Marc Janko: 'Normalität im Fußball erst zum Jahresende'

Backstage-Interview

Marc Janko: 'Normalität im Fußball erst zum Jahresende'

Ex-ÖFB-Goalgetter Marc Janko im großen oe24.TV-Interview über die aktuelle Situation im Fußball.

Ex-Teamkicker Marc Janko stattete oe24.TV einen Besuch ab, kam in der Rolle als neues Testimonial für Snickers. "Ich war immer schon eine Naschkatze", erzählt er. Auch über die aktuelle Fußball-Situation hat er viel zu sagen...
 
oe24.TV: Herr Janko, die Bundesliga darf weiterspielen - wie empfinden Sie diese Entscheidung?
 
Marc Janko: Ich begrüße diese Entscheidung, dass weitergespielt wird. Wie auch jeder andere Wirtschaftszweig in Österreich hat auch der Fußball das Anrecht darauf, dass die Motoren wieder starten. Es ist schon an der Zeit gewesen.
 
Oe24.TV: Wie sind Geisterspiele für die Spieler?
 
Janko: Es ist nicht das Gleiche, keine Frage. Aber aufgrund der Situation ist man daran angehalten, Lösungen und Wege zu finden, damit man quasi den Patienten Fußball-Österreich am Leben hält. Da geht es momentan nicht darum, ein möglichst gutes Produkt auf die Bildschirme oder ins Stadion zu zaubern, sondern darum, die Existenz zu sichern. In Österreich gibt es viele Vereine, mit Ausnahme von Salzburg, die von TV-und Sponsorengeldern abhängig sind. Wenn man die Saison also abbrechen würde, hätte das weitreichende Folgen. Dann kann es auch passieren, dass es den ein oder anderen Verein mittel-oder langfristig nicht mehr geben wird.
 
Oe24.TV: Wie schlimm steht es um die finanzielle Lage im österreichischen Fußball?
 
Janko: Blöd gesagt: Es geht nicht nur dem Sport so, sondern auch Tausenden Unternehmern in Österreich. Es ist existenzbedrohend, wenn man seinen Beruf bis auf Weiteres nicht mehr ausüben darf - dass da Kosten entstehen, die man mittelfristig nicht mehr stemmen kann, liegt auf der Hand. In Österreich ist es im Moment vorrangig, dass probiert wird, einen Mittelweg zu finden. Spiele ohne Fans sind für uns Konsumenten natürlich unsexy, aber es ist bis zu einer gewissen Art und Weise ein Kompromiss.
 
Oe24.TV: Ich nehme an, Sie stehen noch mit vielen ehemaligen Kollegen in Kontakt - wie sehen sie die Situation?
 
Janko: Ja, aufgrund meiner langjährigen Teamkarriere habe ich mit vielen Kontakt, zum Beispiel mit Junuzovic oder Baumgartlinger. Oder mit Arnautovic, den es ja ganz schlimm getroffen hat - er wurde von einer Quarantäne in die nächste gereicht. Alle Spieler denken eigentlich gleich: Sie haben keine Angst, sich selbst zu infizieren, sondern dass sie ihr Umfeld, also Eltern und Großeltern, anstecken könnten. Das ist ja das heimtückische am Virus, dass man ihn haben und verbreiten kann, ohne es zu wissen.
 
Oe24.TV: Wann wird wieder so Fußball gespielt, wie wir das alle gewohnt sind?
 
Janko: Ich befürchte, dass es noch dauern wird - zumindest bis Jahresende. Ich gehe davon aus, dass es nächstes Jahr keinen Europacup geben wird. Es ist heute undenkbar, dass man im Herbst zwischen Österreich und aller Herren Länder hin und her fliegt. Leider, mir blutet wie vielen anderen Fans das Herz.