Krimi um Pumpers B-Probe

Doping

Krimi um Pumpers B-Probe

Wird der "Fall Pumper" zum Krimi? Die Marathonlady wartet auf das Ergebnis der B-Probe. Doping-Jäger Werner Franke ahnt Böses.

Am 9. März war Susanne Pumper beim „Eisbär-Lauf“ im Wiener Prater Doping-Jäger Karl-Heinz Demel ins Netz gegangen. Jedenfalls brachte die A-Probe ein positives Ergebnis. Zum letztmöglichen Zeitpunkt, nämlich am vergangenen Montag, beantragte die Langstrecken-Lady die Öffnung der B-Probe. Ist die negativ, dann gilt die 37-jährige Wienerin als „nicht gedopt“. Dann könnte sie wie geplant sogar am Sonntag beim 25. Vienna City Marathon an den Start gehen.

Wien-Start ausgeschlossen
„Damit rechne ich aber nicht“, sagt Wien-Marathon-Chef Wolfgang Konrad. „Denn nach dem, was Frau Pumper in den vergangenen Tagen durchgemacht hat, ist sie geistig sicher nicht in der Lage, einen Marathon auf ihrem gewohnten Niveau durchzustehen.“ Außerdem: Die Chancen, dass die B-Probe das positive Ergebnis der A-Probe widerlegt, liegt laut ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber „im Promillebereich“. Nämlich dann, wenn die Substanz, die in der Urinprobe gefunden wurde (im „Fall Pumper“ soll es sich um EPO handeln) im Lauf der Zeit abbaut. Und seit 9. März sind inzwischen sechseinhalb Wochen vergangen (ÖSTERREICH berichtete).

Chemiker Günter Gmeiner, der die Pumper-Probe im Antidoping-Labor in Seibersdorf analysieren lässt, dazu: „Theoretisch kann die Substanz tatsächlich abgebaut werden. Allerdings ist das in unserem Labor noch nie vorgekommen.“

Dopingjäger warnt
Allerdings: Der prominente deutsche Doping-Jäger Prof. Werner Franke (prozessiert u.a. gegen Ex-Radprofi Jan Ullrich) könnte sich das sehr wohl vorstellen. Der Molekularbiologe wartet mit brisanten Fakten auf: „Wenn ich dem Urin ein paar proteinabbauende Enzyme mitgegeben habe, sieht man in der B-Probe nach einiger Zeit natürlich nix mehr.“

Wie bitte? Franke über einen vor allem in der Rad-Szene beliebten Trick: „Es handelt sich um ein rötliches Pulver, das sich Athleten auf den Finger tun und bei der Abgabe der Probe drüberpinkeln. Quasi aus Versehen. Damit ist das Zeug drin und baut die EPO-Produkte nahezu bis zur Unkenntlichkeit ab.“ Und das, obwohl die Proben idealerweise bei Temperaturen zwischen minus 20 bis minus 80 Grad gelagert werden. Franke: „Die Probe steht ja vor der Analyse herum. Und da reichen manchmal schon 20 Minuten. Und darauf können die betroffenen Athleten hoffen.“

Und damit könnte auch der „Fall Pumper“ endgültig zum Kriminalfall werden.

Von Knut Okresek/ÖSTERREICH