In Pakistan

US-Gesandte fliegen am Samstag zu Iran-Gesprächen

Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner fliegen am Samstag zu erneuten Gesprächen über ein mögliches Ende des Iran-Kriegs nach Pakistan. 

Wie die Sprecherin des Weißen Haus, Karoline Leavitt, am Freitag im Sender Fox News sagte, sollen Witkoff und Kushner in Pakistan mit iranischen Unterhändlern zusammentreffen. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna hatte zuvor gemeldet, dass Irans Außenminister Abbas Araqchi am Freitagabend nach Islamabad reisen werde.

Zuvor hatte Araqchi bereits mit Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, und Außenminister Ishaq Dar telefoniert. CNN zufolge reist US-Vizepräsident JD Vance nicht nach Pakistan, da der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf nicht an den Gesprächen teilnehme. Ghalibaf werde im Weißen Haus als Spitze der iranischen Delegation und damit als Pendant von Vance angesehen, hieß es.

Außerdem berieten die EU-Staaten bei einem informellen Gipfeltreffen in Zypern über Schritte zur Beruhigung der Lage. Die deutsche Bundesregierung hatte mitgeteilt, sie sei bereit, mit ihren Partnern schrittweise Sanktionen gegen den Iran zu lockern, wenn es zu einer umfassenden Übereinkunft zur Wiederfreigabe der Straße von Hormuz kommen sollte. Die Blockade der für den Ölhandel wichtigen Meerenge hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und setzt die Weltwirtschaft unter Druck.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag einseitig die Waffenruhe mit dem Iran ohne klares Ende verlängert. Die Waffen sollen demnach schweigen, bis Teheran mit einem geeinten Vorschlag an den Verhandlungstisch kommt. Kurz zuvor hatte der Iran einer Teilnahme an weiteren Verhandlungen in Pakistan eine Absage erteilt. Verhandler der Konfliktparteien hatten sich in Islamabad für eine erste Gesprächsrunde getroffen. Diese war ohne Ergebnis geendet.

USA verlegen dritten Flugzeugträger Richtung Nahost

Beide Seiten drohten, sie seien bereit, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Die USA stocken vor diesem Hintergrund ihre Militärpräsenz in der Region weiter auf. Der Flugzeugträger "USS George H.W. Bush" befinde sich im Indischen Ozean, teilte das US-Regionalkommando Centcom am Donnerstag auf X mit. Erstmals seit 2003 befänden sich somit drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz, hieß es von Centcom am Freitag. Diese umfassten zusammen über 200 Flugzeuge und 15.000 Matrosen und Marineinfanteristen.

Trump hatte eine Öffnung der von Teheran weitgehend blockierten Straße von Hormuz zur Bedingung für die Waffenruhe gemacht, während er zugleich an der eigenen Blockade iranischer Häfen festhält. Trump wies die Marine seines Landes am Donnerstag an, alle Schiffe zu beschießen und zu versenken, die Minen in der für den globalen Ölhandel wichtigen Meerenge ausbringen würden.

Minensuchboote würden die Straße von Hormuz zugleich noch intensiver von Sprengkörpern säubern, schrieb Trump auf Truth Social. Das US-Nachrichtenportal "Axios" zitierte einen US-Beamten und eine weitere Quelle, wonach die Marine der iranischen Revolutionsgarden diese Woche dort weitere Minen verlegt habe.

Israel zur Wiederaufnahme des Iran-Krieges bereit

Unterdessen ist Tel Aviv laut Verteidigungsminister Israel Katz "bereit, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen". Sein Land warte auf grünes Licht aus den USA, sagte er nach Angaben seines Büros vom Donnerstagabend bei einer Lagebeurteilung. Die Ziele seien bereits festgelegt. Es gehe unter anderem darum, die Familien-"Dynastie" des neuen obersten Führers Mojtaba Khamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Khamenei, endgültig zu zerschlagen.

Weiteres Ziel sei die Zerstörung der wirtschaftlichen Infrastruktur, einschließlich Energie- und Stromanlagen. Katz sprach davon, den Iran "in die Steinzeit" zurückzuversetzen. Trump hatte sich vor Wochen ähnlich ausgedrückt.

Im Iran droht Versorgungskrise

Inzwischen droht im Iran nach den Angriffen der USA und Israels laut Experten eine schwere Krise in der medizinischen Versorgung. Zwar gebe es eine Waffenruhe, aber die Folgen der wochenlangen Bombardierung beeinträchtigten wohl noch auf Monate oder Jahre die Versorgung der Bevölkerung, sagte Cristhian Cortez Cardoza in Genf. Er ist stellvertretender Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika bei der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).

"Ein Waffenstillstand bedeutet nicht, dass der Konflikt vorbei ist", sagte Cardoza. Hunderte Kliniken und Gesundheitseinrichtungen sowie Lernstätten und Geschäfte seien zerstört worden, sagte er. Es wachse die Sorge, dass nicht mehr genügend medizinische Geräte wie Dialysemaschinen oder Prothesen zur Verfügung stehen.

Waffenruhe im Libanon verlängert

Unterdessen wurde auch die Waffenruhe zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon und Israel nach Angaben von US-Präsident Trump um drei Wochen verlängert. Die derzeit geltende, zehntägige Waffenruhe wäre ohne eine Verlängerung am späten Sonntagabend ausgelaufen. Auch nach der Verlängerung kam es aber zu Angriffen.

Die libanesische Regierung ist keine aktive Kriegspartei in dem aktuellen Konflikt. Sie will den Einfluss der Hisbollah im Land eindämmen. Die Hisbollah ist gegen die Verhandlungen mit Israel. Im Libanon reagierten die Menschen Augenzeugen zufolge mit einer vorsichtigen Erleichterung auf die Ankündigung der Waffenruhe-Verlängerung. Viele fürchten demnach, dass sich beide Seiten nicht an das Abkommen halten könnten.

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