Die vergrößerte Reichweite der neuesten ukrainischen Waffen ändert nach Ansicht von Präsident Wolodymyr Selenskyj die Lage im Krieg erheblich. Experte Gerhard Mangott analysiert in der ZiB2 bei Armin Wolf die aktuellen Kriegsentwicklungen.
In seiner abendlichen Videoansprache hob er am Sonntag die Wirkung der jüngsten Angriffe gegen Moskau und andere Ziele in Russland hervor. "Die Entfernung zu den Zielen beträgt diesmal mehr als 500 Kilometer, was auch deshalb von Bedeutung ist, weil die Region Moskau am stärksten mit russischen Luftabwehrmitteln gesättigt ist."
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Kiew antwortet damit auf die russischen Dauerangriffe der vergangenen Jahre gegen Ziele in der Ukraine. Nunmehr sollten sich Russen Gedanken "über ihre eigenen Raffinerien, ihre Ölförderanlagen und ihre Unternehmen machen und nicht darüber, wie sie das Leben anderer Völker zerstören können", betonte Selenskyj. "Und diese Reichweite unserer Waffen ist es, die die Lage und die allgemeine Wahrnehmung des russischen Krieges in der Welt erheblich verändert." Der Krieg kehre somit nach Russland "in seinen Heimathafen zurück".
Russland hat die ukrainischen Angriffe auf Moskau in der Nacht auf Montag mit Gegenangriffen beantwortet. Bei Drohnen- und Raketenangriffen auf die Zentral- und Südukraine wurden eine Person getötet und mindestens 30 Menschen verletzt. Berichten der zuständigen Regionalgouverneure auf Telegram zufolge starb die Person im südukrainischen Cherson. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die südrussische Region Belgorod starben zwei Menschen und zwei weitere wurden verletzt.
Selenskyj siegessicher
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Wirkung der jüngsten Angriffe gegen Ziele in Russland betont. "Wir schicken den russischen Angriffskrieg zurück nach Hause, an den einzigen Ort, von dem aus der Krieg gekommen ist", sagte er am Montag in seiner abendlichen Videoansprache. Er verwies auf die massierten Angriffe ukrainischer Langstreckendrohnen.
Russland-Experte Gehrard Mangott meinte in der ZiB2, dass sich die Situation "deutlich verändert" hat. Ihm zufolge hat sich die Lage in der Todeszone verändert. In weiterer Folge verliert Russen-Machthaber Wladimir Putin auch im eigenen Land immer mehr Vertrauen beim Volk. Die Umfragewerte sinken weiter. "Man darf aber die Propaganda Russlands nicht vergessen", meint Mangott mit Verweis darauf, dass die Wahrheit wohl noch schlechter aussieht.
Putin kündigte immer wieder an, dass der Krieg bald zu Ende sei. Der Experte ist sich allerdings sicher, dass "das eine Nachricht nach innen war, um für Ruhe im Volk zu sorgen". Putin schlug vor, dass der ehemalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder als europäischer Vermittler fungieren soll, um auch mit Europa verhandeln zu können. Laut dem Experten war diese Idee "absurd".
EU soll Verhandler ernennen
Der Russland-Kenner warnt, dass es eine Finte sei, um die europäischen Staaten zu spalten. Mangott: "Die Europäische Union sollte sich auf einen Verhandler einigen und tatsächlich mit Russland sprechen. Die Union vergibt sich nichts dabei, wenn sie das tut. Wenn feststellbar wird, dass Putin nichts ernst gemeint hat, können die Gespräche immer noch abgebrochen werden."
Die Haushaltsprobleme in Russland haben Medien zufolge inzwischen die Provinzen des Landes erreicht. Das Gesamtdefizit der russischen Regionen sei bis Ende 2025 auf mehr als 16 Milliarden Euro gestiegen und ein Rekordwert seit Beginn der Beobachtungen, schrieb die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" bereits im Februar unter Berufung auf eine von ihr in Auftrag gegebene Auswertung von Finanzdaten.