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Bundesliga-Vertreter einigten sich auf einen Kompromiss

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Nach stundenlanger Sitzung einigten sich die 12 Liga-Teams auf einen Kompromiss im TV-Streit.

„Wir haben im Sinne des österreichischen Fußballs gestimmt“, betont Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek. Nach über acht Stunden Verhandlung einigten sich die Vertreter der zwölf Liga-Teams gestern in Wien bei der außerordentlichen Klub-Konferenz zum Thema TV-Verteilungsschlüssel auf einen Kompromiss. „Es waren intensive Verhandlungen, es sind viele unterschiedliche Interessenslagen aufeinander geprallt“, erklärt Peschek weiter.

Rückblick: Erst im April 2017 beschlossen die Vertreter der Liga-Teams einen neuen TV-Verteilungsschlüssel. Das Ergebnis: Es werden bezüglich der Auszahlung der TV-Gelder (rund 32 Millionen Euro jährlich) neben einem Sockelbetrag (30 %), der sportliche Erfolg (30), die Zuschauerzahlen (20) und der Österreicher-Topf (20) berücksichtigt. Dieses System wollte der LASK schon vor Weihnachten kippen, den Zuschauerschlüssel aus dem Vier-Säulen-Modell rausnehmen. In der Abstimmung verpasste man die Zweidrittelmehrheit aber um eine Stimme (5:7, dagegen stimmten Rapid, Sturm, Hartberg, Innsbruck und Altach).

Modell bleibt, Rapid und Sturm aber mit Einbußen

Doch die kleinen Vereine ließen nicht locker: Der LASK und die Admira brachten vor zwei Wochen einen neuen Antrag ein – dieser wurde gestern diskutiert. Das Ergebnis: Nach intensiver Diskussion wurde der Antrag der beiden Teams zurückgezogen. Auf Bestreben von Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Stocker, der auch als Innsbruck-Präsident stimmberechtig war, einigte man sich auf einen Kompromiss: So werden die Zuschauerzahlen weiterhin finanziell entlohnt, die Spreizung zwischen den oberen und unteren Klubs (bisher bei 2,3 Prozent) wird aber geringer. Heißt: Rapid und Sturm, bislang durch die hohen Zuschauerzahlen die Bestverdiener, müssen finanzielle Einbußen hinnehmen. Peschek bilanzierte trotzdem zufrieden: „Das Vier-Säulen-Modell bleibt erhalten, das ist uns wichtig.“ Die angedrohte Eigenvermarktung ist vom Tisch.  „Ich habe am Ende jedem die Hand geschüttelt“, schmunzelt Peschek.

Chronologie zur Verteilung der TV-Gelder in der österr. Fußball-Bundesliga:

7. April 2017: Die Bundesliga gibt einen neuen Aufteilungsschlüssel für die Einnahmen aus dem künftigen TV-Vertrag bekannt. Die Gelder sollen ab der Saison 2018/19 leistungsorientierter verteilt, indem die Kriterien sportlicher Erfolg und Zuschauer-Zuspruch aufgewertet werden. Der Verteilungsschlüssel des Netto-Ertrags: 30 Prozent Sockelbetrag für jeden Verein, 30 Prozent sportlicher Erfolg (Punkteanzahl), 20 Prozent Anzahl Stadionbesucher und 20 Prozent Österreicher-Topf.
 
31. Oktober 2017: Die Bundesliga vergibt die TV-Rechte ab der Saison 2018/19 exklusiv an Sky. Der Pay-TV-Sender erwirbt die Rechte für drei Saisonen bis 2022. Laut Bundesliga sei eine 40-prozentige Steigerung der Einnahmen aus den TV-Rechten erzielt worden. Kolportiert wird, dass sich Sky die Rechte ca. 33 Mio. Euro pro Saison kosten lässt, netto kommen rund 22,5 Mio. Euro zur Auszahlung. Vorabzüge aus der TV-Vermarktung sind unter anderem die TV-Produktionskosten, Solidarzahlungen für die 2. Liga, Kosten für die Bundesliga-Geschäftsstelle und Beraterprovisionen.
 
27. Juli 2018: Die reformierte und auf zwölf Mannschaften aufgestockte Bundesliga startet in die Saison 2018/19, in der auch der TV-Vertrag mit Sky und der neue Verteilungsschlüssel einsetzt.
 
7. Dezember 2018: Nach nur viereinhalb Monate ist die Unzufriedenheit mit der Verteilung der Gelder bei einigen Vereinen so groß, dass in einer außerordentlichen Clubkonferenz von der Admira, WAC und LASK ein Antrag auf Neuverteilung eingebracht wird. Rapid als größter Profiteur des Zuschauerbetrags und Sturm Graz deklarierten sich als Befürworter des Status quo. 7:5 für eine Änderung ging die Abstimmung der zwölf Erstligisten aus, die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde damit aber verfehlt.
 
26. Februar 2019: Zweieinhalb Monate nach der Abstimmungsniederlage nehmen Admira und LASK den nächsten Anlauf, die Regelung zu kippen. Rapid droht im Vorfeld mit dem Ausstieg aus der Zentralvermarktung. Eine außerordentliche Clubkonferenz endete mit einer Kompromisslösung. Ausgehend von einem Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Stocker wurde ein Modell erarbeitet, das bei allen zwölf Liga-Vertretern Zustimmung fand.
 
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