Luftalarm

Ukraine: Tote bei massiven russischen Angriffen

Ein massiver russischer Luftangriff hat in der Nacht auf Samstag in ukrainischen Städten Tote, Verletzte und schwere Schäden verursacht.

Neben Drohnen und ballistischen Raketen kamen laut ukrainischer Flugabwehr auch Marschflugkörper zum Einsatz. In fast allen Landesteilen wurde Luftalarm ausgelöst und die Bevölkerung aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Das ukrainische Außenministerium sprach am Samstag früh von mindestens fünf Toten und mehr als 30 Verletzten.

Aus Charkiw und Dnipro wurden schwere Explosionen gemeldet; auch die Hauptstadt Kiew und eine Reihe anderer Städte wurden angegriffen. Allein in Dnipro gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens drei Tote und 21 Verletzte. In den Trümmern eines Wohnblocks werde noch nach Vermissten gesucht.

Nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe hatten russische Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 kurz nach Mitternacht Ortszeit aus großer Distanz über dem Kaspischen Meer Marschflugkörper abgefeuert. Mit deren Annäherung an die Ukraine starteten die russischen Militärs noch Drohnen und ballistische Raketen, um die ukrainische Flugabwehr mit diesem Waffenmix zu überlasten.

Ukraine: Tote bei massiven russischen Angriffen
© APA/AFP

580 russische Drohnen abgefangen

In ihrer Bilanz sprach die ukrainische Luftwaffe am Samstag früh von 619 feindlichen Drohnen sowie 47 Raketen und Marschflugkörpern verschiedener Typen. 580 Drohnen seien abgefangen worden. Von den Marschflugkörpern Ch-101 und ballistischen Raketen Kalibr seien die meisten ausgeschaltet worden. Kein wirksames Mittel hat die Ukraine gegen Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander-M.

Selenskyj: Städtische Infrastruktur Ziel der russischen Angriffe

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Samstag, die russischen Bombardements hätten fast die ganze Nacht angehalten und vor allem städtische Infrastruktur zum Ziel gehabt. "Jeder derartige Angriff muss unsere Partner daran erinnern, dass die Situation sofortiges und entschlossenes Handeln sowie eine rasche Stärkung unserer Luftverteidigung erfordert", erklärte Selenskyj in den sozialen Medien. Eine Stellungnahme Russlands lag zunächst nicht vor.

Erstmals Schäden in Rumänien

Aus dem benachbarten NATO- und EU-Land Rumänien wurden erstmals Sachschäden durch herabstürzende Drohnentrümmer gemeldet. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, teilte die Regierung in Bukarest mit. Sie verurteilte Russlands Vorgehen als unverantwortlich.

Das rumänische Verteidigungsministerium teilte mit, in der südöstlich gelegenen Stadt Galati seien ein Strommast und der Anbau eines Gebäudes beschädigt worden. "Solche Vorfälle belegen den mangelnden Respekt der Russischen Föderation vor dem Völkerrecht und gefährden nicht nur die Sicherheit der rumänischen Bürger, sondern auch die kollektive Sicherheit der NATO", erklärte das Ministerium. Das rumänische Gesetz erlaubt zwar den Abschuss von Drohnen in Friedenszeiten, wenn Leben oder Eigentum in Gefahr sind. Davon machte das Militär bisher jedoch keinen Gebrauch.

In der Vergangenheit sind bereits mehrfach russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen, wenn Moskau ukrainische Häfen auf der anderen Seite der Donau angriff. Trümmerteile fielen dabei wiederholt auf rumänisches Staatsgebiet, Sachschäden gab es bisher jedoch nicht. Wie üblich bei russischen Angriffen auf die Ukraine stiegen in der Nacht zu Samstag britische Eurofighter-Kampfjets auf, die im Rahmen einer Mission zur Luftraumüberwachung in Rumänien stationiert sind.

Ukrainische Drohnenangriffe am Ural

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte indes mit, in der Nacht seien 127 angreifende ukrainische Drohnen abgefangen worden. Gemeldet wurden Angriffe auf die Wolga-Region, aber auch weit im Osten auf die Städte Perm und Jekaterinburg am Ural. In Jekaterinburg seien sechs Menschen verletzt worden, teilte Gebietsgouverneur Denis Pasler mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur TASS meldete. Angaben zu angegriffenen Militärzielen oder Industrieanlagen gab es nicht.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten