Der steile Aufstieg Magyars bis in das Amt des ungarischen Ministerpräsidenten
Vor gut zwei Jahren noch nahezu unbekannt, soll Péter Magyar am heutigen Samstag nach dem Erdrutschsieg seiner Mitte-Rechts-Partei TISZA bei den Parlamentswahlen zum Ministerpräsidenten Ungarns gewählt werden. Der 45-Jährige wurde im Zuge der Wahl zur führenden Oppositionsfigur gegen den scheidenden rechtsnationalen Premier Viktor Orbán. Als Regierungschef will Magyar nun den Kurswechsel vollziehen und Ungarn wieder zu einem zuverlässigen Partner von EU und NATO machen.
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Auf seinem Weg stand Magyar, als ehemaliger Teil des Umfelds von Orbáns Regierungspartei Fidesz und als deren Weggefährte, unter Dauerbeschuss, auch durch KI-Fake-Videos und heimliche Tonaufnahmen im Informationskampf. Innerhalb von zwei Jahren wurde Magyar zum schärfsten Kritiker der Korruption und Günstlingswirtschaft unter Orbán, er vollzog eine steile Karriere mit medialer Präsenz.
Scharfe Kritik und enorme Beliebtheit
Magyar schaffte es, Hunderttausende Anhänger bei Demonstrationen gegen Orbán zu mobilisieren, wurde als "Messias" bezeichnet, der Ungarn retten werde, er errang innerhalb kürzester Zeit enorme Beliebtheit. Nach seinem Wahlsieg kündigte er einen harten Kurswechsel und eine Abrechnung mit dem Orbán-Regime an. Er versprach als Pro-Europäer, er wolle Ungarn erneut zu einem zuverlässigen Partner von EU und NATO machen. Noch vor seinem Wahlsieg hatte Magyar den Rücktritt des Staatspräsidenten Tamás Sulyok und anderer hoher Amtsträger gefordert.
Hohe Popularität durch Roadtrips
Hinter dem Wahlsieg von Magyar stehen eiserne Entschlossenheit, Ehrgeiz und unermüdliches Handeln. So reiste er zwei Jahre durch Ungarn, besuchte selbst die kleinste Gemeinde, gab den Menschen Hoffnung auf ein besseres Leben und schuf damit die Basis für seinen Erdrutschsieg am 12. April. Je aktiver seine Reisetätigkeit wurde, umso größer wurde auch die Popularität seiner TISZA-Partei, die er zum Zwei-Drittel-Wahlsieg führte.
Magyar steht gleich von Anfang an vor großen Herausforderungen, sobald er das Regierungsruder übernimmt: Die Staatskassen sind leer, die Verschuldung ist groß. Dabei hatte er umfassende sozialpolitische Maßnahmen versprochen, wie eine Pensionsreform und die Armutsbegrenzung. Auf seiner Agenda stehen außerdem die Wiederherstellung des Rechtsstaates in Ungarn und die Heimholung der wegen Rechtsstaatlichkeitsmängeln eingefrorenen EU-Gelder.
Schmutzkampagnen in Staatsmedien
Während Magyar zunächst von seinen Gegnern, vor allem in den öffentlich-rechtlichen Medien, mit Schmutzkampagnen diffamiert und als Einzeltänzer attackiert wurde, wurden seine Widersacher enttäuscht. Der Jurist initiierte "TISZA-Inseln" in ganz Ungarn, die als lokale Präsenz und als Rückgrat des Wahlkampfes der Partei dienten. TISZA errang bei der Europawahl 2024 aus dem Stand sieben Mandate. Die Partei wurde Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP).
Anschuldigungen, seine Partei sei Fidesz 2.0, wies Magyar entschieden zurück. Eine TISZA-Regierung werde keinesfalls die Orbán-Politik fortsetzen, versicherte er. Kritiker warfen ihm jedoch vor, er würde keine grundlegende Alternative zur Fidesz-Partei bieten.
Skandal als Auslöser
Magyar ist der Ex-Mann von Orbáns ehemaliger Justizministerin Judit Varga, die wegen eines Skandals rund um die Begnadigung des Helfershelfers eines Pädophilen zurücktreten musste. Dieser Skandal soll der Auslöser gewesen sein, dass Magyar von der Fidesz-Partei und Orbán abrückte, diese in einem regierungskritischen Interview angriff und von allen Ämtern in Staatsunternehmen zurücktrat.
Magyar, Vater von drei Kindern, stammt aus einer bekannten Politiker- und Juristenfamilie. Er promovierte an der katholischen Universität Péter Pàzmány in Budapest, arbeitete während seiner Fidesz-nahen Karriere in Ministerien und Auslandsvertretungen.