Schumacher lässt sich nicht stressen

Trotz Mercedes-Ultimatum

Schumacher lässt sich nicht stressen

Der Deutsche will den Zeitpunkt seiner Entscheidung selbst festlegen.

Die Ungeduld seines Arbeitgebers lässt Michael Schumacher kalt. Jedem Drängen, jeder öffentlich gesetzten Frist von Mercedes zum Trotz will der Formel-1-Rekordweltmeister den Zeitpunkt selbst bestimmen, an dem er über seine sportliche Zukunft entscheidet. So dürfte der 43-Jährige durchaus irritiert gewesen sein, als sein Teamchef und langjähriger Wegbegleiter Ross Brawn die Dauerdebatte vor dem Rennen in Silverstone am Sonntag erneut anheizte.

Karten nach Podium neu gemischt
"Ich glaube nicht, dass ich jemals über die Zeit gesprochen habe", entgegnete der Altmeister zuletzt kühl allen Fragen nach einem Termin für einen Entschluss. Schumachers Dreijahresvertrag endet nach dieser Saison, seine famose Fahrt auf Platz drei in Valencia vor knapp zwei Wochen hat die Situation erneut verändert.

Vettel-Lob für Altmeister
Pannen, Pech und einige ungewohnte Fehler hatten zu hartnäckigen Diskussionen geführt, ob Schumachers Comeback nicht doch ein großes Missverständnis war. Doch mit dem Sturm auf Platz eins in der Qualifikation von Monaco und dem ersten Podiumsrang seit fast sechs Jahren in Valencia hat es der Routinier wieder allen gezeigt. "Das war ein guter Tag für ihn und die Formel 1. Ich habe mich für ihn gefreut", sagte Sebastian Vettel vor dem britischen Grand Prix. "Es ist gut, dass einige jetzt den Mund halten, wenn es um Michael geht. Er hat die Kritik der vergangenen zwei Jahre nicht verdient", fügte der Titelverteidiger hinzu und versicherte: "Michael kann es noch."

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    Brawn will Entscheidung im Sommer
    Das sieht auch Mercedes-Teamchef Brawn nicht anders. "Von den drei Jahren, die er bei uns ist, fährt er in dieser Saison am besten", befand der Brite. Brawn war an allen sieben WM-Titeln Schumachers maßgeblich beteiligt und würde ihn wohl gern über diese Saison hinaus im Silberpfeil sehen. Vielleicht ging der Stratege deshalb in die Offensive und verkündete: "Wir treffen die Entscheidung im Sommer." Genauer: Sechs Wochen gab Brawn Schumacher Zeit.

    "Schumi" hat Option zu verlängern
    Dabei hatte der 91-malige Grand-Prix-Sieger ein paar Tage vorher betont: "Ich habe nie vom Sommer geredet." Der Poker spitzt sich zu. Und Schumacher hat die besseren Karten. Er allein hat angeblich die Option, seinen Dreijahresvertrag zu verlängern. Bis zu welchem Datum er sich erklären muss, ist unbekannt. "An einer öffentlichen Diskussion über Zeitabläufe, Hintergründe oder Tendenzen werden wir uns nicht beteiligen", ließ seine Managerin Sabine Kehm wissen.

    Wer könnte Schumacher nachfolgen?
    Je länger sich "Schumi" jedoch bitten lässt, umso schwieriger wird die Lage für Mercedes. Der Kreis potenzieller Nachfolger ist ohnehin sehr klein, bis zum Saison-Schlussverkauf wird der deutsche Autobauer da kaum warten wollen. "Man braucht für jede Schlüsselfigur im Team eine Alternative", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Ein Schumacher als Rennfahrer und vor allem als globale Sportikone mit enormem Werbewert ist indes schwer zu ersetzen. Gespannt beobachtet auch die Konkurrenz die Personalie. Zieht sich Schumacher wider Erwarten zurück, kommt das Fahrerkarussell so richtig auf Touren. Mark Webber bei Red Bull, Lewis Hamilton bei McLaren und Felipe Massa bei Ferrari haben noch keinen Vertrag für die nächste Saison.