Umstritten

FIFA weiter gegen Videobeweis

Auch nach den Skandal-(Nicht-)Toren vom Sonntag stellt die FIFA auf stur.

Nicht einmal eine Stunde nach dem Abpfiff der WM-Achtelfinal-Partie zwischen Deutschland und England (4:1) hat der Fußball-Weltverband (FIFA) auf die schnell entbrannte Debatte über die Einführung des Video-Beweises reagiert. In einer Pressemitteilung lehnte die FIFA am Sonntagabend jeden detaillierten Kommentar ab. "Bezüglich der Torlinien-Technologie stimmt die Haltung der FIFA mit der Entscheidung des IFAB vom März überein", teilte die FIFA mit und verwies auf den Beschluss des International Football Association Board (IFAB), das die Fußball-Regeln festlegt. Bitter für die FIFA und zugleich Wasser auf die Mühlen der Kritiker: Im zweiten Abendspiel gab es abermals eine eklatante Fehlentscheidung, als Tevez aus klarer Abseitsposition die Argentinier gegen Mexiko in Führung brachte.

Abstimmen: Für oder gegen Videobeweis?

Keine neue Technologie
Das Gremium hatte bei seiner bisher letzten Sitzung entschieden, keine weiteren Versuche mit Video-Beweisen oder Chip-Bällen vorzunehmen. Stattdessen wurde beschlossen, die Testphase mit zwei zusätzlichen Schiedsrichtern-Assistenten auszuweiten. Diese sollen in der kommenden Saison auch in der europäischen Champions League und EM-Qualifikation zum Einsatz kommen. In der abgelaufenen Saison hatten sie ihre Premiere in der Europa League gefeiert. Zusätzliche Torrichter hatte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke für die WM 2014 in Brasilien in Erwägung gezogen.

Dunga will keinen "Chip-Ball"
Brasiliens Teamchef Carlos Dunga lehnt trotz der vielen Fehlentscheidungen der WM-Schiedsrichter den Chip im Ball ab. "Wenn wir Elektronik in den Fußball stecken, dann gibt es keine Debatten mehr und du hättest nichts zu schreiben", sagte er auf eine entsprechende Frage eines Journalisten am Sonntagabend in Johannesburg. Der 46-Jährige brachte mit einer weiteren Bemerkung den ganzen Saal zum Lachen: "Wenn es im Fußball keine Polemik gäbe, wärst du nicht hier. Und ich auch nicht. Dann säßen wir alle zu Hause."

Pacult fordert Video-Beweis
Eine ganz andere Ansicht vertritt ÖSTERREICH-Experte und Rapid-Trainer Peter Pacult. "Nach den gestrigen Szenen fordere ich im Fußball den Videobeweis. Wann bitte, wenn nicht jetzt?" Zugleich spricht der Wiener den Engländern höchste Bewunderung für deren Verhalten nach dem "No Goal" aus: "Ich finde es erstaunlich, wie cool die Spieler nach der Fehlentscheidung mit der Situation umgegangen sind. Das liegt an ihrer Mentalität. In der englischen Premier League bleiben die Spieler nach Fouls auch nicht ewig am Boden liegen. Sie stehen auf und kämpfen weiter."

Stichwort "IFAB"

Seit 124 Jahren wachen die Mitglieder des International Football Association Boards (IFAB) über die Regeln des Fußballs. Dem Gremium gehören traditionell vier Mitglieder des Weltverbandes FIFA sowie je ein Gesandter der nationalen Verbände Englands, Schottlands, Nordirlands und aus Wales an. Einmal im Jahr kommt das IFAB zu einem Treffen zusammen und berät sowie beschließt Regelfragen.

Gegründet wurde das IFAB 1886 von den vier britischen Verbänden. Die FIFA erkannte das Gremium bei ihrer Gründung 1904 an. Seit 1913 stellt die FIFA 50 Prozent der Mitglieder. Regeländerungen gibt es nur bei Zustimmung von 75 Prozent. Die FIFA-Gesandten stimmen nach einem ungeschriebenen Gesetz einheitlich.

Das bisher letzte Treffen fand im März in Zürich unter dem Vorsitz von FIFA-Präsident Joseph Blatter statt. Dabei wurde auch beschlossen, das Experiment mit dem Chip-Ball nicht fortzuführen. Die nächste Sitzung ist für 4. bis 6. März 2011 in Newport in Wales angesetzt.

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