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Über Karin Gastinger

Vom Wasserrecht ins Justizministerium

Schon bisher hatten Beobachter die "einzig echte Orange" im Bündnis ein wenig fehl am Platz gesehen.

Gastinger kam aus dem Nichts in die hohe Politik. Nach dem überraschenden Rücktritt von Justizminister Dieter Böhmdorfer im Juni 2004, musste die FPÖ möglichst schnell eine attraktive Alternative aus dem Hut zaubern.

Haider: "Boxenluder"
Da kam die patente parteifreie Wasserrechtsbeamtin aus der Kärntner Landesregierung ganz recht. Anfangs mit Skepsis beäugt entwickelte sich Gastinger, damals noch Miklautsch, zu einem kleinen Star in der freiheitlichen Riege - und das obwohl sie ihr Erfinder Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider gleich bei einem der ersten gemeinsamen Auftritte als "Boxenluder" bewitzelt hatte.

Praktisch orientiert
Die Justizministerin schaffte es aber durch konsequente Freundlichkeit, Kompromissbereitschaft und angenehme Umgangsformen, selbst im schwierigen Terrain der Justiz ihren Platz zu finden. Zwar galt sie nicht unbedingt als fachliche Koryphäe, doch als praktisch orientiert und den Sorgen ihrer Untergebenen zugewandt, für viele ein Segen nach der rauen Ära Böhmdorfer.

Anliegen Frauenförderung
Dass sie eigenständig denken und handeln kann, bewies Gastinger spätestens, als es um die Besetzung der Spitze des Straflandesgerichts in Wien ging. Nicht der von ihrem Vorgänger gepushte FP-nahe Ernest Maurer kam zum Zug sondern Vizepräsidentin Ulrike Psenner, die politisch nicht zuordenbar ist. Auch in der Folge bewies Gastinger, dass ihr Frauenförderung ein Anliegen ist. Im OGH schlug die Justizministerin mit Irmgard Griss ebenfalls eine Frau für den Vorsitz vor.

An Homosexuellen-Thema gescheitert
Gastingers politische Farbe war zu dieser Zeit schon orange. Als sich die Wege der Freiheitlichen trennten, war für die aus SPÖ-freundlichem Haus stammende Justizministerin der Einstieg in die Parteipolitik geboten. Gastinger wurde Stellvertreterin Jörg Haiders und feixte, die einzige echte Orange zu sein, habe sie doch nie der FPÖ angehört. Wiewohl sich die Ministerin mit ihren Plänen vor allem zur Stärkung der Homosexuellen-Rechte parteiintern die Zähne ausbiss, wollte das BZÖ auch in der Folge nicht auf ihre Strahlkraft verzichten. Der Spitzenkandidatur für die Nationalratswahl entkam Gastinger letztlich nur, da sie - inzwischen mit Langzeitpartner Heinz verheiratet und neuem Nachnamen versehen - rechtzeitig schwanger wurde. Sohn Max kam am 19. Juli zur Welt.

Spitzenkandidatin Steiermark
Gastingers Rückzug aus der Partei kommt für das Bündnis nun zur Unzeit, umso mehr als die Ministerin ja sogar als Spitzenkandidatin in der Steiermark fungiert. Auch geht die letzte liberale Komponente dem BZÖ mit ihr verloren, zudem hatten Spitzenkandidat Peter Westenthaler und Kollegen zu gern mit ihr geworben, etwa in Bezug auf die Aufdeckung des ÖGB/BAWAG-Skandals, die man bei Gastinger in guten Händen wähnte.



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