Olympia-Vergabe wird Krimi

Olympia 2014

Olympia-Vergabe wird Krimi

Geheim-Informanten werfen Sporthilfe-Boss Schutti vor, die Salzburger Olympia-Bewerbung an die Russen verkauft zu haben. Auch Kanzler will Aufklärung.

Die (erfolglose) Salzburger Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014 entwickelt sich immer mehr zu einem Krimi:

- Die Staatsanwaltschaft startet Vorerhebungen.

- Und: Kanzler Gusenbauer fordert via ÖSTERREICH Aufklärung der Vorgänge.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Anton Schutti, ehemaliger Chef der Salzburger Olympia-Bewerbung und jetziger Sporthilfe-Geschäftsführer, soll geheime Informationen ans Russische Olympische Komitee verkauft haben – es gilt die Unschuldvermutung. Der russische Wintersportort Sotschi hat Salzburg im Sommer bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 ausgestochen.

Geld für Geheiminfos?
Jener Insider, der ÖSTERREICH bereits im Mai die drohenden Doping-Sanktionen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegen den ÖOC angekündigt hat (die sich später zu hundert Prozent als richtig erwiesen), nährt den Verdacht: „Jedem Branchenkenner ist klar, dass Schutti Geld von den Russen bekommen haben soll. Dass es bei der Olympia-Vergabe nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, weiß jeder.“ Im Gegenzug für finanzielle Leistungen hätte der russische Verband Informationen zur Salzburger Bewerbung und eine Einschätzung der politischen Unterstützung für Olympia 2014 in ­Österreich bekommen: „Es passt alles ins Bild.“ Schutti selbst bestreitet vehement.

„Kein Geld für Tochter“
Zusätzlich Öl ins Feuer gießt ­Elisabeth Bachler, Ex-Frau des Sporthilfe-Geschäftsführers. Schutti hatte gegenüber ­ÖSTERREICH behauptet, dass es sich bei den Geld-Überweisungen – die nun von der Staatsanwaltschaft geprüft werden – um Kredite für seine Tochter gehandelt hätte, die in der Schweiz studieren wollte. „Meine Tochter ist nicht in der Schweiz, sondern an der französischen Uni Sorbonne. Das Geld ist nie bei ihr angekommen“, so Bachler. Und sie bestätigt die guten Russland-Kontakte ihres Ex-Mannes: „Er war oft in Russland, hat dort viele Freunde.“

Staatsanwalt ermittelt
Am Donnerstag leitete die Salzburger Staatsanwaltschaft „wegen des Verdachts der Untreue und anderer Delikte“ im Zusammenhang mit der Salzburger Olympia-Bewerbung gerichtliche Vorerhebungen gegen Schutti ein. „Ich habe die Staatsanwaltschaft ersucht, sofort einen Termin zu bekommen, um das Ganze zu widerlegen“, so Schutti zu ­ÖSTERREICH.

Brisante Unterlagen
Auslöser der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war eine Sachverhaltsdarstellung des Seekirchner Stadtrats Helmut Naderer, dem die Unterlagen letzte Woche zugespielt wurden. Im Mittelpunkt des Schriftstücks steht eine Blanko-Vollmacht des Präsidenten des russischen Komitees für Schutti und eine Zahlung von mehr als 10.000 ­Euro auf ein ausländisches Konto, das Schutti gehört.

Bundeskanzleramt prüft
Die Causa zieht indessen auch in der österreichischen Innen­politik immer weitere Kreise. Nun hat sich sogar das Bundeskanzleramt eingeschaltet: Die Unterlagen werden geprüft.