Brutales Polit-Feilschen um neuen ORF-Chef und wer die neue Geheim-Favoritin des Kanzlers sein dürfte.
Manche sehen „Trümmerfrauen“ im ORF, die Mehrheit sieht aber einen Trümmerhaufen namens ORF. Auch wenn sich die Interims-ORF-Chefin – Ingrid Thurnher ist bis zum 31. Dezember 2026 bestellt worden – bemüht, jetzt die „Stärken“ des ORF im Programm zu forcieren, werden auch in den kommenden Wochen weiter die offenkundigen Schwächen des ORF dominieren.
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Der gekündigte einstige ORF-Chef Roland Weißmann will den ORF schließlich auf Wiedereinstellung und 3,9 Millionen Euro klagen. Gleichzeitig wird er sich gemeinsam mit dem ORF vor der Gleichbehandlungskommission rechtfertigen müssen. Die ORF-Mitarbeiterin, die ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte, verlangte, dass er es unterlasse, weiter zu behaupten, es sei „eine einvernehmliche“ Beziehung gewesen.
Ab Montag sollen die 35 ORF-Stiftungsräte streng vertraulich den gesamten Compliance-Bericht lesen dürfen, der wiederum „keine sexuelle Belästigung“ attestierte, was wiederum von der Gleichbehandlungsanwaltschaft scharf kritisiert wurde.
ÖVP schwört Rache, SPÖ will Thurnher
Zumindest im ORF-Stiftungsrat sei offensichtlich gewesen, dass die „ÖVP auf Rache schwört“, so ein Teilnehmer. Sie wollen das Aus von ORF-Manager Pius Strobl – diesen vermuten sie hinter den Enthüllungen über Weißmann – und weiter entscheiden, wer der neue ORF-Chef werden soll, der im Juni gewählt werde.
ÖVP-Kanzler Christian Stocker und SPÖ-Vize Andreas Babler sollen ausgemacht haben, dass die Roten den Stiftungsratsvorsitzenden – es ist tatsächlich Heinz Lederer – bestimmen, die ÖVP dafür ORF-General und auch kaufmännischen Direktor. Die Favoriten der ÖVP nach dem Aus von „ihrem“ Weißmann: Philipp König, der einst im Kabinett von Ex-Kanzler Sebastian Kurz gearbeitet hatte und jetzt Krone-Hit-Geschäftsführer ist.
Verwunderung über Wunsch
Die Wiener SPÖ soll darüber den Kopf schütteln. Auch innerhalb des ORF wundert man sich über diesen „extrem parteipolitischen Wunsch“ in Zeiten, in denen der ORF fast ums sein Überleben kämpfen müsse. Tirols VP-Landeschef Mattle hingegen setzt sich für APA-Chef Clemens Pig ein. Die SPÖ wiederum sei für Thurnher, berichten mehrere Insider. Ob sich die Vorarlbergerin – die eher als Bürgerliche angesehen wird – erneut bewirbt, scheint offen. Auch Grüne und Neos würden wohl eher mit ihr können.
Aber: Stocker dürfte selbst verstanden haben, dass eine Frau und Journalistin eine taktisch klügere Wahl sein könnte. Die Geheim-Favoritin – sie wird etwa von Johanna Mikl-Leitner unterstützt – der ÖVP ist damit ORF-Magazin-Chefin Lisa Totzauer, die 2021 übrigens gegen Roland Weißmann unterlegen ist..