LASK-Coach Thalhammer: 'Wir sind gut gerüstet'

Großes ÖSTERREICH-Interview

LASK-Coach Thalhammer: 'Wir sind gut gerüstet'

Im ÖSTERREICH-Interview spricht Neo-Coach Dominik Thalhammer Klartext über den Cup-Auftakt gegen Siegendorf, die neue Bundesliga-Saison und die langfristige Zukunft des LASK.

ÖSTERREICH: Wie lautet Ihr Fazit nach knapp sieben Wochen beim LASK?

Thalhammer: Meine positiven Erwartungen wurden bestätigt. Die Mannschaft trainiert unglaublich intensiv und zieht gut mit. Wir haben den ein oder anderen Prozess eingeleitet und wissen auch, dass es zum Teil noch Zeit braucht. Aber wir sind für das Cup-Spiel und die Meisterschaft gut gerüstet.

ÖSTERREICH: Siegendorf ist zwar Landesligist, hat aber Bundesliga-erprobte Spieler im Kader. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Thalhammer: Wir respektieren jeden Gegner, schauen aber auf uns und verfolgen unseren Plan, wie wir zu Torchancen kommen wollen. Sie werden versuchen, unseren Rhythmus zu brechen, das dürfen wir nicht zulassen. Dann werden wir auch als klarer Sieger vom Platz gehen.

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ÖSTERREICH: Ist die Mannschaft schon bei 100 Prozent?

Thalhammer: 100 Prozent sind schwer, weil es immer Potenzial nach oben gibt. Ich denke, das kann man im Fußball nie erreichen, weil immer irgendwo Optimierungsmöglichkeiten da sind. Aber unsere Richtung stimmt und ein Sieg gegen Siegendorf wird uns noch einmal mehr Rückenwind geben.

ÖSTERREICH: Wo steht der LASK im Vergleich zum Spiel in Manchester? Seitdem wurden ja alle Testspiele verloren.

Thalhammer: Gute Testergebnisse sind zwar gut, aber kein Muss, deshalb sind wir sehr gelassen. Die Mannschaft ist darauf ausgerichtet, in Prozessen und langfristigen Entwicklungen zu denken. Wir sind weiter als in Manchester, haben aber offensiv auch ein paar Ausfälle. Frieser ist weg, Gruber erst diese Woche zu uns gestoßen. Dazu ist Karamoko (Adduktorenprobleme, Anm.) aktuell verletzt. Wir können also noch nicht unser volles Potenzial ausschöpfen, aber ich bin mit dem Gesamtzustand der Mannschaft sehr zufrieden.

ÖSTERREICH: Sie überlegen ja, offensiv noch nachzurüsten.

Thalhammer: Wir haben aktuell vier Stürmer im Kader. Es hängt auch davon ab, wie kurzfristig Goiginger (Kreuzbandriss, Anm.) zurückkehren wird.

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ÖSTERREICH: Wie steht es um Marko Raguz?

Thalhammer: Gut, es ist klar, dass er bleibt. Ich denke, er wird dieses Jahr ein umso wichtigerer Spieler für uns und ich erwarte mir eine tolle Saison von ihm.

ÖSTERREICH: Wie war die Umstellung für Sie vom Nationalteam zurück zum Klubfußball?

Thalhammer: Es ist schon ein Unterschied, ob man die Spieler nur alle zwei Monate sieht oder jeden Tag am Platz arbeitet. Man muss von früh bis spät die Entwicklung vorantreiben, von daher ist es logischerweise schon etwas ganz anderes.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie sich persönlich seit Ihrem letzten Job in der Bundesliga weiterentwickelt?

Thalhammer: Es ist natürlich lange her, aber ich habe viel Erfahrung beim Nationalteam und in der Trainerausbildung gesammelt und mir so eine größere Werkzeugkiste erarbeitet, die ich hoffentlich erfolgreich anwenden kann. Gelassenheit ist eine wichtige Eigenschaft, und dass man genauer auf Dinge schaut. Auch, dass man in Konfliktsituation Ruhe bewahrt.

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ÖSTERREICH: Das LASK-Trainerteam ist jetzt so groß wie noch nie. Naive Frage: Besteht da nicht die Gefahr, dass zu viele Köche den Brei verderben?

Thalhammer: Das glaube ich nicht. Es kommt auf die Kompetenzverteilung und die Strukturen an. Wenn das klar geregelt ist, ist es meiner Meinung nach ein „must-have“. Deshalb stimmt das Sprichwort nur dann, wenn es Überschneidungen oder Probleme in der Kommunikation innerhalb des Trainerteams gibt. Es braucht eine klare Linie und ein Ziel. Man darf sich nicht widersprechen, sondern alle müssen in dieselbe Richtung arbeiten, dann ist es ein riesen Mehrwert.

ÖSTERREICH: Der LASK hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Spüren Sie Erfolgsdruck?

Thalhammer: Nein, den mache ich mir selber nicht. Der LASK hat sich verdientermaßen in höhere Regionen positioniert. Jetzt ist das Ziel, Stück für Stück alle Bereiche weiter zu entwickeln, aber auch offen zu bleiben für neue Prozesse. Ich glaube, dass der LASK deswegen ein extrem spannender Verein ist und Riesenpotenzial hat.

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ÖSTERREICH: Einer dieser Bereiche ist das neue Stadion, bei den Fans ist die Vorfreude riesig. Auch bei Ihnen und den Spielern?

Thalhammer: Es spielt schon eine Rolle, aber unser Geschäft ist das Tagesgeschäft. Man denkt in Wochen und Monaten voraus, als Sportdirektor natürlich auch länger, aber weniger im infrastrukturellen, sondern im inhaltlichen Bereich. Das Stadion ist aber natürlich für den Verein eine Riesensache.

ÖSTERREICH: Beim Liga-Start in zwei Wochen geht es gegen die Austria. Wie bewerten Sie das Los?

Thalhammer: Wir nehmen es wie es kommt, aber ich bin froh, dass wir mit einem Heimspiel beginnen. Natürlich beobachten wir die Austria, wie sich dort die Situation mit Peter Stöger entwickelt. Wir freuen uns, weil es ein spannender Gegner und eine tolle Herausforderung für uns ist.

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ÖSTERREICH: Im Herbst spielt der LASK auf der Gugl, um mehr Fans zulassen zu können. Wie wichtig sind die Zuschauer, auch wenn Abstandsregeln im Stadion gelten?

Thalhammer: Es ist extrem positiv für die Spieler, wieder vor mehr Zuschauern zu spielen, wenn das auf der Gugl möglich ist. Fans sind das Salz in der Suppe. In Pasching wären wir bei der Kapazität stark eingeschränkt.

ÖSTERREICH: Wo sehen Sie den LASK in fünf Jahren?

Thalhammer: Das ist eine sehr spekulative Frage (lacht). Aber wenn ich die Struktur und die Leute, die hier arbeiten sehe, wird der LASK – auch mit dem neuen Stadion – sehr viele Schritte nach vorne machen. Man war jetzt schon fast dran, aber ich denke man könnte sich dann in Richtung Champions-League-Qualifikation bewegen.

ÖSTERREICH: Mit Ihnen an der Seitenlinie?

Thalhammer: Das wäre schön.

Michael Hintermüller