Frenkie Schinkels

Alle Teams in der knallharten Analyse

Schinkels-Check zur neuen Bundesliga-Saison

Schinkels tippt Salzburg als Meister, traut aber auch Rapid und Sturm etwas zu. Der große Bundesliga-Check von ÖSTERREICH-Experte Frenkie Schinkels.

Umbruch hin oder her - der Titel wird auch heuer nur über Salzburg gehen. Jede Saison glauben wir, dass die Abgänge nicht zu ersetzen sind und werden von den Bullen eines Besseren belehrt. Logisch, das Team wird sich auch heuer erst finden müssen, ab der Winterpause marschieren die Salzburger aber durch und setzten sich zum neunten Mal in Folge auf den Liga-Thron.

Es sei denn, Rapid oder Sturm erwischen eine Traum-Saison. Wenn jemand die Salzburger stoppen kann, dann ist das eines dieser beiden Teams. Die Wiener sind unheimlich lauf- und kampfstark. Dreht man auch spielerisch an den richtigen Schrauben, dann ist die Sensation drin. Ilzer hat bei Sturm eine sehr stabile Mannschaft aufgebaut.

In Graz wird im Hintergrund still und leise an der großen Überraschung gearbeitet. Wahrscheinlicher ist natürlich der zweite oder dritte Platz. ABER: Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Heuer ja vielleicht das Sturm oder Rapid-Märchen.

Sturm: Kandidat für Vizemeister

Schon gegen Ende der letzten Saison hat Sturm überrascht. Sportchef Schicker und Trainer Ilzer haben viel Know-how. Man spürt, es steckt ein Plan dahinter. Endlich hat man auch die Mannschaft beisammenhalten können, auch mit Kiteishvili verlängert. Für den Meistercoup bräuchte es eine fast fehlerlose Saison gegen Red Bull. Ich rechne mit den Grazern in Richtung Vizetitel. Den werden sie Rapid und dem LASK streitig machen.

Hartberg: Top 6 sind mit Russ drin

Markus Schopp hat eine stabile Mannschaft hinterlassen, Kurt Russ muss nicht viel verändern. Die Devise muss lauten: Mit dem Abstieg nichts zu tun haben und auf einen Top-6-Platz hoffen. Den traue ich Russ zu, er ist erfahren und kennt das Team bereits ein Jahr lang als Co-Trainer.

Klagenfurt ist ein Gewinn 

Ein Top-Stadion und Peter Pacult an der Seitenlinie - Klagenfurt bringt einiges an Kultfaktor in die Bundesliga mit. Sportlich dürfen sich die Kärntner aber die Latte nicht zu hoch legen. Die Top 6 traue ich ihnen ehrlich gesagt nicht zu. Priorität muss sein, sich in der Liga zu etablieren. 

WAC ist geschwächt

Nach dem Leihende von Joveljic bin ich mir nicht sicher, ob Vizinger die Lücke im Sturm schließen kann. Neo-Trainer Dutt kommt zwar aus Deutschland, Wunderdinge braucht man sich von ihm aber nicht erwarten. Immerhin: Heuer haben die Wölfe keine Dreifachbelastung. Insgesamt ist der Erfolg des Teams sehr von Liendl abhängig - vielleicht zu viel?

Altach wird stabil stehen

Das Aus im Cup gegen Kalsdorf wundert mich. Doch andererseits war das für Altach ein Weckruf. Sie werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben, wenn sie den Beginn der Meisterschaft nicht verschlafen. Dafür wird Trainerfuchs Canadi schon sorgen. Es wartet die erste volle Saison der Altacher seit seiner Rückkehr. Die Vorarlberger werden den Fokus auf die Defensive legen und stabil stehen. Nur in der Tormannfrage sehe ich noch Probleme. Gespannt bin ich auf den Sturm mit den Neuzugängen Nuihu und Reiter. 

Austria muss die Kurve kratzen

Manfred Schmid als Nachfolger von Peter Stöger zu holen, war eine gute Entscheidung. Er ist ebenso ein Ur-Austrianer wie der neue Sportchef Manuel Ortlechner. Solche Identifikationsfiguren braucht eine Mannschaft, die in einer schwierigen Situation steckt. Aber: Diese beiden schießen auch keine Tore. Was das Sportliche betrifft, müssen die Veilchen versuchen, stabiler zu werden. Dann kann auch trotz fehlender Kreativität im Mittelfeld eine gute Platzierung möglich sein.

Die vielen Abgänge sehe ich eher positiv denn negativ. Monschein wird etwa nicht fehlen, seine letzte Saison fand ich schwach. Djuricin kann ihn definitiv ersetzen. Und Spieler wie Edomwonyi waren nur zum Geldverdienen bei der Austria. Bei Hartberg wäre er mit diesem Gehalt Präsident und Bürgermeister in einem.

Diese Saison sind die Top sechs ein absolutes Muss. Markus Kraetschmer kann nicht mehr die Ausrede sein. Aber ich bin davon überzeugt, dass es jetzt bergauf geht.

LASK: Schluss mit Nebengeräuschen

Verbotene Trainings, vermeintlich verbotene Geschäfte von Jürgen Werner, der Stadionbau und die Trennung von Emanuel Pogatetz -beim LASK gab es zuletzt zu viele Nebengeräusche. So schafft man sich selbst Hürden. Doch wenn das jetzt endlich einmal aufhört, sehe ich alle Möglichkeiten für ganz vorne. Wobei ich vor allem Pogatetz als Antreiber nachtrauere. 

Ried ist Wundertüte

Andreas Heraf kam, sah und siegte. Er brachte Ried in der letzten Saison zurück in die Spur. Jetzt gab es viele Transfers und personelle Veränderungen. Die Kunst ist es, mit einer zusammengewürfelten Truppe den Klassenerhalt zu schaffen. Die Erreichung dieses Ziels traue ich Heraf zu. Besonders sein Augenmerk auf die Defensive macht Ried zu einem unangenehmen Gegner. Im Sturm wird vieles von Chabbi abhängen. Der Neuzugang kennt Ried - und hat schon bewiesen, dass er hier funktioniert. Ich bin gespannt.

Admira: Herzog ist der richtige Mann

Es ist Zeit -Zeit für die Admira, um zu alter Stärke zu finden. Das Projekt mit Felix Magath ist völlig gescheitert. Man von der Champions League geträumt, aber immer gegen den Abstieg gespielt. Noch dazu hat man unnötig Geld verschleudert. Die Südstädter müssen heuer wieder viele Talente einbauen, einen gepf legten, erfrischenden Fußball spielen und am Ende der Saison durch Spielerverkäufe Einnahmen lukrieren -so wie sie es früher auch immer getan hat. Dafür hat man mit Trainer Andi Herzog den richtigen Mann gefunden.

Auf Tirol wartet eine harte Saison

Letztes Jahr habe ich gesagt, Tirol ist DER Abstiegskandidat. Dann sind sie in der Meistergruppe gelandet. Trotzdem glaube, ich, dass es heuer extrem schwer wird. Die vielen Abgänge tun weh -vor allem der von Nikolai Baden Frederiksen. Man muss hoffen, dass einer der Neuen wieder voll einschlägt. Sonst sehe ich Tirol in höchster Abstiegsgefahr.