Fußball-Krimi
Deshalb singen die Spanier bei ihrer Hymne nicht mit
Haben Sie es gesehen? Auch diesmal sangen die spanischen Nationalspieler bei ihrer Hymne nicht mit. Fehlender Patriotismus. Lamin Yamal als präsumptiver Vaterlandsverräter?
Mitnichten, warum die Spanier mehr oder weniger ergriffen schweigen, ist leicht erklärt: Die spanische Nationalhymne (sie heißt „Marcha Real“ – also Königlicher Marsch) hat keinen offiziellen Text. Wenn man sie bei Sportveranstaltungen oder offiziellen Staatsakten hört, summen oder lauschen die Menschen also nur, anstatt zu singen.
Es ist halt ein Marsch
Die Melodie wurde im 18. Jahrhundert als rein instrumentaler Militärmarsch für die spanischen Grenadiere komponiert („Marcha de Granaderos“). König Karl III. erklärte sie 1770 zur offiziellen Ehrenmelodie für feierliche Anlässe. Weil sie als reiner Marsch entstand, wurde von Anfang an kein Text dazu verfasst.
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Kein Text gefunden
Später hat man einige Versuche gemacht, einen Text zu finden: Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Dichter Eduardo Marquina einen Text verfasst, der jedoch nie dauerhaft offiziell wurde. Der faschistische Diktator Francisco Franco ließ einen Text von José María Pemán singen. Nach dem Ende der Diktatur und der Rückkehr zur Demokratie wurde der klarerweise sofort wieder abgeschafft, da er stark mit dem autoritären Regime und Nationalismus verknüpft war.
Und auch nach Beginn der Demokratie hat man es nochmals versucht: Im Jahr 2007 startete das Spanische Olympische Komitee (COE) einen großen Anlauf, um endlich einen Text zu finden, damit die Athleten bei Goldmedaillen mitsingen können. Es wurden über 7.000 Vorschläge eingereicht und eine Jury wählte einen Gewinnertext aus. Sobald der Entwurf jedoch an die Öffentlichkeit gelangte, gab es heftige Kritik aus der Politik und der Bevölkerung. Wieder nix.
Spanien ist aber mit der textlosen Hymne nicht allein: Kosovo, Bosnien und San Marino
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