Mittlere Reife soll nur für Polys kommen

Alleinstellungsmerkmal

Mittlere Reife soll nur für Polys kommen

Die Mittlere Reife ist einer von neun Punkten des Bildungspakets.

Die Mittlere Reife soll nun nicht wie ursprünglich angedacht automatisch am Ende von Hauptschule, Neuer Mittelschule (NMS) oder AHS-Unterstufe stehen, sondern nur als Abschluss der Polytechnischen Schule verpflichtend eingeführt werden. Sie solle "Grundkompetenzen abbilden" und Unternehmen, die Lehrlinge aufnehmen, "eine Orientierungshilfe bieten", so Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S). "Was wir nicht wollen, ist, zusätzliche Hürden einzubauen."

Alleinstellungsmerkmal
Stattdessen könne das Polytechnikum laut VP-Bildungssprecher Werner Amon mit dem "Alleinstellungsmerkmal" der Zertifizierung nach der neunten Schulstufe aufgewertet werden. Für Schüler anderer Schultypen sei das Ablegen der noch näher zu definierenden Mittleren Reife "als Angebot" zu verstehen. "Wer in der Oberstufe bleibt, braucht dieses Bildungsziel nicht", betonte Amon. "Aber für jemanden, der aussteigt, ist es attraktiv."

Bildungspaket
Die Mittlere Reife ist einer der insgesamt neun Punkte des Bildungspakets, das die Regierung bis zum Sommer abarbeiten will. Am Geld soll zumindest der Ausbau der Neuen Mittelschule und der Ganztagsschule nicht scheitern können. Mit Blick auf den neuen Finanzrahmen bis 2015 betonte Schmied, dass dieser im Budgetpfad enthalten sei. "Der Bund wird alle bestehenden Verpflichtungen erfüllen und ist ein stabiler Partner."

Modulare Oberstufe
Bei der Umstellung auf eine modulare Oberstufe betonte Schmied, dass erst Detailgespräche geführt werden müssen. Realistisch ist es ihrer Meinung nach, dass ab dem Schuljahr 2012/13 etappenweise mit der Umsetzung begonnen werden kann. Eckpunkte sollen dabei laut Amon einsemestrige Kurse sein, außerdem der Ausbau des Frühwarnsystems, "rasche und individuelle Förderung" und die Möglichkeit, einen negativ abgeschlossenen Kurs in der kommenden Schulstufe zu wiederholen.

Sitzenbleiben
Sitzenbleiben soll nur noch dann nötig sein, wenn mehr als zwei oder drei Module negativ abgeschlossen wurden. Laut Schmied haben Erfahrungen bei den Schulversuchen gezeigt, dass Schülern mit negativ absolvierten Modulen auch Lernbegleiter zur Seite gestellt werden müssen. Allein mit Förderkursen, die anstelle von Nachhilfe beim Aufholen der Defizite helfen, sei es nicht getan. Wenn die Schüler wieder das eigentlich für ihre Klasse vorgesehene Niveau erreicht hätten, könnten sie wieder in den Klassenverband zurückkehren.

Amon kann sich für die Zukunft auch eine Weiterentwicklung zu einem Kurssystem vorstellen, in dem es keinen Klassenverband mehr gibt und Schüler die Möglichkeit bekommen, unter verschiedenen Lehrern, die ein Fach anbieten, zu wählen. Auf diese Art würde die Schule "ideal auf ein Universitätsstudium vorbereiten", so der VP-Bildungssprecher. Auch Schmied findet diesen Ansatz "durchaus reizvoll", er liege aber noch "ein Stück in der Zukunft".

Neue Mittelschulen
Die Umstellung der Hauptschulen auf Neue Mittelschulen (NMS) will Schmied an die Einhaltung von Qualitätskriterien knüpfen. Sollten Kriterien wie Team-Teaching, Individualisierung oder bessere Durchlässigkeit nicht gewährleistet sein, könnten auch nach dem Termin für die Vollumstellung 2016 einzelne Schulen vorerst nicht umgestellt werden. Der Ausbau der NMS soll 2011 zusätzliche 3,2 Mio. Euro kosten, 2012 sollen es 16,1 Mio. sein.

Bei den Ganztagsschulen, die auf freiwilliger Basis ausgebaut werden können, sollen legistische Maßnahmen das Angebot attraktiver machen. Bis 2014 sind jährlich 80 Mio. Euro (insgesamt 320 Mio. Euro) für den Ausbau ganztägiger Schulangebote budgetiert, Ziel ist der Ausbau des Angebots von derzeit 105.000 auf 160.000 Plätze.

Bereits im Ministerrat beschlossen wurden eine Novelle des Lehrerdienstrechts, die die Mitverwendung von Pflichtschullehrern an Neuen Mitttelschulen an AHS-Standorten erleichtern soll, sowie eine klarere Definition der Aufgaben von Schulleitern und die Reform der Schulaufsicht ab Herbst 2012. Schulinspektoren sollen dann keine Inspektionen mehr durchführen, sondern die Einhaltung des gemeinsam mit den Schulpartnern definierten Qualitätsrahmens überwachen.

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