Schwere Gefechte

Über 1.000 Tote in Somalia

Die Kämpfe der Übergangsregierung und der mit ihnen verbündeten äthiopischen Einheiten gegen die Islamisten forderten bisher auch 3.000 Verletzte.

In Somalia ist der Bürgerkrieg nach der Intervention Äthiopiens eskaliert. Äthiopische Kampfjets bombardierten die aufständischen Islamisten am Dienstag erneut mit Raketen und zwangen sie zum Rückzug. Aus Äthiopien eingerückte Truppen drangen in Richtung der Hauptstadt Mogadischu vor. Die somalische Übergangsregierung sprach von einem Teilsieg und forderte die Islamisten zur Kapitulation auf. Diese erklärten hingegen, ihr Rückzug sei lediglich eine taktische Umgruppierung der Truppen. Man stelle sich auf einen langen Krieg ein. Der äthiopische Premier Meles Zenawi sagte in Addis Abeba, bei den Kämpfen in Somalia seien in den vergangenen Tagen mindestens 1.000 Menschen getötet und mehr als 3.000 weitere verletzt worden.

"Wir fordern die Miliz der islamischen Gerichte auf, sich der Regierung zu ergeben, bevor sie von ihr bestraft wird", sagte Regierungssprecher Abdirahman Dinari in der Stadt Baidoa, wo die somalische Übergangsregierung ihren Sitz hat. Der Führer des Rats der Islamischen Gerichte, Sheik Sharif Sheik Ahmed, gab sich jedoch unbeugsam und sagte, die Miliz habe sich lediglich zu einem taktischen Rückzug entschlossen. "Der Krieg tritt in eine neue Phase ein", sagte Ahmed. "Wir werden sehr lange gegen Äthiopien kämpfen und erwarten, dass sich der Krieg auf alle Orte ausweitet."

Ausweitung des Krieges befürchtet
Experten befürchten, dass der seit langem schwelende und nun eskalierte Konflikt am Horn von Afrika weitere Kreise ziehen könnte: Eritrea, das mit Äthiopien verfeindet ist und die Rebellen unterstützt, sprach von einer sehr ernsten Lage, die Konsequenzen für die Region nach sich ziehen werde. Die EU forderte alle Seiten zum sofortigen Stopp der Kämpfe auf. Auch die Afrikanische Union (AU) rief die Konfliktparteien auf, das Blutvergießen zu beenden. Kenia verhandelt Diplomaten zufolge derzeit hinter den Kulissen mit allen Beteiligten über einen Waffenstillstand.

Die schweren, von Artillerie-Gefechten begleiteten Kämpfe in dem ostafrikanischen Land dauern seit einer Woche an. Die Bewegung der Islamischen Gerichte, die im Land die Scharia einführen will, kontrolliert derzeit noch weite Teile des Landes. Sie war zuletzt immer weiter auf Baidoa vorgerückt. Äthiopien hatte sich daraufhin in den Konflikt eingeschaltet und nach der Unterstützung durch Bodentruppen seit Sonntag auch Stellungen der Islamisten aus der Luft bombardiert. Experten zufolge hat nur dieses schnelle Eingreifen die somalische Übergangsregierung vor dem Untergang bewahrt.

"Äthiopische Truppen sind auf dem Weg nach Mogadischu. Sie sind etwa 70 Kilometer entfernt und werden die Stadt wohl in den nächsten 24 bis 48 Stunden einnehmen", sagte der somalische Botschafter in Äthiopien. Äthiopiens Premier Zenawi hatte zuvor in einer Fernsehansprache erklärt, er sei gezwungen, in den Konflikt einzugreifen, um die nationale Souveränität seines Landes zu verteidigen. Er ließ offen, wann sich seine Truppen aus Somalia zurückziehen würden.

Rebellen geben sich weiter unbeugsam
Rebellen-Sprecher Abdi Kafi kündigte erbitterten Widerstand gegen die Invasoren an. Jeder Versuch, Mogadischu einzunehmen, werde für die äthiopischen Truppen im Desaster enden, sagte Kafi gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir sie von allen Richtungen aus angreifen werden." Die Rebellen würden kämpfen, bis kein äthiopischer Soldat mehr im Land sei. Augenzeugen zufolge wurden tausende islamistischer Kämpfer auf mit Artillerie beladenen Lkws in Richtung Frontlinien gebracht.

Seit einer Woche liefern sich islamistische Milizen und Soldaten der Übergangsregierung in Somalia heftige Gefechte. Das christlich geprägte Äthiopien, das die Truppen der international anerkannten Übergangsregierung unterstützt, erklärte den Milizen der Union der Islamischen Gerichte (UIC) am Sonntagabend den Krieg und griff wenige Stunden später den von der UIC kontrolliertem internationalen Flughafen von Mogadischu aus der Luft an.

Somalia war nach dem Sturz des Diktators Mohammed Siad Barre 1991 ins Chaos abgeglitten: Kriegsfürsten, islamistische Bewegungen und wechselnde Übergangsregierungen versuchen seither das Machtvakuum zu füllen. Die USA beschuldigen die islamistischen Rebellen, vom Terror-Netz Al-Kaida unterstützt zu werden.



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