Hirscher

Das große "ÖSTERREICH"-Interview

Hirscher: ''Mein neues Leben ist besser''

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Marcel Hirscher gibt beim Erzbergrodeo und im ÖSTERREICH-Interview Gas.

Eisenerz. Wohlauf und sichtlich erleichtert war Marcel Hirscher nach seinem ersten Tag beim härtesten Enduro-Rennen der Welt. Der größte Skirennläufer aller Zeiten legt sich nun mit dem Erzberg an. Und nicht nur das. Erst vor wenigen Tagen sorgte der 33-jährige Salzburger mit kritischen Äußerungen über seine fulminante Ski-Karriere für Aufsehen. Im großen Interview mit ÖSTERREICH spricht Hirscher Klartext – über sein Motorrad-Abenteuer, sein neues Ski-Business mit der eigenen Marke Van Deer und über sein neues Leben.

ÖSTERREICH: Marcel, wie geht’s Ihnen nach Ihrem ersten Prolog am Erzberg?

Marcel Hirscher: Gut, das war eine solide Fahrt, ich hab’s wirklich genossen. Von der Spitze bin ich natürlich weit weg.

ÖSTERREICH: Und wie werden Sie das Rennen angehen?

Hirscher: Ich werde versuchen, das Risiko halbwegs zu kalkulieren. Ich hab nämlich keine Lust, in den nächsten Wochen mit Schürfverletzungen herumzugehen.

ÖSTERREICH: Ihr Ziel?

Hirscher: Ich will es genießen, Freude haben, Spaß. Ich genieße das Privileg, so etwas auf diesem einzigartigen Berg zu erleben. Ich bin natürlich nicht bei den Top-Leuten dabei, dementsprechend werde ich viel im Stau stehen. Mein Hauptziel ist, gesund nach Hause zu kommen. Zum ersten Mal spüre ich keinen Druck. Diesmal geht’s wirklich nur ums Dabeisein.

ÖSTERREICH: Das glaube ich Ihnen nicht …

Hirscher: Vielleicht packt es mich noch einmal so richtig, aber zurzeit ist das nicht der Fall.

ÖSTERREICH: Wie weit glauben Sie, dass Sie kommen können? Von Experten hört man alle Theorien: Ex-Weltmeister Heinz Kinigadner traut Ihnen sogar zu, ganz durchzukommen.

Hirscher: Sorry, aber das ist unrealistisch. So unrealistisch, als wie wenn ich prophezeien würde, dass Hubertus von Hohenlohe den Gesamtweltcup gewinnt. Das Rennen funktioniert so, dass, wenn du nicht unter den Top 30 bist, du im Stau steckst und vielleicht ein paar Stationen überstehst. Aber das ist so okay. Für mehr müsste ich mein komplettes Leben danach ausrichten. Aber mein Tag hat auch nicht mehr als 24 Stunden.

ÖSTERREICH: Wie gehen sich eigentlich Ihr Training, die vielen PR-Aktivitäten und die rasante Entwicklung Ihres Van-Deer-Skis aus?

Hirscher: Ich habe sehr viele gute Leute in meinem Umfeld. Nach meinem Enduro-Unfall vor einem Jahr in Rumänien war klar: Heuer möcht ich unbedingt am Erzberg fahren, und da bin ich jetzt.

ÖSTERREICH: Kann man das mit Ihrem Abenteuer als Vorläufer auf der Streif vergleichen?

Hirscher: Schwer. In Kitzbühel hat man sich mehr von mir erwartet als hier, wo ich als Nicht-Motorsportler mitmache. Ich bin vielleicht ein Botschafter fürs Erzbergrodeo, aber kein ernst zu nehmender Teilnehmer.

ÖSTERREICH: Was sagt Ihr neuer Van-Deer-Kollege Henrik Kristoffersen eigentlich zu Ihren Hard­enduro-Aktivitäten?

Hirscher: Er hat mich gefragt, ob ich jetzt überhaupt keine Angst mehr hab.

ÖSTERREICH: Und was haben Sie ihm gesagt?

Hirscher: Das kann man so nicht sagen, da ist jetzt sehr viel Ehrfurcht dabei. Aber natürlich wär das vor drei Jahren als Skiprofi nicht möglich gewesen. Aber trotzdem will ich mir nicht weh tun.

ÖSTERREICH: Läuft Ihr Leben beruflich und sportlich eigentlich, wie Sie es sich vorgestellt hatten, nach Ihrer Ski-Karriere?

Hirscher: Besser. All meine Ängste, die ich hatte, dass mir nach meiner Profikarriere fad werden könnte, sind nicht eingetreten, es läuft super.

ÖSTERREICH: Und jetzt jagen Sie mit Van Deer die nächsten Weltcup-Siege. Wie lange haben Sie am Kristoffersen-Coup gearbeitet?

Hirscher: Nicht lange, ehrlich gesagt. Henrik ist auf mich zugekommen, und in zwei Wochen waren wir uns einig. Dass es so schnell ­gehen würde, war für uns aber schon eine Überraschung.

ÖSTERREICH: Spricht für Ihren Ski, der, wie Sie bei der Präsentation prophezeiten, „Weltcup-Rennen gewinnen wird“ …

Hirscher: Das ist jetzt tatsächlich realistisch. Die Basis dafür haben wir vergangenen Winter gelegt, als wir sehr gute Ski entwickelt haben. Die hat Henrik getestet und war sofort beeindruckt.

ÖSTERREICH: Im Red Bulletin sorgten Sie mit kritischen Aussagen, Sie hätten sich zu sehr vom Skirennsport vereinnahmen lassen, für viel Aufsehen. Haben Sie damit gerechnet?

Hirscher: Eigentlich schon. Diese Aussagen habe ich sehr bewusst gewählt. Denn nur so können wir etwas verändern. Und genau das ist mein Ziel!

Interview: Knut Okresek

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