"Potenziell gefährlich"

Experten zerpflücken Konzept der Auszeit-WG

Vier Jugendliche sitzen dicht beisammen im Freien und wirken nachdenklich oder ernst.
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Nach dem Start der Wiener "Auszeit-WG" für junge Intensivtäter hagelt es Kritik von Experten.
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Der forensische Kinder- und Jugendpsychiater Patrick Frottier attestiert dem Konzept "gravierende fachliche Mängel" – es entspricht seiner Ansicht nach nicht einmal im Ansatz einer Einrichtung dieser Tragweite.

Auszeit-WG: Psychiater und Sozialarbeiter schlagen Alarm

Naiv. Das 17-seitige Papier stammt vom Juli 2026. Frottier hält es für "mehr als naiv", zu glauben, dass innerhalb von sechs Wochen irgendeine Intervention Erfolg bringt. Das Pilotprojekt der MA 11 kostet fast eine Million Euro pro Jahr und sieht Anhaltungen von sechs Wochen mit möglicher Verlängerung um weitere sechs vor.

Zu kurz. Diese Verlängerung bleibt laut Frottier die Ausnahme, nicht die Regel. Damit werden weniger Kinder betreut als ursprünglich propagiert. Selbst drei Monate reichen bei dieser Tätergruppe nicht aus, um eine relevante Verhaltensänderung zu bewirken. Zwang zeigt bei dieser Klientel zudem keine günstigen Effekte, wie Rückfallstatistiken belegen.

Gefährdung für das Personal

Gefährlich. Besonders scharf kritisiert Frottier den Einsatz von Festhalte-Praktiken ohne jahrelanges Training – das sei "potenziell gefährlich, für die Kinder wie für das Personal selbst". Auch das Vertretungsnetz hat derartige Zwangsmaßnahmen bereits wiederholt als nicht rechtens eingestuft.

Verband. Auch der Berufsverband der Sozialen Arbeit (OBDS) übt Kritik. Geschäftsführerin Julia Pollak bemängelt das Fehlen eines Schutzkonzepts sowie eine fehlende Auseinandersetzung mit Machtdynamiken in geschlossenen Einrichtungen. Ein Elfjähriger kann im Ernstfall nicht einfach eine fremde Person der Kinder- und Jugendanwaltschaft anrufen, so Pollak.

NEOS-Vizebürgermeisterin Emmerling verteidigt das Projekt

Verteidigung. Das Büro von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) verteidigt das Projekt: Das Konzept basiert auf dem Wiener Kinder- und Jugendhilfegesetz und wurde von der MA 11 geprüft und genehmigt.

Fazit: Die Auszeit-WG steht kaum drei Wochen nach dem Start bereits massiv in der Kritik – Experten zweifeln an Wirksamkeit und Sicherheit des Konzepts.

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