Telegram-Panne

Putins Soldaten leakten eigene Front-Geheimnisse

Putin
© APA/AFP/POOL/VYACHESLAV PROKOFYE
Während Putins Geheimdienste vor westlichen Hackern warnen, haben russische Soldaten ihre eigenen Geheimnisse selbst ins Netz gestellt. Fast ein Jahr lang wurden sensible Daten in einem Chat geteilt.
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Der unabhängige, kremlkritische russische Telegram-Nachrichtenkanal "Astra" deckte auf, dass Soldaten des 143. Gardemotorregiments der russischen Armee beinahe zwölf Monate lang geheime Daten in einem öffentlichen Telegram-Chat mit dem Namen "Blyadskaya Organizatsiya" – auf Deutsch etwa "Scheiß-Organisation" – veröffentlichten. Die Gruppe habe täglich Links zu internen Videokonferenzen der Führungsoffiziere enthalten. Zudem sollen dort geheime Soldatenlisten, Munitionsanträge, Überwachungsdaten sowie Zugangsdaten für Drohnen-Streams geteilt worden sein, die es jedem Nutzer ermöglichten, die Frontlage live zu verfolgen.

Eigene Tarnpläne selbst enttarnt

Der Name der Gruppe war offenbar Programm, denn dort landeten laut "Astra" sogar Dokumente des Stabs der russischen 5. Armee. Diese beinhalteten Informationen zu Verlusten, Versorgungsproblemen und geheimen Tarnplänen für den Raum Vremivka. Dabei sollte die ukrainische Aufklärung eigentlich mit vorgetäuschten Stellungen in die Irre geführt werden. Die Veröffentlichung dieser Anweisungen glich laut dem Bericht einem Zauberer, der noch vor seinem Auftritt die Anleitung für seine Tricks verteilt.

Sicherheit war erst spät wichtig

Fast ein Jahr lang soll der Chat für jeden zugänglich gewesen sein. Erst Ende April wurde ein Administrator stutzig, nachdem vermehrt fremde Nutzer beigetreten waren. Die anschließende Reaktion wirkt rückblickend wie unfreiwillige Komik: "Wer tritt bei, wer sind sie? Zu welchem Zweck sind sie hier?" Gefolgt wurde dies von der Warnung: "SICHERHEIT IST AM WICHTIGSTEN." Seit dem 4. Mai wird die Gruppe nicht mehr aktualisiert.

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