Hütteldorf kocht

Anti-Pacult-Parolen zum Trainingsauftakt

Fans besprühten Wände des Hanappi-Stadions. Pacult sieht sich als "Bauernofper".

Zumindest ein Teil der Fans hat die Konsequenzen aus der Rochade im Betreuerstab des österreichischen Fußball-Vizemeisters SK Rapid gezogen. Beim Mannschaftstreffpunkt Donnerstag früh anlässlich des Trainingsauftakts wurde Trainer Peter Pacult mit unschönen Bemalungen und Sprayereien unter anderem auf den Wänden der Südtribüne des Hanappi-Stadions konfrontiert. "Pacult raus", zählte noch zu den schmeichelhafteren Forderungen, die Anhänger in Riesenlettern in der Nacht auf Donnerstag gesprüht oder gepinselt hatten.

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Neuer Anstrich
Rapid organisierte sofort ein Malereiunternehmen, um die unliebsamen Forderungen zu überpinseln. "Das Ganze wird uns eine Summe jenseits von 3.000 Euro kosten", vermutete Clubservice-Leiter Andreas Marek.

Pacult verteidigt Wechsel
Pacult selbst zeigte sich äußerlich unbeeindruckt und verteidigte einmal mehr seine Entscheidung, Co-Trainer Zoran Barisic und Tormann-Coach Peter Zajicek (beide werden Rapid im Ausbildungsbereich definitiv erhalten bleiben) durch Leopold Rotter und Manfred Kohlbacher zu ersetzen. In seiner Ansprache zum Trainingsauftakt ging es nach Angaben des Wieners vor allem um die sportlichen Ziele in der kommenden Saison. "Ich habe den Spielern Guten Morgen gewünscht und gesagt, dass sie sich aufs Trainingslager gut vorbereiten und eine gute Saison spielen sollen", meinte Pacult.

Pacult ein "Bauernopfer"?
Mit Stefan Maierhofer gab es vorläufig kein Vieraugengespräch, obwohl der Stürmer in Medienberichten mit heftiger Kritik an Pacult zitiert wurde. "Ich habe mit dem Sportdirektor (Anm.: Alfred Hörtnagl) gesprochen und der Sportdirektor hat mit Maierhofer gesprochen. Das Interview soll angeblich nicht so stattgefunden haben. Eine Zeitung hat weit über das Ziel hinausgeschossen. Ich bin das Bauernopfer, weil diese Zeitung mit Rapid streitet", erklärte Pacult.

Abmahnung für Maierhofer
Laut Hörtnagl bekam Maierhofer vom Verein eine Abmahnung". "Und damit ist die Sache jetzt erledigt", meinte der Tiroler und kritisierte den seiner Meinung nach "billigen Journalismus". Bei seiner Ansprache seien die jüngsten Turbulenzen "nur kurz angeschnitten" worden.

Der "Lange" schweigt
Maierhofer selbst wollte sich zu dieser Thematik nicht mehr öffentlich äußern. Kapitän Steffen Hofmann war bemüht, die Wogen zu glätten. "Die Geschichte ist vorbei. Wir konzentrieren uns voll auf die nächste Saison, alles andere geht uns Spieler nichts an." Der Deutsche gab zu, von den Trainerwechseln "überrascht" gewesen zu sein. "Aber mehr will ich dazu nicht sagen."

Neuer "Co" gelassen
Der neue Co-Trainer Rotter war sich der delikaten Situation an seinem ersten offiziellen Arbeitstag bewusst. "Aber die Spieler sind Profis genug, ich bin überzeugt, dass es keine Probleme geben wird", sagte der 44-Jährige und freut sich auf seine neue Aufgabe. "Es ist für mich eine große Herausforderung und eine große Ehre, bei Rapid zu sein." Die Sprühaktionen der Fans kosteten den früheren Teamspieler nur ein Achselzucken. "Das ganze Rundherum interessiert mich wenig, wir haben hier viel Arbeit."

Trainingslager in der Steiermark
Die Arbeit begann am Donnerstag mit einem viertägigen Lauf-Trainingslager in Bad Radkersburg. Danach wird wieder in Wien geschwitzt, ehe es vom 2. bis 9. Juli ins Trainingslager nach Bad Waltersdorf geht. Wenig später folgen die Spiele anlässlich des 110-jährigen Vereins-Jubiläums gegen Schalke 04 (11. Juli im ausverkauften Hanappi-Stadion) und gegen Liverpool (19. Juli im Happel-Stadion - noch 3.000 Tickets erhältlich).

Späterer Liga-Auftakt
Aufgrund der Liverpool-Partie wird die erste Meisterschaftsrunde von Rapid - ein Heimspiel gegen Sturm Graz - verschoben, die Liga-Saison beginnt für die Hütteldorfer erst am 26. Juli. Zu diesem Zeitpunkt haben Hofmann und Co. schon Hin- und Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde für die Europa League absolviert, den Gegner bekommt Rapid am Montag zugelost.