Ochs statt Stier

Aufregung um beliebte Sehenswürdigkeit

Zum Luxus-Shopping nach Mailand
© joe24
Die Restaurierung des berühmten Stiermosaiks in der Galleria Vittorio Emanuele II. am Wochenende in Mailand hat eine Welle von Reaktionen in den sozialen Netzwerken ausgelöst.
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Zahlreiche Nutzer kritisierten, dass die für das traditionelle Glücksritual bekannte Darstellung nach den Arbeiten verändert wirke. Vor allem der Bereich der Hoden, auf dem Besucher als glücksbringendes Ritual seit Generationen ihre Ferse aufsetzen und sich dreimal drehen, sei kaum noch zu erkennen.

Die Farben erschienen demnach heller und die Konturen weniger deutlich als vor der Restaurierung. Vorher-Nachher-Fotos verbreiteten sich rasch im Internet. Neben Kritik an der optischen Gestaltung wurden auch die Kosten der Arbeiten von rund 5.000 Euro hinterfragt.

Seit mehr als einem Jahrhundert folgen Besucher einem festen Ritual

Seit mehr als einem Jahrhundert folgen Besucher einem festen Ritual. Die rechte Ferse wird auf einen bestimmten Bereich des Mosaiks und zwar auf die Genitalien des Stiers gesetzt, anschließend drehen sich die Teilnehmer dreimal um die eigene Achse. Der Aberglaube verspricht Glück - und hat den Stier zu einer der meistfrequentierten "Stationen" der Mailänder Innenstadt gemacht. Was als folkloristische Tradition begann, ist längst zu einem Touristenphänomen geworden. Selbst Stars wie George Clooney und seine Frau Amal haben das Ritual vollzogen - ein Umstand, der die Popularität des Brauchs zusätzlich verstärkt hat. Mit jedem neuen Besucher steigt jedoch auch der Druck auf das empfindliche Kunstwerk.

Durch das tägliche Glücksritual tausender Besucher war die Oberfläche in den vergangenen Jahren stark abgenutzt worden und musste erneut instand gesetzt werden. Die Oberfläche senkte sich an der besonders beanspruchten Stelle, Mosaikteile wurden beschädigt. Der Bereich wurde deshalb abgesperrt, um weitere Abnutzung zu verhindern. Handwerker setzten das Mosaik am letzten Wochenende instand.

Genitalien "verschwunden"

Doch die Restaurierung sorgt für Diskussionen. Das Problem ist, dass die Genitalien des Stiers nach der Restaurierung "verschwunden" zu sein scheinen. Die Farben sind dezenter, die Form ist nur angedeutet und deutlich weniger erkennbar als zuvor. Dies löste im Internet Diskussionen aus. Mailänder Bürger und Bürgerinnen beklagen "Zensur" und "eine mittelmäßige Flickarbeit mit falschen Farbtönen". "Der Stier ist zu einem Ochsen geworden", kritisierte ein User.

Die Mailänder Stadtverwaltung wies die Vorwürfe zurück. Die betroffenen Partien seien fachgerecht restauriert worden und weiterhin vorhanden. Verwendet worden seien Mosaiksteine aus rosafarbenem Marmor, um die ursprüngliche Farbgebung des historischen Kunstwerks wiederherzustellen. Bei der vorangegangenen Restaurierung im Jahr 2017 habe man mangels Verfügbarkeit des Originalmaterials einen dunkleren Marmor einsetzen müssen.

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