Nach Massen-Ansturm

Jetzt kehren die ersten Migranten wieder um

Menschen stehen an einem Stacheldrahtzaun an der marokkanisch-spanischen Grenze bei Ceuta.
© APA/AFP/ABDEL MAJID BZIOUAT
In der spanischen Exklave Ceuta herrscht Ausnahmezustand. Rund 60.000 Migranten erreichten das kleine Gebiet an der Grenze zu Marokko – die Behörden warnten vor einem völligen Kollaps. Jetzt zeichnet sich jedoch eine überraschende Wende ab: Die ersten Menschen kehren wieder freiwillig nach Marokko zurück.
OE24 auf Google bevorzugen

Nach Angaben der spanischen Zeitung "El Mundo" haben inzwischen bereits mehr als 25.000 Migranten Ceuta wieder verlassen. Derzeit sollen rund 150 Menschen pro Minute die Grenze nach Marokko passieren. Viele hätten erkannt, dass sie in der überfüllten Exklave kaum Aussicht auf Unterkunft oder eine Weiterreise haben.

Stadt war völlig überfordert

Der Ansturm hatte Ceuta an seine Grenzen gebracht. Die Stadt mit nur rund 83.600 Einwohnern musste innerhalb weniger Tage zehntausende zusätzliche Menschen aufnehmen. "Diese Zahl zeigt, dass es unmöglich ist, einen solchen Druck aufzufangen", erklärte Ceuta-Präsident Juan Jesús Vivas.

Die Aufnahmezentren waren völlig überfüllt. Tausende Migranten schliefen unter freiem Himmel oder zogen orientierungslos durch die Straßen.

Bewohner verbarrikadierten sich

Soldaten und Militärfahrzeuge bewachen eine Straße, während viele Menschen hinter einem Grenzzaun stehen.
© APA/AFP/JORGE GUERRERO
Marokkanische Sicherheitskräfte sichern den Grenzübergang Bab Sebta bei Nacht mit vielen Menschen am Zaun.
Sicherheitskräfte versuchen den Grenzübergang zu schützen. © EPA

Spanische Medien wie "El País" und "El Español" berichteten von chaotischen Zuständen. Viele Geschäfte blieben geschlossen, zahlreiche Bewohner verbarrikadierten sich aus Angst vor möglichen Ausschreitungen in ihren Häusern.

Die Innenstadt sei selbst mitten in der Nacht voller Menschen gewesen. Händler erklärten gegenüber Reuters, sie hätten begonnen, ihre Geschäfte und Familien selbst zu schützen, weil die Polizei fast ausschließlich an der Grenze im Einsatz gewesen sei.

Ausschreitungen an der Grenze

In den vergangenen Tagen kam es an der Grenze zu Zusammenstößen. Die Polizei setzte Tränengas ein, mehrere Autos gingen in Flammen auf, während weitere Migranten versuchten, die EU-Außengrenze zu überwinden.

Mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt. Nach Berichten aus Spanien entscheiden sich immer mehr Menschen zur Rückkehr nach Marokko – weil ihnen in Ceuta schlicht die Perspektive fehlt.

Ein brennendes Fahrzeug mit schwarzem Rauch auf einer Straße, umgeben von beschädigten Autos.
Es kam zu Ausschreitungen © APA/AFP/ABDEL MAJID BZIOUAT

Europa reagiert

Spanien verstärkte die Sicherheitsmaßnahmen und entsandte zusätzliche Kräfte nach Ceuta. Regierungschef Pedro Sánchez kündigte gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska einen Besuch in der Exklave an.

Auch international sorgt die Krise weiter für Diskussionen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni fordert Konsequenzen und will Spanien vorübergehend aus dem Schengen-Raum ausschließen. Finnland unterstützt diesen Vorstoß, Frankreich hat seine Grenzkontrollen zu Spanien bereits verschärft.

Auch aus Österreich kamen Reaktionen. ÖVP-Europaabgeordneter Lukas Mandl sprach von den Folgen einer "völlig verfehlten Migrationspolitik", während FPÖ-Europaabgeordnete Petra Steger die Ereignisse als "Bankrotterklärung der europäischen Migrationspolitik" bezeichnete.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden