Verhandlungen

Iran-Krieg: Waffenruhe mit USA und Israel bleibt vor Gesprächen fragil

Die am Dienstag vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Israel mit dem Iran erweist sich kurz vor den Friedensgesprächen in Pakistan als äußerst fragil.

Der Fortschritt des Abkommens wird durch den anhaltenden Krieg Israels gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon sowie einen neuen Streit um die Blockade der für den weltweiten Erdölhandel wichtigen Seestraße von Hormuz gefährdet. Experten sollen die Gespräche am Freitag in Islamabad einleiten.

US-Präsident Donald Trump warf der Führung in Teheran in der Nacht zum Freitag vor, die Durchfahrt von Ölschiffen weiterhin zu behindern, und warnte den Iran davor, Gebühren von Tankern zu verlangen. Zugleich belasten neue militärische Auseinandersetzungen die Lage: Das israelische Militär griff nach eigenen Angaben am frühen Freitag zehn Raketenabschussrampen im Libanon an, während die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz eine Rakete auf die nordisraelische Stadt Haifa abfeuerte.

Offensichtlich schwammiger Deal

Ein zentraler Grund für die Fragilität ist die unterschiedliche Auslegung des Abkommens. Während die USA und Israel betonen, der Libanon sei von der Waffenruhe ausgenommen, bezeichnen der Iran und das Vermittlerland Pakistan das Land als untrennbaren Bestandteil der Vereinbarung. Der oberste geistliche Führer des Iran, Ayatollah Mojtaba Khamenei, kündigte am Donnerstag Vergeltung für die Angriffe auf sein Land an.

Die israelischen Streitkräfte griffen nach eigenen Angaben in der Nacht auf Freitag erneut Stellungen der Hisbollah im Libanon an. Bei der Attacke seien etwa zehn Abschussrampen getroffen worden, von denen aus zuvor Geschosse auf den Norden Israels abgefeuert worden seien, teilte das Militär mit. Medienberichten zufolge hatte die Schiiten-Miliz in der Nacht ihrerseits eine Rakete auf Israel abgefeuert, die abgefangen wurde. In Tel Aviv und Ashdod wurde demnach zeitweise Luftalarm ausgelöst. Israel werde die Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen und nicht aufhören, ehe es Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe, betonte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Straße von Hormuz, durch die vor dem neuen Krieg Israels und der USA gegen den Iran ein Fünftel der weltweiten Öltransporte floss. Das Schiffsaufkommen lag am Donnerstag bei weit unter zehn Prozent des normalen Volumens. Einem Bericht der Zeitung "Financial Times" zufolge will der Iran während der Waffenruhe Durchfahrtsgebühren in Kryptowährungen erheben. Trump schrieb dazu auf der Plattform Truth Social: "Das ist nicht die Vereinbarung, die wir haben!" Das Öl werde mit oder ohne die Hilfe des Iran wieder fließen.

Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf den Informationsdienst Marine Traffic, dass in den zwei Tagen seit Ankündigung der Waffenruhe lediglich ein Dutzend Schiffe die Meerenge passiert hätten. Dabei handelt es sich um einen Bruchteil des Schiffsverkehrs vor Beginn des Iran-Kriegs. Als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Angriffe hatte der Iran Anfang März begonnen, die Straße von Hormuz zu blockieren. Der Transport von Öl- und Flüssiggas aus dem Persischen Golf durch die Meerenge in den Golf von Oman kam damit praktisch zum Erliegen, die Weltmarktpreise stiegen seither rasant an.

Der Konflikt hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen. Die aktuelle Feuerpause war nur Stunden vor Ablauf eines Ultimatums zustande gekommen. Trump hatte für diesen Fall mit umfassenden Angriffen auf iranische Kraftwerke und Brücken sowie der Zerstörung einer "ganzen Zivilisation" gedroht. Unabhängig von den US-iranischen Verhandlungen dieser Tage in Pakistan zeichnen sich separate Gespräche zwischen Israel und der libanesischen Regierung ab, die israelischen Regierungskreisen zufolge in der kommenden Woche in Washington stattfinden sollen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, die Verhandlungen würden sich auf die Entwaffnung der Hisbollah konzentrieren. Ein Vertreter der Miliz lehnte direkte Gespräche mit Israel jedoch ab und forderte als Vorbedingung eine sofortige Waffenruhe.

Netanyahu liefert sich Geplänkel mit Friedensbroker Pakistan

Aus Sicherheitskreisen des Vermittlers Pakistan hieß es, zunächst seien am heutigen Freitag in Islamabad Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen. Am Samstag sei dann ein Treffen der Verhandlungsführer angedacht. Die Gespräche könnten bei Bedarf demnach auch bis Sonntag andauern. Das Weiße Haus hatte zwischenzeitlich erklärt, Vizepräsident James Vance werde die Gespräche "an diesem Wochenende" leiten. Am Donnerstag hatte der iranische Botschafter in Pakistan, Reza Amiri Moghadam, im Onlinedienst X zunächst die Ankunft einer iranischen Delegation bereits für Donnerstagabend angekündigt. Später löschte er die Nachricht und erklärte, diese sei überhastet abgesendet worden.

Kurz vor Beginn der geplanten Verhandlungen in der pakistanischen Hauptstadt kritisierte Israel den Vermittler Pakistan scharf. Auslöser waren Äußerungen des pakistanischen Verteidigungsministers Khawaja Muhammad Asif auf X, in denen er Israel als "Fluch für die Menschheit" und Krebsgeschwür bezeichnete. "Der Aufruf des pakistanischen Verteidigungsministers zur Vernichtung Israels ist empörend. Eine solche Äußerung darf von keiner Regierung toleriert werden, schon gar nicht von einer, die sich als neutraler Vermittler für den Frieden versteht", hieß es in einer Mitteilung des Büros von Premier Netanyahu.

Pakistan äußerte sich im Vorfeld weitgehend zufrieden über die jüngste Entwicklung. Seit der Feuerpause hätten "alle Seiten Zurückhaltung" an den Tag gelegt. Verurteilt wurde aber die "anhaltende Aggression" Israels gegen den Libanon.

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