So will Thiem gegen Djokovic den Titel holen

Showdown in Melbourne

So will Thiem gegen Djokovic den Titel holen

Zwei Mal Finale French Open, Endspiel bei den ATP Finals in London und jetzt der Titelkampf bei den Australian Open für Dominic Thiem.

Eigentlich ist es für Dominic Thiem das vierte ganz große Finale seiner Karriere, eben das dritte auf Major-Niveau. Der 26-jährige Niederösterreicher hat allerdings in Melbourne mit Novak Djokovic eine Riesenhürde vor sich, will er seinen ersten Grand-Slam-Titel holen.
 
Es ist auch die Chance für den Schützling von Nicolas Massu, die schon wieder drei Jahre bzw. zwölf Turniere währende Major-Siegesserie von Roger Federer, Rafael Nadal und Djokovic zu durchbrechen. Von einer "Wachablöse" zu sprechen wäre zu früh, aber zumindest wäre Thiem der erste Grand-Slam-Sieger seit Stan Wawrinka bei den US Open 2016 der nicht aus den "big three" stammt. Gegen Djokovic (9.30 Uhr MEZ/live im oe24-Ticker) hat Thiem eine 4:6-Bilanz, allerdings hat er die vergangenen zwei Begegnungen im Halbfinale der French Open und im Gruppenspiel der ATP Finals (beides 2019) jeweils sehr knapp gewonnen.
 

Thiem ist bereit für Grand-Slam-Titel

Immer wieder hatte Thiem in den vergangenen Monaten betont: Will man eines der ganz großen Turniere gewinnen, dann muss man wohl innerhalb eines Majors zwei der "großen Drei" bezwingen. Mit dem Viertelfinal-Triumph über Nadal hat er den ersten Schritt gesetzt, nun folgt mit Djokovic der nächste Riesenprüfstein. Und bei den ATP Finals im November hatte er der Reihe nach Federer und Djokovic bezwungen. Ein besonders starker Hinweis, dass Thiem bereit ist für den ganz großen Coup.
 
Dennoch: Thiem bleibt Außenseiter gegen Djokovic. "Er ist wahrscheinlich vor allem da in Australien der beste Spieler aller Zeiten", erinnerte Thiem an die erstaunliche Melbourne-Bilanz des "Djoker": Der 32-jährige Serbe steht zum achten Mal im Finale, die bisherigen sieben hat er "down under" allesamt gewonnen. Bei den beiden Roland-Garros-Endspielen war Thiem im Finale Sandplatz-König Nadal zum Stolperstein geworden, darauf bezog sich Thiem auch gleich. "Ich hab meine zwei Grand-Slam-Finali in Paris gegen Nadal gespielt, der zum damaligen Zeitpunkt zehn bzw. elfmal das Turnier gewonnen hat. Am Sonntag geht es gegen Djokovic, der hat das Turnier sieben Mal gewonnen. Ich spiele immer gegen die Könige des (aktuellen) Grand-Slam-Turniers, aber es ist die ultimative Herausforderung", sagte Thiem.
 
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Die Last fiel von Thiems Schultern als er das packende Halbfinale gegen Zverev gewann.
 

Thiem mit dosiertem Risiko zum Sieg

Hinzu kommt, dass Djokovic vergleichsweise ins Endspiel "spaziert" ist: Thiem benötigte 18:24 Stunden bis ins erste Finale eines Österreichers bei den Australian Open, Djokovic stand fast sechs Stunden (12:29) weniger auf dem Platz. Doch diese Fakten muss und wird Thiem beiseite schieben und sich auf die guten Zahlen und Erinnerungen fokussieren. "Ich habe das letzte Match gegen ihn in London gewonnen, wo ich unglaublich gespielt habe. Will ich eine Chance haben, muss ich ähnlich spielen wie damals. Natürlich viel riskieren, aber trotzdem dosieren", weiß Thiem, der mit dem Triumph in Melbourne seinen insgesamt 17. Titel holen könnte.
 
Neben der bekannten Mentalität von Djokovic ist auch seine Erfahrung hoch einzuschätzen: Für den 140-Millionen-Dollar-Mann allein an Preisgeldern steht am Sonntag das bereits 26. Endspiel auf Major-Niveau an, Thiem ist auf Hartplatz Final-Debütant, aber blickt immerhin auf zwei weitere zurück. Er hat aber sicher etwas weniger zu verlieren als im Halbfinale gegen Alexander Zverev, als man den Sieg von ihm irgendwie erwartet hatte.
 
 
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Österreichs Tennis-Ass trainier hart und überlässt nichts dem Zufall
 

Perfekte Vorbereitung in Australien

Als Grundlage des Erfolgslaufs sieht Coach Nicolas Massu auch die frühe Anreise nach "down under" noch vor Weihnachten. "Wir sind jetzt eineinhalb Monate in Australien, trainieren, fokussieren uns auf dieses Turnier. Dominic war dafür motiviert, früh herzukommen." Es sei für den Niederösterreicher auch eine große Motivation, gegen Leute wie Nadal auf dem Center Court eines Grand Slams zu spielen. Massu: "Dafür arbeiten wir."

Es wisse jeder, dass es schwierig sei, gegen Djokovic zu spielen, da er ein unglaublicher Spieler sei. "Aber Dominic ist im Finale, weil er es verdient", sagte der Einzel- und Doppel-Olympiasieger von Athen 2004. "Für mich ist Selbstvertrauen das Wichtigste. In diesem Sport bist du alleine, du musst Entscheidungen treffen. Manchmal machen kleine Details den Unterschied aus. Aber ich glaube, es ist das Selbstvertrauen, das dir den Glauben schenkt, dass du auf allen Belägen das gleich gute Tennis

 

Bei Triumph ist Thiem in den Top 3

Besonders wichtig wäre freilich die Etablierung in den Top 3. "Wenn er sich irgendwann in den Top 3 festsetzt, ist sein Marktwert noch höher. Das Wichtigste ist das Ranking und natürlich ein Grand-Slam-Sieg, das wäre die Sahne drauf", meint Straka lächelnd. Holt Thiem tatsächlich ausgerechnet in Australien den Titel, dann hätte er erstmals den Sprung in die Top 3 geschafft, schon jetzt fehlen ihm nur 85 Punkte auf den 38-jährigen Federer. Unabhängig vom Ausgang kann Straka (und auch Thiem) schon jetzt sagen: "Das war ein super Saisonstart, so gut wie noch nie in seiner ganze Karriere, und das lässt einmal für das heurige Jahr sehr viel hoffen."