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Nordkorea

Immer mehr Zweifel an Atomtest

Politiker und Experten halten es für möglich, dass das Regime in Pjöngjang die nukleare Explosion nur vorgetäuscht hat.

Ob Nordkorea am Montag tatsächlich einen nuklearen Sprengsatz gezündet hat, ist weltweit Gegenstand von Spekulationen. "Was wir beobachtet haben, war eindeutig eine Explosion von begrenztem Umfang", sagte die französische Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie. " Angesichts der geringen Sprengkraft ist es heute aber schwer zu sagen, ob es eine große, aber konventionell herbeigeführte Explosion war oder eine Atomexplosion. Wenn es eine Atomexplosion war, dann ist sie misslungen." Dies mache die Lage jedoch nicht weniger ernsthaft, fügte sie hinzu.

Der US-Botschafter in Japan sagte, womöglich werde die Welt nie erfahren, ob Nordkorea die Wahrheit gesagt habe. In japanischen Regierungskreisen gibt es ebenso Zweifel an der Behauptung Nordkoreas über den Atomtest. Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Mittwoch berichtete, glauben manche Vertreter der Regierung sowie der Regierungspartei LDP, dass die am Montag im Nordosten Nordkoreas festgestellten seismischen Wellen nicht von einem Atomtest verursacht wurden.

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Konventionelle Ladung möglich
Auch der deutsche Raketenspezialist Robert Schmucker hält es für möglich, dass Nordkorea seinen Atombombentest nur vorgetäuscht hat. Alles deute auf eine relativ schwache Explosion hin, sagte der Bundeswehr- und NATO-Berater. "Es kann also eine konventionelle Ladung gewesen sein. Oder es war ein Nukleartest, der nicht ganz gelungen ist", sagte Schmucker. "Da hat irgendwas nicht ganz funktioniert."

Auch einem nordkoreanischen Diplomaten zufolge fiel die Explosion kleiner aus als erwartet. Gleichwohl überprüften die südkoreanischen Streitkräfte ihre Bereitschaft für einen etwaigen Atomkrieg, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die US-Streitkräfte in Südkorea unterstrichen am Mittwoch, der Bombentest ändere nichts an ihrer Fähigkeit, einen möglichen Angriff des kommunistischen Staates zu verhindern oder zurückzuschlagen. In Südkorea sind knapp 30.000 US-Soldaten stationiert.

"Feindliche Politik" Washingtons
Nichtsdestotrotz hat Pjöngjang weitere Atomwaffentests für den Fall angekündigt, dass die Vereinigten Staaten ihre "feindliche Politik" fortsetzten. Die Frage weiterer Atomtests hänge von der US-Politik gegenüber Nordkorea ab, sagte der Vorsitzende des Präsidiums der Obersten Volksversammlung, Kim Yong Nam, der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News am Mittwoch in Pjöngjang. "Wenn die USA weiterhin eine feindliche Haltung einnehmen und Druck auf uns ausüben, werden wir keine andere Wahl haben, als physische Schritte dagegen zu unternehmen."

Auch die Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm machte Kim vom Verhalten der USA abhängig. Die Nummer Zwei in der kommunistischen Führung Nordkoreas sagte, die Gespräche könnten so lange nicht stattfinden, wie Sanktionen gegen sein Land bestünden. Er spielte damit auf US-Sanktionen gegen eine Bank in Macau an, der Geldwäsche für die nordkoreanische Regierung vorgeworfen wird. Zu den Rufen nach härteren Sanktionen gegen sein Land sagte Kim, Nordkorea stehe bereits unter eine Reihe internationaler Sanktionen.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte einen Vertreter Nordkoreas in Peking, die Regierung in Pjöngjang würde strikte Sanktionen des Weltsicherheitsrats gegen sein Land als "Kriegserklärung" auffassen. Der Nordkoreaner habe jedoch betont, dass er seine persönliche Meinung widergebe.

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