Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht die Politik von "direkten Eingriffen" in das Verhalten der Bürger zum Energiesparen "noch weit entfernt".
Die Bürger hätten selbst Möglichkeiten, Strom oder Sprit zu sparen, so Wallner am Dienstag bei einem Mediengespräch. In Bezug auf die Situation in Vorarlberg beruhigten Wallner und Christof Germann, Vorstandssprecher von illkwerke/VKW: Es gebe keine Engpässe, dafür eine Preisgarantie bis 2027.
Germann berichtete, dass der Gasspeicher des Unternehmens im Moment zur Hälfte gefüllt und bis Anfang Oktober wieder ganz aufgefüllt sein werde. Den zu Corona-Zeiten getätigten - sehr teuren - Ankauf von Speicherkapazität im Umfang von 500 Gigawattstunden hielten sowohl Wallner als auch Germann "aus der Perspektive der Versorgungssicherheit" für die richtige Entscheidung. Mit dem vollen Gasspeicher und der strategischen Reserve des Bundes komme man jedenfalls über den nächsten Winter, unterstrich Wallner. Der Gaspreis für die allermeisten illwerke/VKW-Kunden ist bis Ende März 2027 garantiert. Für diejenigen, deren Vertrag im Herbst auslaufe, werde es eine Anpassung geben, Germann schloss "große Sprünge" aber aus.
800 Euro Stromkosten
"Beim Strom sehen wir überhaupt keine Engpässe", sagte der illwerke/VKW-Vorstandsvorsitzende. Im vergangenen Jahr habe der Stromverbrauch in der Vorarlberger Industrie um 1,5 Prozent abgenommen, bei den Haushalten etwas zugenommen, letztlich resultierte ein leichter Verbrauchszuwachs. Aufgrund der trockenen ersten Monate des heurigen Jahres fiel die bisherige Stromerzeugung im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt um 18 Prozent geringer aus. Beim Strom gibt es eine Preisgarantie, die ebenfalls bis zum Ende des ersten Quartals 2027 besteht. "Wir haben uns frühzeitig eingedeckt, sowohl mit Gas als auch mit Strom, darum können wir diese Garantie halten", unterstrich Germann. Dem gültigen Tarif zufolge muss ein Vorarlberger Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden mit etwa 800 Euro Stromkosten kalkulieren.
In Bezug auf den Strompreis verwies Germann nachdrücklich auf das Portfoliomanagement des Unternehmens. "Wenn man sich die Terminmarktpreise für die kommenden Jahre anschaut, dann sieht man vor allem für die Jahre 2028 und 2029 eine wesentliche Entspannung", erklärte Germann. Tatsächlich kann man aktuell für diese Jahre Strom und Gas zu Preisen einkaufen, die nicht dramatisch höher liegen als vor Beginn des Kriegs im Iran. "Wir versuchen über unser Portfoliomanagement, die Endkundenpreise möglichst stabil zu halten", sagte der Vorstandsvorsitzende. Wallner betonte, dass ein "Preisschock und ein Inflationsanstieg" unter allen Umständen verhindert werden müssten. Diesbezüglich stellte er das Merit-Order-System in Krisenzeiten infrage. "Das kann in der Hochkrise nicht einfach fortgesetzt werden", so der Landeshauptmann.
Energieautonomie richtige Strategie
Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Nahost unterstrich Wallner auch noch einmal die angestrebte Energieautonomie des Landes als "absolut richtige Strategie". Bei der Stromautonomie, die bis 2030 erreicht werden soll, sei Vorarlberg mit einem Deckungsgrad von 95 Prozent schon extrem weit. Großes Sorgenkind bleibe der Verkehr, stellte Wallner fest. Möglicherweise stehe der Umstieg auf die E-Mobilität in größerem Ausmaß aber unmittelbar bevor.