Die wahren Hintergründe

Der Fall Madeleine McCann

Der Fall Madeleine McCann
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Kaum ein Kriminalfall hat die Welt so in Atem gehalten wie jener um das Verschwinden des britischen Mädchens Madeleine McCann 2007. Oe24 Plus hat die genauen Abläufe und Hintergründe des Verbrechens für Sie zusammengefasst.    
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Eigentlich sollte es ein paradiesischer Familienurlaub an der portugiesischen Algarveküste werden. Gemeinsam mit befreundeten Familien genoss das englische Ärztepaar Kate und Gerry McCann mit Tochter Maddie und ihren zwei Geschwistern den Urlaub im Ocean Club in Praia da Luz. Doch der Luxusurlaub sollte Ausmaße annehmen, die niemand erahnen konnte.

Das Verschwinden

3. Mai 2007: Nachdem die Eltern gemeinsam mit Freunden in der Taverne beim Abendessen sitzen, verschwindet die damals dreijährige Madeleine McCann aus ihrem Hotelzimmer. In diesem Zimmer, das etwa 50 Meter von der Taverne entfernt war, wurden mehrere Babyphone aufgestellt und alle 15 Minuten sollte ein Elternteil nach den Kleinen sehen. Gegen 22 Uhr wird Kate McCann auf das Verschwinden ihrer Tochter aufmerksam. Sie erblickt sofort ein geöffnetes Fenster, welches zuvor eigentlich verschlossen war. Nachdem die Eltern kurz selbst nach der Tochter Ausschau halten, informieren sie die portugiesische Polizei.

4. Mai 2007: Die ersten Medien werden bereits auf das Verschwinden des blonden Mädchens aufmerksam. Hunderte Polizeibeamte durchsuchen die gesamte Ferienanlage. Auch zahlreiche freiwillige Helfer aus der Nachbarschaft werden aktiv. Flughäfen und Grenzübergänge werden ebenfalls alarmiert.

7. Mai 2007: Erste Spuren tauchen auf. In der Nähe der Hotelanlage sollen einige ZeugInnen einen Mann beobachtet haben, der von Kindern Fotos gemacht haben soll. Angeblich habe er sogar versucht, einen Jungen in sein Auto zu zerren. Zur selben Zeit wenden sich Kate und Gerry McCann live im britischen Fernsehen an die Verbrecher und bitten sie, ihre Tochter freizulassen. Sie starten eine große Medienkampagne, in welcher sie ein Foto Maddies veröffentlichen, das nun um die Welt geht.

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Weltweite Aufmerksamkeit

9. Mai 2007: Die portugiesische Polizei konzentriert sich auf einen internationalen Pädophilen-Ring. Zwei Männer und eine Frau werden verhaftet, weil ihnen vorgeworfen wird, sie hätten die Dreijährige verschleppt. Die Vorwürfe erweisen sich kurz darauf als haltlos. Die portugiesische Polizei erhält mittlerweile Unterstützung von den britischen KollegInnen.

11. Mai 2007: Mehr als eine Woche nach dem Verschwinden des Mädchens, beendet die Polizei die Suche in der näheren Umgebung der Hotelanlage. Die ErmittlerInnen verhören nun mehrere britische TouristInnen und glauben hier fündig zu werden. Mittlerweile schalten sich internationale Stars wie David Beckham ein und rufen dazu auf, bei der Suche nach Madeleine mitzuhelfen. Die „Harry Potter“-Autorin Joanne K. Rowling setzt sogar eine millionenschwere Belohnung für etwaige Hinweise aus.

20. Mai 2007: Die ganze Welt sucht nun nach der kleinen Maddie. Die Internetseite www.findmadeleine.com wurde mittlerweile über 40 Millionen Mal angeklickt und auch die Medien reißen sich um jeden noch so kleinen Hinweis auf das Verschwinden. Maddies Vater erklärt in einer Pressekonferenz, dass er die ganze Welt nach seiner Tochter absuchen werde. Nach den neuesten Hinweisen wurde Maddie an einer Tankstelle im marokkanischen Marrakesch gesichtet. Die Hinweise eines norwegischen Touristenpaares erweisen sich jedoch ebenfalls als haltlos. Mittlerweile gelangen vermeintliche Sichtungsmeldungen des Mädchens auf der ganzen Welt bei der Polizei in Portugal ein.

30. Mai 2007: Kate und Gerry McCann werden von Papst Benedikt XVI. empfangen. Er segnet das Foto des verschwundenen Kinds und nach der Generalaudienz wechselt er einige Worte mit den Eltern. Die Polizei sucht mittlerweile nach einem etwa 170 cm großen, weißen Mann mit durchschnittlichem Körperbau und mittleren Alters.

Juni 2007: Kritische Stimmen an der Medienkampagne der McCanns werden laut. Dem britischen Ärztepaar wird vorgeworfen, sie würden aus dem Verschwinden ihrer Tochter Kapital schlagen wollen. Auch dem leitenden Ermittler von der portugiesischen Polizei wird vorgeworfen, er würde schlechte Arbeit leisten und hätte bereits im Vorfeld korrupte Handlungen getätigt, sowie unschuldige Menschen zu Geständnissen gezwungen.

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Dramatischer Wendepunkt

August 2007: Die Polizei geht aufgrund von neuen Hinweisen nicht mehr von einer Entführung des Mädchens, sondern von einem tödlichen Unfall aus. Der Fall wird immer mysteriöser und die Eltern geraten zunehmend ins Visier der portugiesischen ErmittlerInnen. Die Autos der Eltern und ihrer FreundInnen werden untersucht und auch die Medien stürzen sich auf die McCanns als neueste Tatverdächtige.
September 2007: Mittlerweile geht die Polizei fix von den Eltern als Täter aus. Leichenspürhunde haben angeblich entdeckt, dass Madeleine McCann im Hotelzimmer gestorben sein soll. Maddies Mutter, Kate McCann, wird ganze 11 Stunden am Stück von den Behörden verhört. Als man seltsame Blutspuren in den Mietautos der Familie findet, erhärtet sich der Verdacht und Gerry McCann wird zum Hauptverdächtigen erklärt. Die weltweiten Medien, aber vor allem die portugiesische Boulevardpresse, erkennen in den McCanns mittlerweile ein gefundenes Fressen. Nachdem sie zuerst aufgrund ihrer internationalen Medienkampagne in das Visier der Kritik gerieten, werden sie nun als Schuldige am Verschwinden ihrer eigenen Tochter dargestellt. Die beiden sind jetzt gezwungen, Portugal zu verlassen, und beteuern zurück in der Heimat ihre Unschuld. Als die Akten bei der Staatsanwaltschaft eingereicht wurden, erweisen sich die Spuren als nicht stichfest. Das Blut im Mietwagen kann nicht eindeutig auf Madeleine zurückgeführt werden und auch weitere Beweise lassen sich als nichtig erkennen.

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Schwierige Folgejahre

November 2007: Eine Freundin der McCanns behauptet nun, den Entführer in der Tatnacht gesehen zu haben. Die Personenbeschreibung deckt sich mit den bisherigen ZeugInnenaussagen. Weiters behauptet die Britin, dass der Entführer Maddie auf dem Arm getragen haben soll. Ein Phantombild wird erstellt, das erneut durch die internationalen Medien geht.

Frühjahr 2008: Die portugiesische Polizei steht unter Zugzwang und muss Fehler bei der anfänglichen Ermittlungsarbeit eingestehen. Die Behörden entschuldigen sich und behaupten, dass sie die Eltern übereilt zu Verdächtigen erklärt und damit zur weltweiten Zielscheibe gemacht haben. Im Juli stellt die Polizei den Fall ein und legt ihn zu den Akten. Er wird somit zu einem Cold Case.

Mai 2009: Die Eltern haben private ErmittlerInnen engagiert, um weiter nach Maddie zu suchen. Immer wieder kommen Spekulationen über den Aufenthalt des Mädchens auf. Die Spur führt von Spanien über Deutschland bis nach Südamerika. Die Eltern geben nicht auf und erhalten finanzielle Unterstützung von gutbürgerlichen Privatpersonen, denen die Aufklärung des Falls am Herzen liegt.

März 2011: Auch nachdem die Eltern zu Gast bei quotenstarken Talkshows wie jener von Oprah Winfrey waren, fehlt von Madeleine weiter jede Spur. Der ehemalige portugiesische Chefermittler des Falls veröffentlicht ein Buch, in welchem er die These vertritt, dass die damals Dreijährige bereits im Hotelzimmer starb und die Eltern dies verschweigen würden. Kurz darauf veröffentlicht auch Kate McCann ein Buch mit ihrer Version des Kriminalfalls. Der britische Premierminister David Cameron verspricht ihr daraufhin, die Ermittlungsakten erneut zu überprüfen.

April 2012: Die britische Polizei erkennt Lücken in den Ermittlungsakten und schwerwiegende Fehler in der Arbeit der portugiesischen KollegInnen. Sie kommen zu dem Entschluss, dass Madeleine durchaus noch am Leben sein könnte. Ein Foto wird veröffentlicht, das zeigt, wie Maddie mittlerweile aussehen könnte.

Herbst 2013: Madeleines Eltern treten in der deutschen Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ auf und bitten die Bevölkerung, ein letztes Mal zu helfen. Einige neue Hinweise kommen dadurch auf. Die Spur führt anfänglich nach Griechenland. Nachdem sich diese Hinweise als entbehrlich erwiesen, nahm auch die portugiesische Polizei die Arbeit wieder auf. Weiterhin bleiben die Ermittlungen jedoch ohne großen Erfolg.

2014-2017: Auch bei Ausgrabungen rund um die Hotelanlage in Praia da Luz findet man die Leiche der jungen Britin nicht. Immer wieder tauchen Spuren auf. 2015 wird beispielsweise in Australien eine Kinderleiche entdeckt, bei der anfänglich vermutet wird, es könnte sich um Maddie handeln. Ein DNA-Test ergab jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Kate und Gerry McCann führen in der Zwischenzeit einen Verleumdungsprozess um Schadensersatz gegen den ehemaligen Chefermittler Goncalo Amaral. Diesen verlieren sie 2017. Die britische Polizei versichert unterdessen, weiter nicht aufgeben zu wollen.

März 2019: Der Streaminganbieter Netflix veröffentlicht eine umstrittene achtteilige Dokumentation zum Fall Maddie McCann. Die Eltern kritisieren diese aufs Schärfste, weil sie dadurch den Ermittlungserfolg der Polizei gefährdet sehen. Die Dokumentation wird von vielen Menschen gesehen und hat zur Folge, dass Kate und Gerry McCann, die sich in der Serie nicht äußern, erneut zur Zielscheibe zahlreicher Anfeindungen werden.

Mögliche Aufklärung

Juni 2020: Das deutsche Bundeskriminalamt gibt bekannt, dass ein deutscher Sexualstraftäter gefasst wurde, der mit dem Verschwinden von Maddie zu tun haben könnte. Der Mann hielt sich im Tatzeitraum in der portugiesischen Algarveregion auf. Es konnte nachgewiesen werden, dass er am Abend des 3. Mai 2007 ein längeres Telefongespräch führte und tags darauf sein Auto auf eine andere Person ummeldete.

Julis 2020: Der Verdacht erhärtet sich, dass der 43-jährige Deutsche, Christian B., Schuld an dem Verschwinden von Maddie McCann hat. Die ErmittlerInnen gehen davon aus, dass das Mädchen bereits kurz nach dem Verschwinden getötet wurde. Bereits nach der Ausstrahlung der ZDF-Show „Aktenzeichen XY…ungelöst“ im Jahr 2013 seien Hinweise auf den deutschen Sexualstraftäter eingelangt. Diese seien damals aber nicht eindeutig genug gewesen. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Christian B., der sich seit längerer Zeit in Haft befindet. B. legte zwar noch kein offizielles Geständnis ab, doch laut einem Staatsanwalt gebe es materielle Beweise für den Tod des so lange gesuchten Mädchens.

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