250-jährige Jubiläum
Die Albertina blickt auf ihre Geschichte
Man kann ein 250-jähriges Bestehen mit einem blutigen Käfigkampf feiern - oder mit einer selbstreflexiven Rückschau auf das eigene Sein und Werden. Albertina-Direktor Ralph Gleis hat sich mit "Sammeln für die Zukunft" für Letzteres entschieden. Die Schau ist Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten des Museums und verbindet den Blick zurück mit einem Ausblick nach vorne. Für Freunde von Langohren ist dabei auch Dürers "Feldhase" als Ikone der Albertina Teil des Geschehens.
"Es ist der einzige Moment, an dem man Journalisten Selfies mit einem Werk machen sieht", amüsierte sich Gleis bei der Präsentation der Schau über die Wirkung des fragilen Werkes, das zuletzt 2019 und überhaupt erst zum zehnten Mal in der Historie präsentiert wird. Allerdings reicht "Sammeln für die Zukunft" über die Glorie dieser Hausreliquie hinaus.
Drei große Abschnitte zu einem Haus
In drei Abschnitten und mit 90 Werken nähert man sich der Frage, wie aus einer einstigen Privatsammlung eines der wichtigen Museen Europas wurde. Selbstredend kommt Namensgeber (seit 1864) Albert von Sachsen-Teschen zu Ehren, aber auch der Anteil von Gattin Marie Christine am systematischen Aufbau der Sammlung wird beleuchtet. Sie brachte nicht nur ihre Kunstleidenschaft, sondern auch die nötigen Finanzen für Ankäufe mit in die Ehe.
Als Gründungsmoment für die heutige Albertina gilt ein Tag im Juli 1776, als Albert und Marie Christine vom österreichischen Gesandten in Venedig ein Konvolut von 10.000 Kupferstichen übergeben wurde - der Beginn eines unstillbaren Sammelhungers, der später auch von den Erben fortgeführt und gepflegt wurde. Bald kamen Arbeiten wie Dürers "Rhinoceros" in die Sammlung. Dass das Paar auch Dubletten zusammentrug, erwies sich dabei als hilfreich, als man 1796 mit einem Tausch die heute dominanten Werke der Sammlung an sich band: Man gab Druckgrafiken in die kaiserliche Hofbibliothek und erhielt im Gegenzug 530 Zeichnungen - darunter den "Feldhasen", Hieronymus Boschs "Der Baummensch" oder Pieter Bruegels "Die großen Fische fressen die kleinen".
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Verstaatlichung durch die Republik 1919
Die erste Ausstellung und damit breitere Öffnung des Hauses erfolgte 1899, wobei sich bis heute 600 weitere Schauen anschließen sollten. Der zentrale Paradigmenwechsel in dieser Hinsicht erfolgte 1919, als die fürstliche Sammlung nach dem Ersten Weltkrieg verstaatlicht respektive 1920 mit den Kupferstichbeständen der einstigen Hofbibliothek zusammengelegt wurde. Diese beiden Kollektionen bildeten fortan zusammen den Kern der neuen Albertina, die heute rund 1,2 Millionen Objekte umfasst.
Die Zeit des 20. Jahrhunderts wird unter dem Titel "Ein Jahrhundert im Zeitraffer" abgehandelt, wobei auch die verheerenden Zerstörungen des Baus im Zweiten Weltkrieg und der folgende Wiederaufbau oder Hans Holleins umstrittene Rampe dokumentiert werden. Und damit der auskragende Zubau nicht das einzige Werk der Moderne in der Jubiläumsschau bleibt, rückt man in den letzten beiden Räumen Würdigungen durch die in Berlin lebende Rosa Barba ins Zentrum. Mit der filmischen Hommage "Private Metaphysics" zollt die 1972 Geborene dem Haus ihren künstlerischen Respekt, dem sich weitere Installationen mit Filmmaterial als Ausblick in die Jetztzeit anschließen.
"Die Sammlung war nie rückgewandt in die Vergangenheit, sondern auch auf die jeweilige Moderne bezogen", machte Christof Metzger die Tradition dieses Ansatzes deutlich. Der Kunsthistoriker hat "Sammeln für die Zukunft" gemeinsam mit Hausherr Ralph Gleis kuratiert. Der wiederum fasste den Charakter der Jubiläumsschau noch knapper zusammen: "Diese Ausstellung basiert auf dem gesamten Wissen des Hauses."
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