschall, bei der Volksabstimmung 1994 für den Beitritt gestimmt zu haben. Aktuell würde er die Europa-Fahne auf Kanzleramt und Präsidentschaftskanzlei aber gerne eingeholt sehen, wie er sagte. Kritik an seinem früheren FPÖ-Weggefährdeten Andreas Mölzer übte Stadler: Mölzers Verteidigungsstrategie, den Sager "Negerkonglomerat" anfangs zu leugnen, und sich erst nach Auftauchen eines Tonbandmitschnitts zu entschuldigen, wertete Stadler als "peinlich". Er selbst würde den Begriff "Neger" nicht verwenden, das sei eine Frage des guten Benehmens.

    Ehrenhauser machte sich indessen zu Fuß auf den Weg zum Ballhausplatz, wo er bis auf Weiteres auch bleiben möchte. Beim ORF-Moderator entschuldigte er sich für die "unvorhergesehene Situation".

    Diashow: Ehrenhauser-Protest nach ORF-Eklat

    Ehrenhauser-Protest nach ORF-Eklat

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