Peter Linden

Linden LIVE: Ein Herz für den Kosovo

Franco Foda steht unmittelbar vor einer Sensation. Mit einem emotionalen 4:2-Sieg gegen die Slowakei führte der Ex-ÖFB-Coach den Kosovo ins entscheidende WM-Play-off-Finale gegen die Türkei.

Der Jubel kannte keine Grenzen. So emotional wie im Slovan-Stadion von Bratislava bei den vier Toren des Kosovo zum 4:2 (1:2) gegen die Slowakei im Semifinale der WM-Play-offs gegen die Slowakei sah man Franco Foda in seinen 48 Spielen als Österreichs Teamchef zwischen November 2017 und März 2022 nie. Es wäre etwas mehr, den Kosovo zur ersten WM-Teilnahme zu führen. Das löste mehr Feuer aus als bei den Slowaken die Chance auf die erste WM-Qualifikation seit 16 Jahren. Foda und seine Assistenten Thomas Kristl, Robert Ibertsberger, der mit dem Analytiker auf der Tribüne verbunden war, und Atdhe Nuhiu lagen sich in den Armen. Nach dem Schlusspfiff ging Foda in die Kabine, war bei den Jubeltänzen am Rasen und vor dem Fansektor nicht mehr dabei. Der Triumph gelang genau vier Jahre und zwei Tage nach dem Scheitern mit Österreich im WM-Play-off, dem 1:2 gegen Wales in Cardiff. Von den 20.113 Zuschauern kamen mehr als 5.000 aus dem Kosovo. Wien kann sich im September beim Nations-League-Spiel auf einen Ansturm der Kosovo-Fans gefasst machen. So wie sich Fodas Mannschaft präsentierte, wird sie ein harter Konkurrent im Kampf um den Aufstieg in die Gruppe A der Nations League.

Legionäre und Wille versetzen Berge

Bei beiden Teams standen nur Legionäre in der Startformation. Beim Kosovo zwei aus Italiens Serie A, vier aus der ersten und zweiten deutschen Bundesliga, je einer aus Spaniens La Liga, der Schweizer Super League, Polens Ekstraklasa, Bulgarien und Russland. Der aus Österreichs Bundesliga, Altachs Mittelfeldspieler Demaku, saß auf der Tribüne. Mit Napolis Abwehrchef Rrahmani und Hoffenheims Mittelfeldspieler Avdullahu fehlten die herausragenden Spieler wegen Verletzungen: "Wir können sie nicht gleichwertig ersetzen, aber verkraften auch das", behauptet Ibertsberger. Der Wille versetzt Berge.

Drei Tore in 25 Minuten und 12 Sekunden

Das Spiel begann für die Kosovaren unglücklich. Nach einem Freistoß in der sechsten Minute in Rückstand, nach dem Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß eine Minute vor der Pause wieder. Aber mit drei Toren in genau 25 Minuten und 12 Sekunden entschied der Kosovo das Spiel. Die Wende war das Kopfballtor des Ex-Austrianers Asllani nach einer Minute und elf Sekunden der zweiten Hälfte zum 2:2. Nach dem 4:2 ging es nur noch darum, den Vorsprung zu verteidigen. Das dritte Tor der Slowaken fiel erst in der fünfminütigen Nachspielzeit. Dienstag gibt es das Finalspiel gegen die Türkei mit Inter-Mailand-Star Calhanoglu, Real Madrids Jungstar Güler und Ex-Rapidler Müldür: "Ein anderes Kaliber. Wir trauen uns auch das zu, wir spielen daheim!", versicherte Foda. Das Stadion Bilino Polje in Zenica fasst nur 13.632 Zuschauer, es gab 100.000 Anfragen um Karten. Das 21. Spiel von Foda als Kosovo-Teamchef kann das WM-Ticket bringen. Bisher hat er einen Punkteschnitt von 2,05. Sogar einen besseren als sein Nachfolger Rangnick mit Österreich (1,90).

Rückkehr als Helden der Nation

Die Fans feierten die Sieger noch um Mitternacht am Flughafen von Bratislava vor dem Abflug, zwei Stunden später warteten Hunderte in Pristina auf die Ankunft der Helden. Keiner der Torschützen ist im Kosovo geboren: Asllani in Berlin, Hodza in Rijeka, Muslija in Achern, einer Stadt in Baden-Württemberg, Hajrizi im Schweizer Wallis, in Sion. Altachs Co-Trainer Nuhiu kann vielleicht als WM-Teilnehmer bei Österreichs Cupfinale am 1. Mai gegen den LASK auf der Bank sitzen.

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