Regierung
Hitze: Schulen können ab Warnstufe 2 reagieren
Die erste Hitzewelle des Jahres ist vorbei. Für Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) waren die Rekordtemperaturen im Juni allerdings ein „Weckruf“, wie er nach einem Hitzeschutzgipfel im Bildungsministerium am Mittwoch sagte. Er kündigte an, dass Schulen künftig je nach Hitzewarnstufe Maßnahmen treffen können. Außerdem werden an 50 Bundesschulen in ganz Österreich Projekte umgesetzt, um diese zu kühlen. Über eine Vorverlegung der Sommerferien wird weiter diskutiert.
Da die Schulstandorte und damit die jeweilige Belastung sehr unterschiedlich sind, sollen Schulen autonom ab Hitzewarnstufe 2 Maßnahmen setzen können, erklärte Wiederkehr. Dabei orientiert sich das Ministerium an den Warnstufen der GeoSphere Austria. Warnstufe 2 gilt ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad, Warnstufe 3 ab 35 Grad und Warnstufe 4 ab 40 Grad. Ab Stufe 2 können körperliche Tätigkeiten wie Sportunterricht ausgesetzt und schriftliche Leistungsfeststellungen verschoben werden. Ab Stufe 3 sollen eine Verkürzung der Unterrichtsstunden, längere Pausen oder ein früherer Unterrichtsschluss möglich sein.
Generelles Hitzefrei nicht vorgesehen
Eltern sollen aber die Sicherheit haben, dass Betreuung in den Schulen stattfindet, wenn der Nachmittagsunterricht ausfällt. Ab Hitzewarnstufe 3 sollen Eltern ihre schulpflichtigen Kinder allerdings zuhause lassen können, wenn sie es möchten. „Es wird hier ein berechtigtes Fernbleiben ermöglicht, wenn am Standort Maßnahmen getroffen werden“, so Wiederkehr. Ab Sekundarstufe 2 soll es zusätzlich die Möglichkeit geben, dass auf Distance Learning umgestellt wird. Die gesetzlichen Grundlagen dafür müssen noch geschaffen werden, im Juni 2027 sollen sie aber bereits angewandt werden. Im Laufe dieses Sommers will Wiederkehr einen Aktionsplan ausarbeiten.
Gänzliches „Hitzefrei“ ist nicht vorgesehen. Man wolle das Problem nicht an die Familien delegieren, meinte der Bildungsminister. Schließlich seien die räumlichen Bedingungen zuhause oft nicht anders als in der Schule.
Verlegung der Sommerferien wäre geringe Entlastung
Auch über eine Vorverlegung der Sommerferien wurde beim Gipfel diskutiert. Diese bringe eine geringe, aber messbare Entlastung, erklärte GeoSphere-Generaldirektor Andreas Schaffhauser. Verschiebe man die Ferien um zwei Wochen nach vorne, hätte man in der Schulzeit im Schnitt der Landeshauptstädte um 1,3 Hitzetage weniger. Gerade im Juni und Juli gebe es nämlich mehr heiße Tage. Im August und September sei das nicht so, da die Nächte dann schon länger sind. Eine Vorverlegung sei aber nur sinnvoll, wenn sie in allen Bundesländern passiert, sagte Wiederkehr. Hier würde es vertiefende Gespräche geben. Eine erste Einigung könnte es beim Treffen der Landes-Bildungsreferenten und -referentinnen im Herbst geben.
Das Geld für die Anpassung der 50 Schulen an den Klimawandel sei in den über 400 Millionen Euro inkludiert, die man jährlich für die Infrastruktur von Bundesschulen bereitstelle, sagte Wiederkehr. Dabei geht es etwa um den Einbau von Jalousien oder die Klimatisierung von besonders betroffenen Räumen, Neubauten sollen zudem jedenfalls klimafit sein. Würde man alle Schulen umbauen, würde das viele Milliarden Euro kosten. Die Anpassung könne daher nur schrittweise erfolgen.
Klimawandel als Ursache
Die Ursache für die Rekordtemperaturen liegt im Klimawandel, hielt Schaffhauser fest. Die Hitzetage und Tropennächte würden in Zukunft nur noch häufiger werden. „Wenn die Erwärmung so weitergeht, dann wird es zu Ende dieses Jahrhunderts Temperaturen geben, die um fünf Grad höher liegen, als wir sie kennen.“ Aus wissenschaftlicher Sicht sei es daher wichtig, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Wiederkehr betonte, dass der Klimawandel auch im Unterricht behandelt wird.
Die Grünen sind empört: „Dass es an unseren Schulen im Sommer immer heißer wird, ist keine neue Erkenntnis. Was der Minister heute präsentiert hat, ist aber kein Plan, sondern eine Ankündigung von Ankündigungen. Was komplett fehlt, ist ein verbindlicher Zeitplan und die Garantie, dass die Maßnahmen überhaupt umgesetzt werden“, so Klubvize Sigrid Maurer.
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