Das sagt die Welt zum Dortmund-Anschlag

Pressestimmen

Das sagt die Welt zum Dortmund-Anschlag

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Das schreiben die Zeitungen in aller Welt über die Attacke auf den BVB.

Internationale Tageszeitungen kommentieren am Donnerstag den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund und die Neuansetzung des Champions-League-Spiels des BVB gegen Monaco einen Tag nach dem Anschlag:

"Corriere della Sera" (Rom):
"Die Dummheit des - möglicherweise islamistischen - Terrorismus hat gestern zu einem glorreichen Fußballfest geführt. Hat die Beziehung zwischen den Deutschen und Franzosen gefestigt. Hat weltweit eine Fratze aufziehen lassen gegen den Obskurantismus derjenigen, die das Leben im Westen ersticken wollen. (...) Eine Sache, die sich der Terrorismus nicht vorstellen vermag, ist, dass seine Attentate Angst hervorrufen, aber vor allem auch Einheit unter den potenziellen Opfern. (...)

Natürlich wurde gestern nicht nur gefeiert. Die Sicherheitskontrollen in den Stationen, in der U-Bahn und in der riesigen Umgebung um das Stadion waren maximal. (...) Aber in dem Moment, in dem mehr als 60.000 Fans das Stadion gefüllt hatten, schien es, als tauten sie auf - auch die schwer bewaffneten Polizisten lächelten nach und nach. (...)

Die Partie endete schließlich mit einem 3:2 für Monaco. Die Spieler der Borussia schienen - vor allem zu Beginn des Matches - wenn nicht unter Schock, dann wenigstens unkonzentriert. Am Ende des Spiels aber ertönte tosender Applaus im Stadion, (...) die Gäste tauschten mit den Deutschen die Schals, trugen teilweise beide, gelb-schwarze und rote. Mehr als ein Flop, dieses Attentat."

"L'Alsace" (Moulhouse):
"Der Umgang mit solchen Vorfällen spiegelt jedoch letzten Endes die wahre Stärke einer Gesellschaft wider. Da spielen Klubfarben, Namen, Nationen, Rivalitäten oder soziale Stellung keine Rolle mehr. Wird der im Sport so oft vergebens verlangte Zusammenhalt so offen gelebt wie am Dienstagabend in Dortmund, sind solche Attacken zum Scheitern verurteilt."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":
"Nicht einmal 24 Stunden nach der Attacke rollt schon wieder der Ball. Zu Recht? Nüchtern betrachtet ist dies nur dem dicht getakteten Zeitplan im Milliardengeschäft Fußball geschuldet. Von den jungen Multimillionären wird auch nach einem solchen Schock erwartet, dass sie funktionieren. Doch tatsächlich ist die trotzige Haltung von Dortmund ein Signal an jene, die unsere Gesellschaft spalten wollen. Die tollen Szenen einer neuen Fanfreundschaft von Dortmund und Monaco und die Solidaritätsbekundungen aus aller Welt zeigen, dass der freie, offene Westen stärker ist als seine engstirnigen Feinde."

"Die Welt" (Berlin):
"Ein Angriff auf eine Mannschaft ist gleichzeitig ein Angriff auf den Verein und die Fans - egal, wo sie leben. In Asien, in Amerika und in der arabischen Welt lieben Menschen den FC Barcelona, Bayern München oder eben Borussia Dortmund. Kinder verehren Lionel Messi, sie tragen das Trikot von Robert Lewandowski und freuen sich über einen Champions-League-Sieg vom BVB. Der Angriff von Dortmund trifft sie alle, die Gegner sind für einen Moment andere."

"Münchner Merkur":
"Bei allem Verständnis für Rahmenterminkalender: Weniger, also ein Champions-League-Mittwochabend ohne Dortmunder Beteiligung, wäre mehr gewesen. Denn die Show muss nicht zwangsläufig weitergehen. Kurz innehalten, das sollte gestattet werden - nicht zuletzt den unmittelbar betroffenen Dortmunder Akteuren, die Mittwochabend anderes im Kopf hatten als gegen den Ball zu treten. Eine Verschnaufpause hätte auch genutzt werden können, um den Tätern zuzurufen: You'll walk alone!"

"Der Tagesspiegel" (Berlin):
"Dass die Spieler von Borussia Dortmund nur einen Tag nach diesem Anschlag auf ihr Leben zum Spiel antraten, verdient größten Respekt. Das ist die richtige Antwort an jene, die - ein Zufall? - in der Karwoche ein Blutbad in Deutschland anrichten wollten. Freie und offene Gesellschaften dürfen sich trotz ihrer unvermeidlichen Verwundbarkeit den Einschüchterungsversuchen von Terroristen jeglicher Couleur nicht beugen. (.) Polizei, Geheimdienste und Justiz müssen daher so gut wie möglich ausgestattet und von der Politik unterstützt werden. Dennoch wird sich nicht jeder Anschlag verhindern lassen. Aber jedes verhinderte Attentat und jeder verhinderte Attentäter werden die Überzeugung der Bürger stärken, ihr Staat tue wirklich das ihm im Rahmen des Rechts Mögliche, um ihre Sicherheit zu gewährleisten."

"Nürnberger Nachrichten":
"Der Anschlag lässt Rivalitäten im Fußball vergessen, Sieg und Niederlage zur Nebensache werden. Denn allen ist klar, dass es um mehr geht. Dass es ein Angriff auf uns alle ist. Und dass die einzig wirksame Reaktion auf diesen Terror nur sein kann, weiter zu leben wie bisher. Das ist natürlich gerade für unmittelbar Betroffene alles andere als einfach."

"Stuttgarter Zeitung"
"Dass die Entscheidung, das Spiel am Tag darauf stattfinden zu lassen, so kurz nach dem Anschlag fiel, ist fragwürdig - mit Rücksicht auf die Spieler wie aus prinzipiellen Gründen. So lange die Hintergründe nicht geklärt sind, kann man auch keine vernünftige Gefahrenprognose abgeben. Doch offenbar sind die kommerziellen Interessen für solche Erwägungen zu stark."

"Kölner Stadt-Anzeiger":
"The games must go on", die Spiele müssen weitergehen - so lautete die Botschaft, die Avery Brundage als Präsident des Olympischen Komitees bei der Trauerfeier für die elf von palästinensischen Terroristen ermordeten Mitglieder der israelischen Mannschaft 1972 in München verkündete. 45 Jahre später heißt es schlicht: Das Spiel wird weitergehen. So oder so."

"Neue Osnabrücker Zeitung":
"Der Terror wirkt trotzdem. Zwar ist es ermutigend, wie souverän Fans, Fußballer und Verantwortliche im Verein mit der Situation in Dortmund umgegangen sind. Und es ist beruhigend, wie schnell die Polizei erste Verdächtige festnehmen konnte. Aber der Terror wirkt. Und er hat den Fußball zum Ziel erklärt. Schon heute wirken die Sicherheitsmaßnahmen für einige Fußballspiele fast absurd im Vergleich zu früheren Zeiten. Aber sie werden zumindest im Spitzenfußball noch aufwendiger werden. Das verändert die Stimmung. Auch ein Flugplatz ist nicht mehr ein offenes Tor zu Welt, sondern eine lästige Sicherheitsschleuse. Jeder, der Israel bereist hat, kennt das unsichere Gefühl angesichts der dauernden Präsenz von Sicherheitskräften, die an Terrorgefahr erinnern. Und der in Deutschland wachsende islamistische Terror wird nicht ohne Einfluss auf das Verhältnis zu den Muslimen bleiben. Ein Teufelskreis: Wer pauschal verdächtigt wird, wird wiederum leichter zu einem tatsächlichen Täter."

"Westfälische Nachrichten" (Münster):
"Anschläge sollen Aufmerksamkeit erzeugen und vor allem Angst. Aufmerksamkeit, ja, die haben die Täter bekommen. Aber keine Angst. Fußballfreunde, oft als biertrinkende Minderintelligenzler verunglimpft, stehen zusammen und lassen sich nicht vereinzeln. Sie verstecken sich nicht im Keller und zittern. Sie stehen zusammen auf den Tribünen und schreien. You'll never walk alone, dieser sentimentale Song aus einem amerikanischen Kitsch-Musical, millionenfach gegrölt in so vielen Stadien, er schweißt zusammen und lässt die erzittern, die uns Angst machen wollen. Wer meine Mannschaft angreift, greift mich an. Das erzeugt keine Furcht, sondern Solidarität und Kraft. Die Attentäter, was immer sie wollten, haben sich mit der Fußballfamilie das falsche Ziel ausgesucht."

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