Dicke Luft: Kuttin attackiert "Schlieri"

Team-Debakel

Dicke Luft: Kuttin attackiert "Schlieri"

Adler fahren ohne Medaille nach Hause. Der Ärger darüber ist riesig.

Fast 100 Punkte fehlten im Teambewerb auf Bronze. Erstmals seit 16 Jahren gab es keine Medaille bei Olympischen Spielen und auch bei keinem anderen Großereignis standen Österreichs Skispringer auf dem Podest. Trainer Heinz Kuttin war nach dem schwachen Abschneiden am Montag in Alpensia hörbar sauer. Er kritisierte offen die schwachen Leistungen zweier seiner Athleten.

Kuttin ließ durchblicken, dass im Team doch "dicke Luft" herrsche. Die Leistung sei "beschämend", schimpfte er und wurde deutlich: "Michael Hayböck, Stefan Kraft, die muss ich wirklich hervorheben. Die zwei Burschen tun mir leid. Manuel Fettner und Gregor Schlierenzauer verstehe ich jedoch nicht", sagte Kuttin.

Diese beiden hättem während der Tournee das Vertrauen bekommen, alle möglichen Vorbereitungsprogramme und Kurse gehabt. "Dann springen sie im Training zum Teil sehr gut, sind mit Plätzen wie sechs, sieben, acht, zehn nicht zufrieden, dann kommt der Wettkampf und sie hupfen - Entschuldigung -, nicht einmal im Mittelmaß mit, das verstehe ich nicht", echauffierte sich Kuttin. Daher komme auch der große Rückstand.

Man habe vor dem letzten Bewerb der Spiele in Südkorea gewusst, dass man nur positiv überraschen könne, da müsse aber jeder um die 130 m weit springen. "Aber da waren wir mit den zwei Leuten leider weit weg. Da bin ich mehr als enttäuscht."

Teamgeist? "Da ist sehr viel gespielt"

Ob er für den Rest der Saison nun einen Plan hat? "Sicher. Den Plan habe ich schon im Kopf, aber da werde ich jetzt erst drüber schlafen. Es wird Maßnahmen geben und die werden mit mir auch sicher umgesetzt", erklärte der ÖSV-Funktionär, der dies aber erst wieder in Österreich bekanntgeben will. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft sei jedenfalls nicht eitel Wonne. "Jeder ist enttäuscht."

Darauf angesprochen, dass Kraft und Co. eigentlich geschlossen den positiven Teamspirit hervorheben, überrascht Kuttin: "Da ist sehr viel gespielt. Wenn ich die Bilder im Fernsehen wieder sehe, dann stimmt vieles nicht. Da kann man nicht zufrieden sein, mit solchen Leistungen und dementsprechend werden wir auch agieren in Zukunft." Störfaktor gebe es keinen im Team, versichert er, aber: "Wenn nicht alles gut ist, dann gibt es Diskussionen. Jeder sieht es ein bisserl anders, und jeder ist gescheiter."

Der Sportliche Leiter für Kombination und Skispringen, Ernst Vettori, wirkte ratlos. "Wir probieren seit der Tournee, irgendwas zu tun. Die Dinge sind teilweise ausgereizt. Wir sind nicht da, wo wir hin sollen und wollen. Da sind wir alles andere als glücklich, aber wir müssen das momentan zur Kenntnis nehmen und die Burschen für den Rest der Saison noch einmal aufrichten."

© Gepa

Trainerwechsel nicht ausgeschlossen

Wie er auf boulevardeske Schreie nach einem Trainerwechsel reagiert? "Ja, die Sachen werden sicherlich überlegt, aber noch einmal, jetzt müssen wir einmal die Saison fertig machen." Er selbst kennt die Situation noch aus aktiver Zeit. "Ich bin 1984 und 1988 zweimal dabei gewesen, wenn wir nichts gemacht haben." Sämtliche Großereignisse ohne Medaille in diesem Jahr tun weh. "Wir tun es wirklich nicht zu Fleiß. Wir haben eine verkorkste Saison, wir probieren es jedes Mal wieder, uns aufzurichten."

Gregor Schlierenzauer sprach bei seiner Analyse auch von Änderungen, die nötig sind. Nachgefragt meinte er nur: "Das sind gefährliche Fragen, weil ich da sehr emotional bin und ich habe mir da schon einmal die Finger verbrannt. Da müssen wir uns alle bei der Nase nehmen, das Ganze akribisch analysieren", sagte der 53-fache Weltcupsieger.

Man müsse einen Plan zurechtlegen, brauche eine Klarheit und Vision, wie es ausschauen muss, durchziehen." Gibt es diese Vision im Trainerstab momentan nicht? "Da gebe ich jetzt keine Antwort drauf."